17.04.2003

Patrick Oetterer verkündet Gottes Wort mit Hilfe eines modernen Massenmediums Der gute Draht nach oben

Der 41-jährige Diakon ist Redakteur beim Kölner „domradio", dem ersten kirchlichen Rundfunksender in Deutschland.Von seinem Schreibtisch aus blickt Patrick Oetterer direkt auf die Kölner Domplatte und den Haupteingang der Kathedrale. Sonnenlicht durchflutet sein Büro. Aus den Lautsprechern klingt ein Popsong von Sheryl Crow - ein himmlisches Arbeitsklima. Ein Schild an der Bürotür weist auf den Job des. 41-Jährigen hin. „Frequenz 89,75 - der gute Draht nach oben", ist dort zu lesen. Oetterer arbeitet als Redakteur beim Kölner „domradio", dem ersten kirchlichen Rundfunk in Deutschland. Doch er ist kein gelernter Journalist - er ist Diakon, ein ausgebildeter Theologe und Philosoph. Während der Moderator im Studio gerade einen Interviewgast begrüßt, konzentriert sich Oetterer auf den Bücherstapel auf seinem Schreibtisch -  „Qualifizierte Begleitung von Sterben und Trauernden" ist einer der Titel. Immer wieder tippt er Stichworte in sein Laptop. „Vorbereitung auf unser Morgenmagazin zu Karfreitag", sagt er und lächelt. „Wir versuchen natürlich, Werke auszuwählen, die thematisch zu so einem Tag passen."Nicht eine Sekunde gezögertDer gebürtige Dorstener ist zuständig für Kultur- und Glaubensthemen bei dem Sender, der vom vierten Stock des Dom-Forums aus täglich 24 Stunden Programm ausstrahlt. „Von führenden Kardinälen empfohlen", heißt es in der Eigenwerbung. Oetterer organisiert zum Beispiel Gottesdienstübertragungen und bereitet Interviews, zu Fragen aus Kirche und Gesellschaft vor. Außerdem berät er die sechs Redakteurskollegen und 20 freien Mitarbeiter in theologischen Dingen. Daneben zelebriert er noch Taufen und Hochzeiten oder macht Krankenbesuche. Der Radio-Diakon - eine Art Schnittstelle zwischen Kanal und Kirche.„Ich habe einen Traumjob", gibt der Familienvater offen zu. „Nicht eine Sekunde" hat der ehemalige Mitarbeiter des Katholischen Bildungswerkes gezögert, als ihm die Redakteursstelle vor zwei Jahren angeboten wurde. Seine Vorliebe für Kirche und Glaube, Kunst und Kultur kann er hier ebenso ausleben wie sein Interesse für Medien und den Spaß, mit Menschen umzugehen. „Wo sonst könnte ich das alles unter einen Hut bringen?"„domradio" - was 1998 als Projekt zum 750-jährigen Bestehen des Kölner Doms begann, hat sich mittlerweile zu einem beliebten Spartenkanal mit. einem Jahrsetat von 1,5 Millionen Euro entwickelt, der über Kabel und im Internet zu empfangen ist. Rund 15 000 Seiten werden von Hörern täglich  aufgerufen.  Als pure kirchliche Verkündigungsstation wird der Sender allerdings nicht verstanden, auch wenn das Bistum ihn finanziert. „Wir bieten Vollprogramm von Politik bis Sport, von Kunst bis Kirche",- sagt der radiobegeisterte Gottesmann, der sich, bei Interviews ab und zu auch selbst mal ans Mikrofon setzt, „das alles mit religiösen Schwerpunkten, aber lebensnah präsentiert."Ein gern gesehener Gast und Interviewpartner ist natürlich Kardinal Meisner, auch wenn er bei der Einweihung des Studios Vor zwei Jahren erst einmal Feueralarm auslöste. Der Erzbischof und seine Ministranten hatten den Weihrauchkessel derart enthusiastisch geschwenkt, dass sie das Studio in dichte Schwaden hüllten - und da die Brandmelder leider nicht auf Gottes Frequenz programmiert waren, gab es bei der Feuerwehr Großalarm. An die Anekdote erinnern sie sich bei „domradio" gerne - aber sie sind auch stolz auf viele Sondersendungen. „Wir hatten schon Popstars wie Heinz-Rudolf Kunze im Studio oder den Nahost-Experten Peter Scholl-Latour", erzählt Oetterer. „Und wir waren der einzige Radiosender, der live die Trauerfeier für Hannelore . Kohl übertragen durfte."Nachrichten zur halben StundeDoch auch im regulären Programm setzen die Kölner Akzente. Nachrichten laufen immer um halb, zur vollen Stunde setzen die kirchlichen Radiomacher auf „Das Wort" - kurze Lebensweisheiten aus der Bibel oder literarisch-meditative Texte. Auch Formate wie „Laudes" und „Komplet", die den Tag liturgisch eröffnen und beschließen, oder die sonntäglichen Gottesdienstübertragungen aus Kirchen innerhalb des Bistums sowie das Gespräch zum Tagesevangelium sind „domradio"-Spezialitäten. Ansonsten bietet der Sender eine bunte Mischung aus Information, Bildung, Service und Unterhaltung, garniert mit Pop-Musik.Dass ein Redakteur wie Oetterer jeden Arbeitstag mit einem kurzen Gang durch die Kathedrale beginnt, „um mich von Gott her für den Tag zu sammeln und auf die Aufgaben einzustimmen", zählt zu den kleinen Unterschieden, die einen „domradio"-Mitarbeiter eben doch von Journalisten anderer Sender unterscheidet. Und auch für ihren Slogan „Der gute Draht nach oben" haben der Diakon und seine Kollegen eine eigene Begründung: „Der liebe Gott sieht und hört doch alles", sagen sie. „Also hört er auch "domradio'."   PETER KORN