Anglikanische Kirche

Kathedrale von Salisbury, England / © Jan van der Wolf (shutterstock)
Kathedrale von Salisbury, England / © Jan van der Wolf ( shutterstock )

Die anglikanische Kirche entstand zur Zeit der Reformation in England. König Heinrich VIII. brach 1533 mit dem Papst, weil dieser sich weigerte, die Ehe des Königs zu annullieren. Als Oberhaupt einer neuen Staatskirche setzte sich Heinrich VIII. 1534 selbst ein. In Glaubensfragen blieben die Anglikaner zunächst bei der katholischen Lehre; später setzten sich protestantische Einflüsse durch. 1549 erschien das erste anglikanische Glaubensbuch, das "Book of Common Prayer".

Weltweit zählt die anglikanische Kirche nach unterschiedlichen Angaben zwischen 77 und 85 Millionen Mitglieder. Außerhalb Englands gibt es 39 anglikanische Kirchenprovinzen, darunter in den USA, Australien und in mehreren Ländern Afrikas. Der englischen Mutterkirche steht die Königin als weltliches Oberhaupt vor. Geistliches Oberhaupt, Primas der Kirche von England sowie Ehrenoberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft ist der Erzbischof von Canterbury, derzeit Justin Welby (65). Er hat jedoch als Primus inter pares (Erster unter Gleichen) keine Weisungsbefugnis für die Nationalkirchen.

Bereits im 17. Jahrhundert entstanden zwei große theologische Lager, die "High Church" mit Betonung von Kirchenverfassung und Sakramenten sowie die "Low Church" mit Betonung der Heiligen Schrift. Seit dem 19. Jahrhundert zeigt sich auch eine Rückbesinnung auf katholische Elemente.

Gegenüber den Anglokatholiken bestand die evangelikal gewordene "Low Church" auf dem reformatorischen Erbe. Mittlerweile stehen in beiden Lagern Konservative und Liberale einander gegenüber. Die vergangenen Jahrzehnte waren von innerkirchlichen Spannungen und der Auseinandersetzung mit der fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft geprägt. Streitfragen sind die in vielen Nationalkirchen zugelassene Weihe von Frauen zu Geistlichen, teils auch zu Bischöfinnen, sowie der Umgang mit Homosexuellen. (KNA / 02.09.2021)