Polens Regierungschef Tusk spricht im Vatikan über Ukraine-Krieg

Auf der Suche nach besseren Methoden

Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat im Vatikan Gespräche über den Ukraine-Krieg und die Rolle seines Landes in der EU geführt. Wie das vatikanische Presseamt mitteilte, war Tusk am Donnerstagmorgen zunächst bei Papst Leo XIV.

Donald Tusk / © Virginia Mayo
Donald Tusk / © Virginia Mayo

Anschließend folgte eine Begegnung mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und dem päpstlichen Außenbeauftragten, Erzbischof Paul Richard Gallagher.

Kardinal Pietro Parolin / © Alessandra Tarantino/AP (dpa)
Kardinal Pietro Parolin / © Alessandra Tarantino/AP ( dpa )

Neben der internationalen Lage sprach man im Staatssekretariat auch über die innenpolitische Situation in Polen. Laut dem Vatikan ging es dabei vor allem um die soziale und wirtschaftliche Lage. 

Zudem seien die Beziehungen zwischen Kirche und Staat erörtert worden, etwa im Bildungsbereich und in Bezug auf ethische Fragen. In den vergangenen Monaten hatte es zwischen der Regierung Tusk und den polnischen Bischöfen Meinungsverschiedenheiten insbesondere zu Abtreibungsgesetzen und zum Schulunterricht gegeben.

Einladung nach Polen angenommen

Bei einem anschließenden Statement vor der Presse in Rom bezeichnete Tusk die Begegnung mit dem Papst als "überraschend inoffiziell" und Leo XIV. als einen großartigen Gesprächspartner. Er habe das Kirchenoberhaupt offiziell nach Polen eingeladen, und Leo XIV. habe dies "mit Freude angenommen". Vermutlich sei ein Besuch aber nicht vor 2028 zu erwarten.

"Ich habe ihm von der Lage in Polen erzählt und davon, dass auch wir sehr polarisiert sind; dass dieser politische Konflikt auch in Polen manchmal unnötig scharfe Züge annimmt", so Tusk über die Begegnung mit dem Papst. "Ich hoffe, dass mir dieses Gespräch vielleicht auch dabei helfen wird, bessere Wege und Methoden zu finden, damit diese politischen Konflikte nicht so scharf sind."

Es war die erste Privataudienz für Polens Regierungschef bei dem seit fast einem Jahr amtierenden Leo XIV. Nach den Gesprächen im Vatikan war ein Treffen mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni geplant.

Katholische Kirche in Polen

Die römisch-katholische Kirche hat in Polen traditionell viel Einfluss. Das hat auch historische Gründe:

Spätestens seit Ende des 18. Jahrhunderts, als die drei Nachbarmächte den polnischen Staat für 123 Jahre ganz auflösten, gilt die Kirche als Bewahrerin der nationalen Identität. In den vergangenen Jahren verlor sie aber besonders in der jungen Generation an Ansehen.

Prozession in Polen / © Dariusz Banaszuk (shutterstock)
Prozession in Polen / © Dariusz Banaszuk ( shutterstock )
Quelle:
KNA