Mehrheit der Polen lebt vor kirchlicher Trauung zusammen

Muss das Eheverständnis neu diskutiert werden?

Zwei Drittel der Paare in Polen leben bereits vor einer kirchlichen Trauung zusammen. Die Umfrage beschäftigt sich auch mit Motiven für die Eheschließung in der Kirche. Die Entscheidung sei oft nicht ausschließlich religiös begründet.

Goldene Hochzeitsringe auf einem Tablet in einer Kirche / © Arsstudiopro (shutterstock)
Goldene Hochzeitsringe auf einem Tablet in einer Kirche / © Arsstudiopro ( shutterstock )

Eine landesweite Umfrage der katholischen Kirche in Polen ergibt: Nur etwa ein Drittel der Paare in Polen zieht erst nach der kirchlichen Eheschließung zusammen. Das berichteten kirchliche Medien am Dienstag. Ziel der Erhebung sei es gewesen, mehr über heutige Paare und ihre Beweggründe für eine kirchliche Trauung zu erfahren.

Symbolbild Junges Ehepaar im Alltag / © Miljan Zivkovic (shutterstock)
Symbolbild Junges Ehepaar im Alltag / © Miljan Zivkovic ( shutterstock )

Ergebnisse aus dem Erzbistum Warschau etwa zeigen, dass die Entscheidung für eine kirchliche Eheschließung nicht allein religiös motiviert ist. Zugleich bezeichnete sich die Mehrheit der Befragten als gläubig (71,2 Prozent) oder tief religiös (18,3 Prozent). 

Die meisten Paare waren seit mehr als fünf Jahren (43,8 Prozent) oder seit drei bis fünf Jahren (29,2 Prozent) in einer Beziehung. Rund 67,2 Prozent lebten bereits vor Eheschließung zusammen. Nach kirchlicher Lehre ist das verboten und stellt für die Kirche eine pastorale Herausforderung dar.

Paare oft nicht mit der Lehre einverstanden

Die Beraterin in der Familienseelsorge des Warschauer Erzbistums, Beata Chojnacka, erklärte, die Zahlen würden Fragen zur Seelsorge und zur Vermittlung von Sinn und Bedeutung der Ehe aufwerfen. Junge Menschen verstünden häufig die Argumente hinter der kirchlichen Lehre nicht, so die Expertin.

Auch in Ehevorbereitungskursen zeigten sich Spannungen zur kirchlichen Lehre. "In ersten oder abschließenden Befragungen nennen junge Paare häufig Punkte, mit denen sie nicht einverstanden sind, etwa Abtreibung, künstliche Befruchtung, Verhütung oder das Zusammenleben vor der Ehe", betonte sie. Es bleibe jedoch die Frage, inwieweit dies auf tatsächlicher Kenntnis der kirchlichen Lehre beruhe oder auf öffentlich verbreiteten Meinungen.

Die Umfrage wurde vom Institut für Kirchenstatistik in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Zentrum für Familienpastoral durchgeführt. Die landesweiten Ergebnisse stellte die Polnische Bischofskonferenz Ende Februar vor. 

Die Untersuchung ist als langfristiges Projekt angelegt: In zwei bis drei Jahren soll dieselbe Gruppe erneut befragt werden. Dabei solle es um ihre aktuelle Lebenssituation, mögliche Schwierigkeiten und Unterstützungsbedarf gehen, erklärte Chojnacka.

Die Ehe als Sakrament

Die Paare verstehen ihre Ehe als einen sakramentalen Bund – als eine ganzheitliche Lebensgemeinschaft, die in ihrer Unauflöslichkeit die unverbrüchliche Treue der göttlichen Liebe spiegelt.

Sie begreifen ihren Ehebund und ihre eheliche Treue in Verbindung mit dem – in Jesus endgültig offenbar gewordnen – Versprechen, dass Gott in der konkreten Lebenswirklichkeit präsent ist und den Menschen unbedingt treu bleiben will.

Symbolbild Ehe / © BONDART PHOTOGRAPHY (shutterstock)
Quelle:
KNA