Polens Bischöfe sehen Religionslehrer ins Abseits gedrängt

Halbierung der Religionsstunden

Die polnischen Bischöfe kritisieren die Halbierung der Religionsstunden an Schulen und sehen Religionslehrkräfte benachteiligt. Auch das neue Fach stößt auf deutliche Vorbehalte. Darin wird unter anderem das Thema Sexualität behandelt.

Schulfach Religion / © Friso Gentsch (dpa)
Schulfach Religion / © Friso Gentsch ( dpa )

Die polnischen Bischöfe sehen Religionslehrerinnen und -lehrer durch die Halbierung der Religionsstunden an Schulen benachteiligt. Man werde alle möglichen Maßnahmen ergreifen, um ihre Rechte zu verteidigen, erklärte die Bildungskommission der Polnischen Bischofskonferenz am Mittwoch. Das Bildungsministerium reduzierte den Unterricht von zwei auf eine Stunde pro Woche und legte ihn auf die erste oder letzte Stunde des Schultags; zudem zählen die Noten nicht mehr zur Gesamtnote.

Besorgnis löste auch die Einführung des neuen Schulfachs Gesundheitserziehung aus. Das Fach soll über Methoden der Empfängnisverhütung, Kinderwunschtechnologien und Risiken im Zusammenhang mit Sexualität aufklären. Dazu gehören Geschlechtskrankheiten, HIV und Aids - auch Formen sexueller Gewalt werden thematisiert. 

Symbolbild Religionsunterricht in der Schule / © Julia Steinbrecht (KNA)
Symbolbild Religionsunterricht in der Schule / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Trotz mehrfacher Kritik bekräftigten die Bischöfe das Recht der Eltern, weiterhin frei darüber zu entscheiden, ob ihr Kind am Unterricht teilnimmt. In den vergangenen Monaten hatten sie Eltern allerdings dazu aufgerufen, einer Teilnahme nicht zuzustimmen.

Streit zwischen Regierung und Kirche

Unterdessen verabschiedete die Bildungskommission einen neuen Lehrplan für den katholischen Religionsunterricht. Hauptziel sei es, verlässliche und systematische Kenntnisse des Katholizismus sowie des Christentums im Allgemeinen zu vermitteln. Schülerinnen und Schüler sollten zudem die notwendigen Fähigkeiten entwickeln, diese Inhalte zu verstehen, zu interpretieren und auf aktuelle Herausforderungen anzuwenden.

Symbolbild Unterricht / © Ground Picture (shutterstock)
Symbolbild Unterricht / © Ground Picture ( shutterstock )

Hintergrund der Kritik ist der Streit zwischen den Bischöfen und der Mitte-Links-Regierung über die Halbierung der Religionsstunden an Schulen. Anfang Juli vergangenen Jahres erklärte das Verfassungsgericht die von der Regierung beschlossene Reduzierung des Religionsunterrichts von zwei auf eine Wochenstunde für verfassungswidrig. 

Bildungsministerin Barbara Nowacka wies das Urteil jedoch zurück, nachdem das Parlament dem Verfassungsgericht im März 2024 die Legitimität abgesprochen hatte. Die Kirche übte jedoch Kritik daran.

Katholische Kirche in Polen

Die römisch-katholische Kirche hat in Polen traditionell viel Einfluss. Das hat auch historische Gründe:

Spätestens seit Ende des 18. Jahrhunderts, als die drei Nachbarmächte den polnischen Staat für 123 Jahre ganz auflösten, gilt die Kirche als Bewahrerin der nationalen Identität. In den vergangenen Jahren verlor sie aber besonders in der jungen Generation an Ansehen.

Prozession in Polen / © Dariusz Banaszuk (shutterstock)
Prozession in Polen / © Dariusz Banaszuk ( shutterstock )
Quelle:
KNA