25.05.2004

Vier Jahre Domradio: „Vielfalt kirchlichen Lebens" Im Gespräch

PFK (040525) - Vor vier Jahren am Pfingstfest 2000. ging in Köln das erste Bistumsradio „domradio" auf Sendung. Aus diesem Anlass gab der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner das folgende Interview:Herr Kardinal, was bedeutet für Sie das Domradio?Kardinal Meisner: Es ist ein Versuch, mit dem wir bislang durchweg positive Erfahrungen machen. Denn mit dem Domradio schaffen wir nicht nur einen „heißen Draht" zu unseren Kirchgangern, wir erreichen vielmehr auch die „kirchenfernen" - Menschen, die auf der Suche sind. Gerade die Bischöfe Südamerikas und Asiens haben uns da viele Erfahrungen voraus; meist, weil ihre Bistümer so groß sind, dass sie keine andere Möglichkeit haben, mit ihren Gläubigen den Kontakt zu halten. Im Erzbistum Köln sind die Strecken nicht so weit, aber moderne Instrumente der Reevangelisierung brauchen wir vielfach dringender als die Schwellenländer.Worin besteht Ihrer Meinung nach die Einzigartigkeit des Senders? Kardinal Meisner; Wir haben mit dem Domradio die Möglichkeit,Themen aus dem spezifischen Blickwinkel der Kirche zu betrachten. Nehmen Sie beispielsweise unsere Nachrichten. Wenn die Politik über Veränderungen in der Pflegeversicherung berät, dann recherchieren die Mitarbeiter des Domradios eine solche Nachricht unter dem Aspekt: Was bedeutet die Veränderung für die betroffenen Menschen - und lassen dazu möglicherweise einen Mitarbeiter der Caritas zg Wort kommen.Was gefällt Ihnen besonders am Programm des domradios?Kardinal Meisner: Das Programm des Domradios spiegelt die Vielfalt kirchlichen Lebens. Gerade, weil dort die Themen unter dem spezifischen Aspekt ihrer Bedeutung für Christen betrachtet werden. Sowird auch weltkirchlich überdeutlich, was für ein gewaltiges Netzwerk die Kirche weltumspannend darstellt, Sei es nun bei einer Gottesdienstübertragung aus dem Kölner Dom oder ein Pontifikalamt mit dem Heiligen Vater in Rom oder im Telefoninterview mit einer Ordensschwester in Afrika.Würden Sie einen Verkündiaunassender dem bestehenden Domradio vorziehen?Kardinal Meisner: In Deutschland haben wir ja noch so gut wie keine Erfahrungen mit einem Verkündigungssender im eigentlichen Sinne. Insofern ist eine Abwägung schwierig. Das Domradio, wie es derzeit besteht, bietet aber allein deshalb schon eine große Chance, weil wir mit der musikalischen Mischung und dem vielfältigen Programm auch diejenigen erreichen können, die den Kontakt zur Kirche verloren haben. Für sie ist ein Verkündigungssender gleichsam wie eine Schwelle, die sie sich nicht zu übertreten trauen. Das ist eine allgemeine Erfahrung der Pastoral in den letzten Jahren. Darum bemühen wir uns um niedrigschwellige Angebote. Ein Beispiel dafür ist das Domforum in Köln. In diesem Sinne bietet das Domradio uns eine hohe Chance.Was würden Sie im Programm des Domradios nicht hören wollen?Kardinal Meisner; Eine Art der Gotteslästerung, wie sie inzwischen auch in öffentlich-rechtlichen Programmen fast schon zum „guten Ton" gehört. Es ist in manchen Medien heute kaum noch möglich, über eine kirchliche oder religiöse Frage zu sprechen, ohne dass beinahe zwanghaft eine Gegenposition gesucht werden muss. Da sind wir beim Domradio freier und können auch einmal über ein päpstliches Lehrschreiben berichten, ohne jemanden suchen zu müssen, der den Rückfall ins Mittelalter prophezeit.Wie beurteilen Sie die Zukunftspersektive des Senders?Kardinal Meisner: Das hängt entscheidend davon ab, wie das Domradio empfangen werden kann. Dazu gehört beispielsweise auch, dass ein solches Programm auch eine terrestrische Frequenz braucht. Wenn die Menschen die Möglichkeit haben, Domradio auch im Autoradio zu empfangen, bin ich sicher, dass wir in kürzester Zeit hervorragende Hörerzahlen erreichen können. Das haben übrigens unsere Erfahrungen während des Domjubiläums eindrucksvoll nachgewiesen. Was damals nur ein Experiment war, ist inzwischen ein Vollprogramm mit hoher Qualität. Und ich bin stolz darauf, dass wir in diesem Bereich hochmotivierte Mitarbeiter haben.Herr Kardinal, danke für das Gespräch.Das Gespräch führte C. Waldhecker