Neuer Erzbischof von Tirana ernannt

Vom Bootsflüchtling zum Erzbischof

Papst Franziskus hat den früheren Bootsflüchtling Arjan Dodaj zum neuen Erzbischof von Tirana-Durres ernannt. Als Jugendlicher war er aus Albanien über das Mittelmeer geflohen. Bisher ist er Weihbischof in der albanischen Hauptstadt.

Ein Bischof feiert einen Gottesdienst (Archivbild) (shutterstock)
Ein Bischof feiert einen Gottesdienst (Archivbild) / ( shutterstock )

Dodaj folgt auf Erzbischof George Anthony Frendo (75), dessen altersbedingter Amtsverzicht am Dienstag angenommen wurde.

Geflohen im Boot über das Mittelmeer

Der neu ernannte Erzbischof Dodaj (44) war als Jugendlicher Anfang der 90er Jahre im Boot über das Mittelmeer aus Albanien geflohen. In Italien arbeitete er als Schweißer und Gärtner, bevor er Studien in Theologie und Philosophie begann. 2017 ging er als Priester zurück in sein Heimatland. 2020 ernannte ihn der Papst zum Weihbischof in Tirana.

Das kommunistische Regime hatte Albanien 1967 zum "ersten atheistischen Staat" erklärt. Bis 1990 wurde jede Religionsausübung mit Gefängnis, Zwangsarbeit oder mit dem Tod bestraft. Inzwischen sind die Strukturen der Religionsgemeinschaften größtenteils wieder aufgebaut.

Möglichkeiten freier Lebensgestaltung

Die christlichen Kirchen hätten den Auftrag, allen Notleidenden zu helfen, Migranten als "Hoffnungsträger" zu sehen und auf eine Politik zu pochen, die deren Wohl fördere, sagte Dodaj zuletzt im Interview der Nachrichtenagentur Kathpress. Menschen, die ihre Heimat verlassen müssten, bräuchten Aufnahme, Teilhabe an der Gesellschaft und Möglichkeiten einer freien Lebensgestaltung.

Dodaj berichtete im Kathpress-Gespräch, er habe bei seiner Flucht als 16-Jähriger große Hoffnungen auf das westliche Europa gesetzt, "auf Werte wie Freiheit, Wahrheit, Gleichheit und Brüderlichkeit". In der kommunistischen Diktatur Albaniens seien zuvor die Träger von Hoffnung und Verteidiger der Menschenrechte eliminiert worden, allen voran der Klerus.

Von zurückgekehrten Migranten profitieren

Viele glaubenslos aufgewachsene Albaner hätten in ihre Auswanderungsländern "Christus kennengelernt", berichtete Dodaj. Ausdruck davon sei auch eine hohe Zahl von Erwachsenentaufen; in diesem Jahr habe es zu Ostern allein in Tiranas Kathedrale 60 gegeben. Die Kirche in seinem Land wachse rapide; "der Glaube ist sehr lebendig".

Nicht nur für die Kirche in Albanien seien zurückgekehrte Migranten ein "Geschenk"; die gesamte Gesellschaft könne von Rückkehrern profitieren. "Wenn Migranten im Ausland Fähigkeiten erworben haben, mit denen sie dann später daheim bessere Lebensbedingungen schaffen, werden sie zu Hoffnungsträgern", so Dodaj.

Quelle:
KNA
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