Petrus stellte die Besucherinnen und Besucher des Katholikentags auf eine harte Probe. Doch trotz strömenden Regens und amtlicher Unwetterwarnung harrten mehrere tausend Menschen auf dem Residenzplatz in Würzburg aus, um an der zentralen Eröffnungsveranstaltung des Katholikentags am Mittwochabend teilzunehmen. Vor der Bühne tummelte sich ein Meer aus bunten Regenschirmen. In der ersten Reihe saß auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, eingehüllt in eine Regenplane, während der Chor sang: "Da berühren sich Himmel und Erde".
"So wörtlich hatten wir es gar nicht gemeint", eröffnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sein Grußwort und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. "Ich bin evangelisch, aber ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass wir Christen zusammengehören und das auch erlebbar machen müssen!" Dafür brauche es Orte der Vergewisserung und der Begegnung, wie die Katholikentage.
Papst als Mutmacher
Zudem komme der Katholikentag mit seinem Motto "Hab Mut, steh auf!" (Markus 10,49) gerade zur rechten Zeit, so der Bundespräsident weiter. Immer mehr Menschen seien angesichts der aktuellen Situation müde, erschöpft und passiv. Das gehe über das Private hinaus bis hin in die Politik. "Ich halte dagegen, wir müssen aufhören, uns selbst in die Ohnmacht und das Land in den Abgrund zu reden", so Steinmeier. "Christen müssen gegen eine Weltuntergangsstimmung aufstehen. Eine Welt ohne Hoffnung ist nicht die Welt der Christen!" Zwar gebe es keine einfachen Lösungen, doch es brauche Menschen, die mutig seien, um die Welt zu einem besseren Ort machen.
Mut mache ihm der Papst, sagte Steinmeier: "Die Welt kann dankbar sein für einen unerschrockenen Verkünder von Gerechtigkeit und Frieden!" Und wenn er in einer Zeit von Krisen und Kriegen öffentlich größere Anstrengung für den Frieden fordere, verdiene dies Unterstützung und nicht Kritik, auch nicht von den Mächtigsten der Welt, sagte er und spielte damit auf die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump an. Für Steinmeier ist es der letzte Katholikentag als Bundespräsident, seine Amtszeit endet im März 2027.
Bedrohte Demokratie
Demokratie und Teilhabe sind ein zentrales Thema beim 104. Katholikentag in Würzburg. "Wir treffen uns inmitten unruhiger Zeiten", so die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Irme Stetter-Karp, während sie den Katholikentag offiziell eröffnete. Krieg, Armut und Ungerechtigkeit prägten viele Regionen auf der ganzen Welt. Lügen und Hass spalteten auch die Menschen in Deutschland. "Dem stellen wir unser Leitwort entgegen. Wir müssen für unsere Demokratie einstehen, denn diese ist bedroht, wie selten zuvor!"
Das Leitwort "Hab Mut, steh auf!" stammt aus dem Markusevangelium und handelt von der Begegnung des blinden Bartimäus mit Jesus, der ihn fragt, was er braucht, um aufzustehen und sein Leben wieder in die Hand zu nehmen. "Wir wollen ein Zeichen der Ermutigung in die Gesellschaft und in die Kirche hinein senden, das Leben in die Hand zu nehmen und aus dem Glauben heraus ein Zeugnis zu geben, dass man mit diesem Christus die Welt verändern kann", erklärte Bischof Franz Jung im Interview mit DOMRADIO.DE. Als Bischof von Würzburg ist er der Gastgeber des Katholikentages.
Zum fünften Mal in Würzburg
Aufstehen müssen man auch für die Würde und die Rechte eines jeden Menschen, betonte Stetter-Karp in ihrer Eröffnungsrede. "Wir sind solidarisch mit den Armen, den Schutzbedürftigen und Marginalisierten. Das Gift von Hass und Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und jeder Form von Menschenverachtung darf den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft nicht zersetzen", sagte sie.
Zum fünften Mal findet der Katholikentag in Würzburg statt. Der erste Katholikentag wurde 1848 in Mainz organisiert. In der Frankfurter Paulskirche war gerade das erste frei gewählte Parlament für Deutschland zusammengekommen, um eine Verfassung auszuarbeiten. Wie die politischen Bewegungen beanspruchten auch die Katholiken bürgerliche Freiheiten und gründeten den "Pius-Verein für religiöse Freiheit". Der erste Katholikentag gilt als Geburtsstunde des politisch organisierten Katholizismus in Deutschland.
Heute sind Katholikentage Orte der Begegnung, des Austauschs und der politischen Diskussion. In Würzburg sind bis Sonntag über 900 Veranstaltungen geplant, die von Anbetung über Mitmachaktionen bis hin zu politischen Streitgesprächen reichen. Viele Veranstaltungen finden im Freien statt. "Ich wünsche Ihnen einen gnädigen Wettergott!" endete Bundespräsident Steinmeier sein Grußwort und er schien – zumindest für den Moment – erhört zu werden, denn am Ende konnten alle Schirme wieder zugeklappt werden.