Was sich Erzbischof Koch vom Katholikentag erhofft

"Hoffentlich bleiben wir gut zusammen"

Spricht der Katholikentag nur ohnehin engagierte und reformorientierte Christen an? Der Berliner Erzbischof Heiner Koch widerspricht. Dennoch hat er Sorge um den Zusammenhalt der katholischen Kirche in Deutschland.

Autor/in:
Johannes Schröer
Erzbischof Heiner Koch (Erzbistum Berlin)

DOMRADIO.DE: "Hab Mut, steht auf!" (Mk 10,49) lautet das Motto des 104. Katholikentages in Würzburg, der an diesem Mittwoch beginnt. Was bedeutet Ihnen dieses Motto?

Dr. Heiner Koch (Erzbischof von Berlin): Ich verstehe es als Appell an jeden Einzelnen und bezogen auf jeden Lebensbereich, ob in Gesellschaft, Kirche und Familie, wieder die Initiative zu ergreifen. Das machen viele, aber für viele ist die aktuelle Situation so verworren und so unklar, dass sie nicht mehr die Kraft und den Willen haben, sich einzubringen und zu engagieren.

Erzbischof Heiner Koch / © Nicolas Ottersbach (DR)
Erzbischof Heiner Koch / © Nicolas Ottersbach ( DR )

Ich weiß, dass die Gesellschaft und auch die innerkirchliche Situation derzeit komplex sind, dass sich viele überfordert fühlen. Darum sollten wir überlegen, wie man aus dem Appell auch eine Ermutigung macht und den Menschen hilft, aufzustehen und weiterzugehen.

Bei dem Motto "Hab Mut, steht auf!" handelt sich um das Wort Jesu, darum hat es auch eine geistliche Dimension. Wir müssen uns geistlich vertiefen und wieder neue Kraft sammeln, um aufzustehen in dieser Gesellschaft, wo es nicht mehr üblich ist, Christ zu sein.

DOMRADIO.DE: Sie sprechen die geistliche Dimension an: Kritiker sagen, auf den Katholikentagen gebe es zu viele politische Diskussionen und diese Frage nach Gott, die im Zentrum steht, komme zu kurz. Wie sehen Sie das?

Würzburger Dom / © Johannes Schröer (DR)
Würzburger Dom / © Johannes Schröer ( DR )

Koch: Ich glaube schon, dass es hier auf dem Katholikentag sehr viele spirituelle, religiöse und liturgische Angebote gibt. Von daher stimme ich dieser Kritik nicht zu. Auf der anderen Seite ist der politische Druck derzeit sehr groß, da denke ich zum Beispiel an die bevorstehenden Landtagswahlen und die aktuellen Diskussionen, die Situation der Familien, die politische Weltlage. Ich bin dagegen, diese beiden Bereiche zu trennen. Natürlich heißt das nicht, dass wir nur politisch sein sollen und das Spirituelle vergessen. Beides sollte eine Einheit sein.

DOMRADIO.DE: Wenn man sich das Programm anschaut, gewinnt man den Eindruck, dass der Katholikentag mit seinen Themen vor allem ein kirchenpolitisch progressives Milieu anspricht. "Wie ein Grünen-Parteitag", sagte kürzlich ein Kritiker. Werden die eher traditionellen oder konservativen Katholiken und Katholikinnen hier nicht mitgenommen?

Erzbischof Heiner Koch

"Das wird noch spannend, wie sich die Kirche entwickelt, hoffentlich bleiben wir gut zusammen."

Koch: Das sehe ich anders. Ich habe gerade bei der Sitzung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken als Bischof teilgenommen und erlebt, dass Vertreter unterschiedlichster Parteien dabei waren. Am größten ist sicherlich der Teil derer, die weder wählen, noch einer Partei angehören.

Gerade im Osten sehe ich, wie klein die Mitgliedszahlen in den Parteien und gesellschaftlichen Gruppierungen sind. Die Hauptfrage ist: Welche Parteien sind hier vertreten? Wer engagiert sich politisch?

DOMRADIO.DE: Wie sehr freuen Sie sich auf den Katholikentag?

Ich freue mich sehr auf die vielen Begegnungen und Einladungen. Ich hoffe, das Wetter wird noch etwas wärmer, als es im Moment ist.

Ich sehe dem Katholikentag allerdings auch mit einer Spannung entgegen. Ich nehme wahr, dass es Gruppierungen - und die sind nicht klein - gibt, die an dem Katholikentag nicht teilnehmen und das auch explizit ablehnen. Ich weiß um die Spannungen, die innerhalb der katholischen Kirche existieren, aufgrund der vielen verschiedenen Fragen, die wir gerade lebhaft diskutieren. Das wird noch spannend, wie sich die Kirche entwickelt, hoffentlich bleiben wir gut zusammen.

Werbung für den Katholikentag 2026 / © Julia Steinbrecht (KNA)
Werbung für den Katholikentag 2026 / © Julia Steinbrecht ( KNA )

DOMRADIO.DE: Viele Fragen werden gerade diskutiert: die Segnung homosexueller Partnerschaften, der Diakonat der Frau, Synodalität. Wie kann Kirche da zusammenbleiben?

Koch: Wichtig ist, im Gespräch zu bleiben und vor allem zuzuhören, was der andere sagt. Das heißt aber auch, zu verstehen, worum es geht, wahrzunehmen, dass wir im Gespräch sein müssen mit der Weltkirche und mit dem Heiligen Vater. Das ist leicht gesagt. Vor allen Dingen habe ich Bedenken, wenn gesagt wird: "Wir stehen zum Heiligen Vater, sofern er unsere Meinung teilt."

Das Interview führte Johannes Schröer. 

Quelle:
DR

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