Vor dem Beginn des 104. Deutschen Katholikentags rufen die Veranstalter und beide große Kirchen dazu auf, sich stärker in die Gesellschaft einzubringen. Das Leitwort "Hab Mut, steh auf" sei eine Botschaft, sich als Kirche in Politik und Gesellschaft einzumischen, anstatt sich hinter die Kirchentüren zurückzuziehen, sagte Irme Stetter-Karp, die Präsidentin des veranstaltenden Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) vor Journalisten.
Der gastgebende Würzburger Bischof Franz Jung ergänzte, das Motto sei auch ein Auftrag, sich zu engagieren und nicht zu verzagen trotz aller Probleme in der Welt: "Die Kirche soll sichtbares Zeichen der Hoffnung in der Gesellschaft sein. Ohne Christinnen und Christen wäre diese ärmer." Wichtig sei ihm, dass das Christentreffen auch ein geistliches Großereignis sei mit vielen Gottesdiensten und anderen spirituellen Angeboten.
Chance für echte menschliche Begegnungen
Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig (Grüne) nannte das Großereignis eine Chance für echte menschliche Begegnungen in einer Zeit, in der viele Menschen sich ins Private zurückzögen oder Kontakte vor allem über die sozialen Medien pflegten.
Auf die Frage, warum erneut keine Vertreter der größten Oppositionspartei AfD bei den offiziellen Veranstaltungen vertreten seien, sagte Stetter-Karp, die meisten Positionen der Partei seien nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar. Die auch von den deutschen Bischöfen klar formulierte Abgrenzung gelte weiterhin, weshalb man solchen Positionen kein Podium bieten wolle. Mit Anhängern der AfD komme man aber gerne ins Gespräch und scheue auch nicht vor kontroversen Debatten zurück.
Wilmer und Fehrs: Misstrauen wächst
Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, und die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, äußerten sich im Vorfeld des Christentreffens: "Viele Menschen erleben derzeit, wie hart gesellschaftliche Debatten geworden sind. Misstrauen wächst, Positionen verhärten sich, und immer häufiger wird übereinander statt miteinander gesprochen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung: "Als Kirchen wollen wir dem etwas entgegensetzen: Orte, an denen Menschen einander zuhören, Unterschiede aushalten und gemeinsam nach Lösungen suchen."
Den anderen nicht abschreiben
Was im Kleinen gelte, trage auch im Großen: "Frieden entsteht dort, wo Menschen und Nationen einander nicht abschreiben, sondern Verständigung suchen. Angesichts von Krieg und Gewalt in vielen Teilen der Welt setzen sich die Kirchen für Versöhnung, Menschlichkeit und Überwindung von eskalierten Konflikten ein", so Fehrs und Wilmer.
Vertrauen ist möglich
Evangelische und katholische Christinnen und Christen verbinde mehr, als sie trenne, fügten sie hinzu. "Gerade weil wir nicht in allem gleich sind, zeigt die Ökumene, dass Verständigung möglich ist und Vertrauen wachsen kann. Diese Erfahrung braucht auch unsere Gesellschaft."
Der Deutsche Katholikentag findet alle zwei Jahre in wechselnden Städten statt. Er wird am Mittwochabend im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet und dauert bis Sonntag. Erwartet werden neben rund 30.000 Dauerteilnehmern noch einmal rund 30.000 Tagesgäste.