Kirchen rufen vor dem Katholikentag zu Mut und Einmischung auf

Katholikentags-Motto als Auftrag

Mehrere zehntausend Teilnehmende haben sich aufgemacht zum Katholikentag. Die Kirchen hoffen dabei auf starke Impulse für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Mutig sei, wer trotz entgegengesetzter Positionen das Gespräch suche.

Autor/in:
Hannah Krewer
Eröffnung des 104. Katholikentags am 13. Mai 2026 in Würzburg. In der ersten Reihe sitzen (v.l.n.r.): Beate Gilles, Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz (DBK); Heiner Wilmer, ernannter Bischof von Münster und Vorsitzender der DBK; Marc Frings, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Bischöfin Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). / © Harald Oppitz (KNA)
Eröffnung des 104. Katholikentags am 13. Mai 2026 in Würzburg. In der ersten Reihe sitzen (v.l.n.r.): Beate Gilles, Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz (DBK); Heiner Wilmer, ernannter Bischof von Münster und Vorsitzender der DBK; Marc Frings, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Bischöfin Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). / © Harald Oppitz ( KNA )

Vor dem Beginn des 104. Deutschen Katholikentags rufen die Veranstalter und beide große Kirchen dazu auf, sich stärker in die Gesellschaft einzubringen. Das Leitwort "Hab Mut, steh auf" sei eine Botschaft, sich als Kirche in Politik und Gesellschaft einzumischen, anstatt sich hinter die Kirchentüren zurückzuziehen, sagte Irme Stetter-Karp, die Präsidentin des veranstaltenden Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) vor Journalisten. 

Bischof Franz Jung in Würzburg / © Hannah Krewer (KNA)
Bischof Franz Jung in Würzburg / © Hannah Krewer ( KNA )

Der gastgebende Würzburger Bischof Franz Jung ergänzte, das Motto sei auch ein Auftrag, sich zu engagieren und nicht zu verzagen trotz aller Probleme in der Welt: "Die Kirche soll sichtbares Zeichen der Hoffnung in der Gesellschaft sein. Ohne Christinnen und Christen wäre diese ärmer." Wichtig sei ihm, dass das Christentreffen auch ein geistliches Großereignis sei mit vielen Gottesdiensten und anderen spirituellen Angeboten.

Chance für echte menschliche Begegnungen

Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig (Grüne) nannte das Großereignis eine Chance für echte menschliche Begegnungen in einer Zeit, in der viele Menschen sich ins Private zurückzögen oder Kontakte vor allem über die sozialen Medien pflegten.

Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), am 17. März 2025 in Würzburg / © Hannah Krewer (KNA)
Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), am 17. März 2025 in Würzburg / © Hannah Krewer ( KNA )

Auf die Frage, warum erneut keine Vertreter der größten Oppositionspartei AfD bei den offiziellen Veranstaltungen vertreten seien, sagte Stetter-Karp, die meisten Positionen der Partei seien nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar. Die auch von den deutschen Bischöfen klar formulierte Abgrenzung gelte weiterhin, weshalb man solchen Positionen kein Podium bieten wolle. Mit Anhängern der AfD komme man aber gerne ins Gespräch und scheue auch nicht vor kontroversen Debatten zurück.

Wilmer und Fehrs: Misstrauen wächst

Heiner Wilmer, designierter Bischof von Münster / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Heiner Wilmer, designierter Bischof von Münster / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, und die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, äußerten sich im Vorfeld des Christentreffens: "Viele Menschen erleben derzeit, wie hart gesellschaftliche Debatten geworden sind. Misstrauen wächst, Positionen verhärten sich, und immer häufiger wird übereinander statt miteinander gesprochen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung: "Als Kirchen wollen wir dem etwas entgegensetzen: Orte, an denen Menschen einander zuhören, Unterschiede aushalten und gemeinsam nach Lösungen suchen."

Den anderen nicht abschreiben

Was im Kleinen gelte, trage auch im Großen: "Frieden entsteht dort, wo Menschen und Nationen einander nicht abschreiben, sondern Verständigung suchen. Angesichts von Krieg und Gewalt in vielen Teilen der Welt setzen sich die Kirchen für Versöhnung, Menschlichkeit und Überwindung von eskalierten Konflikten ein", so Fehrs und Wilmer.

Vertrauen ist möglich

Die alte und wohl auch neue Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs. / © epd-bild/Christian Ditsch (epd)
Die alte und wohl auch neue Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs. / © epd-bild/Christian Ditsch ( epd )

Evangelische und katholische Christinnen und Christen verbinde mehr, als sie trenne, fügten sie hinzu. "Gerade weil wir nicht in allem gleich sind, zeigt die Ökumene, dass Verständigung möglich ist und Vertrauen wachsen kann. Diese Erfahrung braucht auch unsere Gesellschaft."

Der Deutsche Katholikentag findet alle zwei Jahre in wechselnden Städten statt. Er wird am Mittwochabend im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet und dauert bis Sonntag. Erwartet werden neben rund 30.000 Dauerteilnehmern noch einmal rund 30.000 Tagesgäste.

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 (DR)
Quelle:
KNA