"Kein Mensch taugt ohne Freude". Das ist ein Zitat von Walter von der Vogelweide. Der berühmte Minnesänger aus dem späten Mittelalter liegt in Würzburg, im malerischen Lusamgärtchen begraben. An diesem ruhigen Ort mitten in der Stadt treffe ich Gerd und Gerhard, die aus Wiesbaden angereist sind. Die beiden besuchen seit dem Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin jeden Kirchen- und jeden Katholikentag.
Gerhard ist katholisch, Gerd evangelisch. Wenn das keine praktizierte Ökumene ist? Die beiden sind Arbeitskollegen bei einer Lebensversicherung. "Wir sind auf der Suche nach Glauben", sagt Gerhard. Besonders interessiert sie das kulturelle Programm. "Hier kriegst du von gregorianischer Musik bis Hip-Hop alles geboten", schwärmt Gerd. Besonders freut es mich, dass beide die DOMRADIO.DE-App auf ihrem Handy installiert haben.
Neben Walter von der Vogelweide hat Würzburg noch einiges an Prominenz zu bieten. Dirk Nowitzki ist hier geboren, Wilhelm Conrad Röntgen oder Mathias Grünewald. Und dann sind da noch die drei Patrone der Stadt: Die irischen Märtyrer Kilian, Kolonat und Totnan liegen im Dom zu Würzburg. Treffen kann man sie aber auch im Shop des Katholikentags. Als Playmobil-Figuren sitzen die drei Heiligen in einem Ruderboot und sind jetzt schon, wie man mir erklärt, der absolute Verkaufsschlager.
"Ich freue mich auf den Katholikentag wie ein kleines Kind auf Weihnachten", sagt der Würzburger Bürgermeister Martin Heilig auf der Pressekonferenz, kurz bevor es losgeht. Auf die Frage, was er sich von diesem Fest des Glaubens erhofft, sagt er nur ein Wort: Zuversicht.
"Hab Mut, steh auf", das Motto ist jetzt überall in der Stadt sichtbar. Was das heißen kann? "Aufstehen ins Leben, Position beziehen, handeln gegen den Gedanken 'es bringt ja doch alles nichts'". Das sagt Pfarrer Andreas Frick in der Frühmesse am Mittwochmorgen. Um 8:00 Uhr beginnt der zweite Tag des ZdK-Treffens mit einem Gottesdienst und weil der frühe Vogel den Wurm fängt, bin ich dabei und erlebe eine "Dialogpredigt". Man muss dabei wissen, dass Frauen laut Kirchenrecht in der Messe nicht predigen dürfen. Schlau ist es daher, dieses Gebot zu umgehen, indem ein Pfarrer predigt - gemeinsam mit einer Frau.
"Wir brauchen einen weltweiten Frauen-Gipfel im Vatikan", fordert das ZdK. "Stimmt", sagt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. In einer Kaffeepause bitte ich ihn um ein Interview. Als überzeugter Katholik sorgt er sich, dass die engagierten Katholiken sich in den Streitereien um Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare, Frauenweihe oder Synodalität verlieren und damit das große Ganze, die Sehnsucht der Menschen nach Gott, aus dem Blickfeld gerate. Aber gehört nicht beides zusammen? Auf dem Katholikentag wird sich viel um die Frage drehen, wie Glaube zeitgemäß gelebt werden kann. Und Glaubensfreude gehört sicher dazu.
Ich höre, wie Walter von der Vogelweide mir erneut zuflüstert: "Kein Mensch taugt ohne Freude". Und diese Freude ist jetzt auch auf dem Katholikentag in Würzburg angekommen. In den vielen weißen Hütten auf der Bistumsmeile am Main und in der ganzen Stadt sind fleißige Helfer damit beschäftigt, die Stände einzurichten.
Besonders freut es mich, am Stand von Radio Vatikan die Kolleginnen und Kollegen aus Rom zu treffen. Den Papst haben sie auch mitgebracht - als lebensgroßen lächelnden Starschnitt aus Pappe. Gleich daneben ein Postkasten mit der Aufschrift "Vatikan-Post". Und das ist jetzt keine Attrappe, erklärt Radio Vatikan-Redakteurin Christine Seuss, denn tatsächlich kann man am Vatikan-Stand eine Postkarte mit Papstbriefmarke schreiben.
Die nimmt Christine Seuss dann mit nach Rom, wo die Postkarte einen original Vatikan-Sonderstempel bekommt und dort abgeschickt wird. Ob allerdings der Papst die Postkarten persönlich abstempelt, konnte die Kollegin nicht zusagen, verspricht aber, ihr Möglichstes zu tun.