Slowakische Presse kritisiert Covid-Lockerungen für Papstbesuch

Gottesfürchtigkeit vor Gesundheit?

Bald kommt der Papst zu Besuch. Doch die jüngste Entscheidung der slowakischen Bischofskonferenz zur Lockerung der Covid-Auflagen während des anstehenden Besuchs von Franziskus stößt in den Zeitungen des Landes auf Kritik.

Porträt des winkenden Papst Franziskus in einem Fenster / © Markus Nowak (KNA)
Porträt des winkenden Papst Franziskus in einem Fenster / © Markus Nowak ( KNA )

Für viele stellt sich die Frage, ob Gottesfürchtigkeit Vorrang vor Gesundheit hat.

Die neue Richtlinie sieht vor, dass zu den öffentlichen Messen des Oberhaupts der katholischen Kirche auch ungeimpfte Personen kommen dürfen. Im Juli noch hatten die Bischofskonferenz und das Gesundheitsministerium verkündet, nur geimpfte Gläubige an den Messen teilnehmen zu lassen. Nunmehr sollen auch Genesene und Getestete diese Möglichkeit erhalten.

Staat soll Besuchsbedingungen kontrollieren

Die Zeitung "Dennik N" schreibt dazu in ihrer Montagsausgabe: "Das jetzige Umdenken soll nicht so sehr die Ungeimpften zufrieden stellen. Es haben sich vielmehr weit weniger Menschen zum Besuch des Papstes angemeldet, als die Organisatoren erwartet hatten. Doch wird sich das durch die Ungeimpften grundlegend ändern?"

Das größte slowakische Internetportal Aktuality.sk stellt die scharfen Regeln des Staates über das Interesse der Kirche: "Der Papst wird nach seinem Besuch abreisen, wir aber bleiben hier. Und wenn der Papstbesuch zu einer massiven dritten Coronavirus-Welle führen sollte, dann wäre das unfair gegenüber denen, die sich überhaupt nicht für das Oberhaupt der katholischen Kirche interessieren."

Der Staat, so das Portal weiter, müsse die Bedingungen für den Besuch des Papstes kontrollieren, damit die Atheisten nicht die Folgen dieses Besuchs erleiden. Denn auch sie seien vollwertige Bürger dieses Landes.

EU-Land mit niedriger Impfquote

Das linksgerichtete Blatt "Pravda" stellt mit Blick auf die wieder wachsende Zahl von Corona-Fällen in der Slowakei den gesamten Papstbesuch in Frage. "Diejenigen, die ständig um das Leben der Ungeborenen kämpfen, sollten dem Leben derer, die sich bei diesen Massenveranstaltungen infizieren, nicht gleichgültig gegenüberstehen."

Aufgrund des drohenden geringen Interesses sollten die Regeln für die "Corona-Partys mit dem Papst" gelockert werden, "nur um der Welt zu zeigen, was für eine gottesfürchtige Nation wir sind", so die Zeitung. "Was Ende September passieren wird, scheint niemanden zu stören."

Die Slowakei gehört zu den EU-Ländern mit der niedrigsten Impfquote. Derzeit sind nur 41,1 Prozent der Slowaken vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Papst Franziskus wird das Land vom 12. bis zum 15. September besuchen.

Quelle:
KNA