"Christus ist auferstanden! Ja, er ist wahrhaft auferstanden!" So begann Rainer Maria Kardinal Woelki seine Predigt in der Osternacht im Kölner Dom und erinnerte damit an den Ostergruß der Christen in den Kirchen des Ostens. Der Kölner Erzbischof betonte, wie reich die Osternacht sei an Symbolen, Liedern, Lesungen und Gebeten.
"In dieser Nacht feiern wir den Sieg des Lebens über den Tod. Wir feiern das Leben, das Gott selbst ist", so Woelki. Dieses Leben sei so stark, dass es die Fesseln des Todes sprenge. So, wie Jesus auferstanden sei, könnten alle Menschen auferstehen. "Wie das, werden Sie vielleicht erstaunt und überrascht fragen?", führte er weiter aus.
Die Auferstehung habe bereits mit der Taufe begonnen. Die Taufe sei das alles entscheidende Grunddatum des christlichen Lebens. In ihr habe Gott den Bund fürs Leben geschlossen. "Zu einem jeden von uns hat er in der Taufe sein 'Ja' gesprochen, so dass mit ihr eine große, tiefe Freundschaftsbeziehung zwischen Gott und mir, zwischen Gott und uns allen, seiner Kirche begonnen hat", betonte der Kölner Erzbischof.
Die Beziehung zu Gott sei sogar noch mehr als nur eine Freundschaft, sondern so etwas wie eine Liebesbeziehung. In einer solchen Beziehung tausche man sich miteinander aus, erzähle, wie es einem gehe, und verbringe gerne Zeit miteinander. "Und Liebe, also echte Liebe, die endet eben nie", bekräftigte Woelki. Diese Liebe halte ein ganzes Leben und bei Gott noch darüber hinaus. Eben davon spreche die Osternacht, denn der irdische Tod stelle für Gott keine Grenze dar.
Woelki führte in seiner Predigt fort, dass Liebe immer nach Antwort verlange. Deswegen sollten Christinnen und Christen auch eine Antwort auf das Liebes- und Freundschaftsangebot des Auferstandenen geben, indem sie ihren Glauben leben und praktizieren.
"Wenn wir auf dieses Ziel hin leben, auf den auferstandenen Herrn hin, dann beginnt bereits jetzt unser Leben, nach Ostern, nach dem auferstandenen Christus zu schmecken." Eine solche Hoffnung könne befähigen, mit Schwierigkeiten im Leben umzugehen. Zum Ende seiner Predigt appellierte der Kölner Erzbischof, Augen und Herzen für das göttliche Geschenk der Teilhabe an Gottes Leben zu öffnen und den Frieden Christi in eine oft friedlose Welt zu tragen.
Kardinal Marx: Jesus war für Mächtige gefährlich
Trotz Kriegen, Hass und Verschwörungstheorien ruft Kardinal Reinhard Marx die Menschen dazu auf, an der Hoffnung auf eine bessere Welt festzuhalten. Diese sei keine naive Träumerei, sagte er in der Osternacht im Münchner Dom. Er rief dazu auf, sich weiterhin für Frieden, Solidarität und Gemeinschaft einzusetzen. Ostern stehe dabei für eine realistische Hoffnung und erfordere Menschen, die mit Zuversicht und Engagement gegen Egoismus, Hass und Spaltung wirken.
Zugleich betont Marx, dass die Botschaft Jesu von Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit schon damals als bedrohlich galt und auch heute oft als unrealistisch abgetan wird - dennoch dürfe man sich nicht von Stimmen der Resignation leiten lassen, sondern müsse aktiv für Recht und Frieden eintreten.
Erzbischof Koch: Offen sein für Gott
Ostern ist laut dem Berliner Erzbischof Heiner Koch ein Signal für die Bereitschaft, sich für andere Menschen einzusetzen. "In einer Zeit der Gewalt und des Terrors bekennen und hoffen wir auf den Auferstandenen", sagte Koch in seiner Osterbotschaft. Jesus sei "in dieser oft so furchtbaren und widersprüchlichen Welt" unter den Menschen und lasse sie nie allein: "Damals nicht am Ostertag und heute nicht im Jahr 2026."
Oft würden Menschen im täglichen Leben nur das sehen, was sie auch erwarten. Es komme darauf an, Gott im eigenen Leben zu entdecken und dafür offen zu sein. Besonders in dunklen und herausfordernden Situationen sei er spürbar.
Bischof Overbeck: Ostern ist eine Zeitenwende
Ostern ist für den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck eine Zeitenwende. "Altes vergeht, Neues kommt", sagte der Bischof in seiner Predigt zur Osternacht laut vorab verbreitetem Redemanuskript. Christen müssten in dieser Zeit extremster Veränderungen und Bedrohung zeigen, was es heißt, eine Zeitenwende zu leben und zu gestalten.
"Nicht nur in unserem Land und in Europa ändern sich die Realitäten, ebenso auch in unserer Kirche, in den Religionen und in allen Lebenszusammenhängen", so der Bischof weiter. Die Zeitenwende zu leben heiße, umso mehr Orientierung im Glauben zu finden. "Es geht dabei weder um Naivität noch um moralische Appelle oder zynischen Irrtum, sondern es geht darum, Recht und Menschen zu schützen", führte Overbeck aus. Es gelte die Überzeugung, dass nicht das Recht des Stärkeren siegen dürfe, sondern die Stärke des Rechts.
Bischof Wiesemann: Kirche an der Seite der Unterdrückten
Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann ruft zu Ostern zum Widerstand gegen autoritäre Regime und gegen die Unterdrückung von Menschenrechten auf. "Unser Auftrag als Kirche ist es, unselige Mechanismen der Macht zu entlarven und uns an die Seite derer zu stellen, die von anderen unterdrückt und erniedrigt werden", sagte Wiesemann in seiner am Gründonnerstag in Speyer veröffentlichten Osterbotschaft.
Das Osterfest lade dazu ein, sich neu von der Botschaft Gottes ergreifen zu lassen, sagte der Bischof. "Dass er uns hilft, alles gewaltsame Streben nach Macht über andere zu durchbrechen." Christen sollten sich solidarisch mit den leidenden und unterdrückten Menschen zeigen, forderte Wiesemann.
Weihbischof Theising: Mit neuer Hoffnung aufbrechen
Das Osterfest steht nach den Worten des Münsteraner Weihbischofs Wilfried Theising für Aufbruch und neue Perspektiven. Die Botschaft der Auferstehung setze "neu in Bewegung - damals wie heute", sagte Theising in seiner Predigt in der Osternacht im Münsteraner Dom laut Redetext. "Ostern lässt uns aufbrechen mit neuer Hoffnung und Perspektive."
Die Jünger seien vom Ort der Kreuzigung geflohen, sagte der Weihbischof. Aber am Ostertag seien sie zum Grab gelaufen. Hingehen und Hinsehen seien der Weg und die neue Haltung, betonte Theising. Im Bistum Münster ist der Bischofsstuhl noch vakant, vom 21. Juni an steht der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, an der Spitze des Bistums.
Bischof Ipolt: Ostern nimmt Angst
Ostern gibt Christen laut dem Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt Orientierung für ihr Leben und ihre Bestimmung. "Die biblische Botschaft sagt uns, woher wir kommen und was wir sind - Bild Gottes und geliebtes Geschöpf. Aber Ostern sagt uns auch, wohin wir gehen, was das Ziel des Menschen ist", so Ipolt in seiner Osterbotschaft.
Durch Ostern hätten für gläubige Menschen das Sterben und der Tod ihren letzten Schrecken verloren. Der Tod sei nur "der Durchgang zu dem großen Ziel der bleibenden Gemeinschaft der Menschen mit Gott im Himmel", sagte Ipolt. Dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, sei und bleibe die große Herausforderung für jeden Christen inmitten von vielen anderen Angeboten.
Bischof Feige: Den Horizont weiten
Ostern bedeute nicht, alles schönzureden oder zu verkitschen, sagte der Magdeburger Bischof Gerhard Feige: "Das Fest der Auferstehung lädt uns aber dazu ein, aufmerksamer die Momente wahrzunehmen, die unseren Blick auf die positiven Seiten des Lebens wenden - in diesen Tagen und darüber hinaus." Dazu gehöre selbstverständlich auch "die unbändige Hoffnung auf die Erlösung und Vollendung eines jeden Menschen in Gottes Herrlichkeit".
Sie verleihe den Menschen die Kraft, sich allen Fehlschlägen zum Trotz nicht fallen zu lassen, sondern durchzuhalten und sich weiterhin für eine bessere Welt einzusetzen. "Anders ausgedrückt könnte man auch sagen: Wer ein Wohin und Wozu hat, verkraftet auch fast jedes Wie", so Feige.
Bischof Bätzing: Ernstmacher des Glaubens
Georg Bätzing spannte in seiner Osterpredigt den Bogen vom Taufverständnis im frühen Christentum bis ins Heute. Damals habe man großen Respekt vor der Taufe gehabt und sie daher oft bewusst hinausgezögert. "Die Getauften nannte man die 'Ernstmacher des Glaubens'", so der Bischof von Limburg in der Osternacht. Menschen, die ihr Leben wirklich an Christus ausrichten wollten. Diese Ernsthaftigkeit sei auch heute eine Einladung. "Glaube ist nichts Oberflächliches. Er will unser Leben prägen - in Freiheit und Verantwortung", so der Bischof.
Zugleich wandte er sich gegen ein angstbesetztes Verständnis der Taufe, das jedoch leider lange Zeit das kirchliche Denken geprägt habe. Die Vorstellung, ein Mensch müsse erst von einer "befleckten Seele" gereinigt werden, greife zu kurz. "Von Anfang an bist du ein Geschöpf Gottes mit einzigartiger Würde", betonte Bätzing. Vom ersten Atemzug an sei jeder Mensch ein geliebtes Kind Gottes. Diese Zusage stehe am Anfang - und nicht die Angst.
DOMRADIO.DE hat von 21:30 Uhr an die Feier der Osternacht aus dem Kölner Dom mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki übertragen. Der Kölner Domchor sang unter der Leitung von Alexander Niehues. An der Orgel war Winfried Bönig. Der Knabenchor der Hohen Domkirche sang in diesem so besonderen Gottesdienst Werke u. a. von Charles Stanford, Giovannie Pierluigi da Palestrina und William H. Harris.