Bischöfe veröffentlichen Umfrage-Ergebnisse zu Weltsynode

"Wunsch nach mehr Dialog in Kirche und Gesellschaft"

Wie blicken die deutschen Katholiken auf ihre Kirche? Im Vorfeld der von Papst Franziskus für den Herbst 2023 einberufenen Weltsynode hat die Deutsche Bischofskonferenz Antworten auf diese Frage zusammengestellt.

Weltsynode / © Romano Siciliani/ Vatican Media (KNA)
Weltsynode / © Romano Siciliani/ Vatican Media ( KNA )

Am Freitag hat die Deutsche Bischofskonferenz die Zusammenfassung der deutschen Umfrageergebnisse zur Weltsynode der katholischen Kirche veröffentlicht. Darin finden sich zahlreiche Aufrufe zu Reformen, aber auch eine kritische Bestandsaufnahme der aktuellen Situation.

Unter anderem wünschen sich die Teilnehmer eine stärkere Beteiligung von Laien, insbesondere von Frauen, eine erneuerte Sexualmoral und eine verständlichere Sprache. Die Kirche dürfe nicht den Anschluss an die Welt verlieren. Daher müsse sie sich verstärkt in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen, "und zwar zu den gesellschaftlich relevanten (und nicht nur kirchlich interessierenden) Themen, wie zum Beispiel Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, Würde des Menschen, Armut und Migration, Krieg und Frieden".

Wunsch nach mehr Dialog in Kirche und Gesellschaft

Der Bericht fasst die Ergebnisse der Umfrage auf 13 Seiten zusammen. Das Papier geht an den Vatikan und ist Teil der von Papst Franziskus im Sommer 2021 ausgerufenen Weltsynode. Diese endet im Herbst 2023 mit einer Bischofsversammlung in Rom. Mit dem weltweiten Prozess will Franziskus in der katholischen Kirche vor allem einen anderen Umgangsstil etablieren. Dabei sollen Themen und Herausforderungen für Kirche und Christen benannt werden. Es geht auch um die Frage, wie Laien in der Kirche gestärkt werden können.

Ein "Wunsch nach mehr Dialog in Kirche und Gesellschaft" ziehe sich durch alle Berichte aus den 27 deutschen Bistümern, fasst die Bischofskonferenz zusammen: "Vor allem auf den Dialog mit den Menschen einer säkularen Gesellschaft fühlen sich viele nicht vorbereitet und dazu nicht befähigt." Beklagt werde zudem eine Ausgrenzung von Menschen, die wie etwa schwule oder lesbische Paare nicht im Einklang mit der geltenden Lehre der Kirche lebten.

Innerkirchlich gebe es nicht selten Blockaden "zwischen denen, die sich von der Welt abgrenzen wollen, und denen, die sich in kritisch-konstruktiver Zeitgenossenschaft mit der Gesellschaft verstehen", heißt es weiter. Zudem fehle oft eine Atmosphäre, in der angstfrei und offen über umstrittene Themen wie Fragen der Sexualität geredet werden könne. Die Außendarstellung der Kirche wird den Angaben zufolge oft als "verkrustet, zu hierarchisch und altmodisch" angesehen.

Weniger ehrenamtlich Engagierte

In den Gemeinden, so der Bericht weiter, nehme die Zahl der haupt- und ehrenamtlich Engagierten stetig ab. Frustration und Überlastung seien die Folgen. Viele Laien fühlten sich von der Hierarchie "ausgebremst". Mit Blick auf Priester sei mehrfach der Wunsch geäußert worden, sie von Mangament- und Verwaltungsaufgaben zu entlasten, damit sie sich verstärkt der Seelsorge widmen könnten:

"Leitung sollten die wahrnehmen, die dazu das Charisma, die Ausbildung und Kompetenz besitzen."

Einen eigenen Teil widmen die deutschen Bischöfe dem Reformprojekt Synodaler Weg und früheren Erfahrungen in gemeinsamen Beratungen auf nationaler Ebene. In den Bistümern zeige sich diesbezüglich "eine gewisse Ambivalenz", so die Bischöfe: "Einige sind so enttäuscht, dass sie von einer neu beschworenen Synodalität nichts mehr erwarten. Andere lehnen diese ab und wollen, dass alles beim Alten bleibt."

An der Befragung hätten sich nur wenige Katholiken beteiligt; die Rückmeldungen lägen "im untersten einstelligen Prozentbereich", hieß es. Die Berichte aus Diözesen und nationalen Bischofskonferenzen sollen die Grundlage abgeben für die zweite Vorbereitungsphase der Weltsynode. In diesem Schritt sollen die Stimmungsbilder für jeden Kontinent zusammengefasst werden.

Der weltweite synodale Prozess schließt im Herbst 2023 mit einer Bischofsversammlung. Diese soll die Eindrücke aus dem weltweiten Erfahrungsaustausch bündeln. Allerdings ist sie nur ein Teil der vom Papst im Sommer 2021 gestarteten Weltsynode.

Weltsynode 2021-2024

Papst Franziskus hat am 9. Oktober 2021 einen weltweiten synodalen Prozess der katholischen Kirche eröffnet. In dem zunächst auf zwei, mittlerweile auf drei Jahre angelegten mehrstufigen Dialog soll die Kirche vor allem einen anderen Umgangsstil einüben. Dabei geht es zunächst darum, einander und anderen genauer zuzuhören. So soll die Kirche nach Wunsch des Papstes besser erkennen, welchen Herausforderungen sie sich stellen muss und wie sie - Gottes Willen entsprechend - damit umgeht.

Papst Franziskus hält die Hand ans Ohr / © Paul Hering (KNA)
Papst Franziskus hält die Hand ans Ohr / © Paul Hering ( KNA )

Quelle:
KNA
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