Bischöfe rufen in Karwoche und zu Ostern zum Ende von Machtstreben auf

Kreuz als notwendiges Korrektiv

In der Karwoche rufen die deutschen Bischöfe zu Solidarität und Hilfe für Menschen auf, denen ihre Würde genommen wurde, und kritisieren jegliche Machtfantasien. Ostern appelliere an uns, das gewaltsame Streben nach Macht zu beenden.

Kreuz an einem Lilienfeld  (shutterstock)

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Kardinal Woelki: Kirche lebt von Christus

In seiner Predigt an Gründonnerstag betonte Kölner Kardinal Rainer Maria Kardinal Woelki, dass Christus und die Kirche eine untrennbare Einheit bilden. "Die Kirche lebt also nicht aus sich selbst, sondern ganz und gar von Christus." In der Eucharistie werde Christus gegenwärtig und die Gläubigen würden ein Leib mit Christus.

Deswegen dürften Christinnen und Christen dankbar auf das Geheimnis des Glaubens blicken. "Es ist ein Geschenk, nicht um es für sich zu behalten. Es ist ein Geschenk zum Weiterschenken." Eltern würden es ihren Kindern durch ihr Ja geben. Noch viel mehr würden Gläubige aber vom Ja Gottes, des Schöpfers, leben. Gottes Ja zeige sich besonders im Sakrament der Eucharistie. 

Kardinal Marx: Kreuz ist provozierend und heilsam zugleich

Reinhard Kardinal Marx in Augsburg / © Marko Orlovic  (DBK)
Reinhard Kardinal Marx in Augsburg / © Marko Orlovic ( DBK )
Reinhard Kardinal Marx

In seiner Karfreitagsbotschaft macht der Münchner Kardinal Reinhard Marx deutlich, dass das Kreuz ein Zeichen des Heils, der Hoffnung und der universellen Liebe Gottes sei. Totalitäre Machtfantasien dagegen, führten in die schlimmsten menschlichen Abgründe und seien Quelle von Fanatismus und Diktatur. Das Kreuz sei ein notwendiges Korrektiv und ein Zeichen des Heils und der Hoffnung, "ein Zeichen, das gegen alle Gewaltherrscher dieser Welt aufgerichtet dasteht." 

Das Kreuz gebe Zeugnis von einem Gott, der am Leid der Menschen nie vorübergehe. Wer sich mit Jesus Christus auf seinen Kreuzweg begebe, stelle sich in die "Solidarität mit allen Leidenden, Gequälten, Unterdrückten, mit allen Opfern von Krieg und Gewalt und Erniedrigung".

Erzbischof Bentz: "Du bist nicht allein"

Erzbischof Udo Markus Bentz predigt (Archivbild) / © Harald Oppitz (KNA)
Erzbischof Udo Markus Bentz predigt (Archivbild) / © Harald Oppitz ( KNA )

Erzbischof Udo Markus Bentz wusch zwölf Frauen und Männern in der Gründonnerstagsmesse im Paderborner Dom die Füße. "Die Fußwaschung sagt: Gott beugt sich in deiner Einsamkeit zu dir hinab", erklärte er. Einsamkeit sei ein breites soziales Problem, sie verändere nicht nur das Innenleben des Einzelnen, sondern auch das Gemeinwesen, betonte der Theologe mit Hinblick auf steigende Beziehungsarmut. 

Eine Gesellschaft werde automatisch ärmer, wenn "das Wir in ihr" zu wenig gespürt werde. Alleinsein müsse nicht nur Isolation sein, sondern könne auch ein Ort der Klarheit, Gelassenheit und Selbsterkenntnis werden. 

Erzbischof Koch: Offen sein für Gott

Ostern ist laut dem katholischen Berliner Erzbischof Heiner Koch ein Signal für Hoffnung und die Bereitschaft, sich für andere Menschen einzusetzen. "Gerade in einer Zeit mit so viel Krieg und Elend, in einer Zeit gefüllt mit so viel Verzweiflung und Wirrsinn, in einer Zeit der Gewalt und des Terrors bekennen und hoffen wir auf den Auferstandenen", sagte Koch in seiner Osterbotschaft. Die Christen feiern an Ostern die Auferstehung Jesu von den Toten.

Erzbischof Heiner Koch (Erzbistum Berlin)

Jesus sei "in dieser oft so furchtbaren und widersprüchlichen Welt" unter den Menschen: "Das ist unsere Hoffnung, das kann uns Kraft geben, uns für das Leben eines jeden Menschen in all seinen Lebensphasen und Lebenssituationen einzusetzen", so Koch. Zugleich sporne es zum Einsatz für den Frieden in der Welt an. Die Botschaft der Auferstehung sei, dass sich Jesus niemals zurückziehe und die Menschen nicht allein lasse: "Damals nicht am Ostertag und heute nicht im Jahr 2026."

Oft würden Menschen im täglichen Leben nur das sehen, was sie auch erwarten. "Ostern stellt uns die Frage, ob wir ganz konkret Gott in unserem Leben wirklich erwarten oder ob wir die Möglichkeit, Gott in unserem Leben zu sehen und ihn wahrzunehmen, für eine fixe Idee und eine Illusion halten", erklärte der Erzbischof. Es komme darauf an, Gott im eigenen Leben zu entdecken und dafür offen zu sein. Oft sei er besonders in dunklen und herausfordernden Situationen spürbar.

Erzbischof Gössl: "Kein Mensch wird vergessen"

Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl nennt Kriege eine "Schande für die Menschheit" und kritisiert die Todesstrafe. "Wir
waren uns lange sicher, dass die Menschheit aus den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts gelernt hat und den Frieden auf jeden Fall bewahren wird", sagte Gössl laut Mitteilung des Erzbistums am Karfreitag im Bamberger Dom. "Heute werden munter Kriege vom Zaun gebrochen, Menschen werden massenhaft, oft von der eigenen Regierung, verfolgt und gezielt umgebracht, um die eigene Macht, das eigene Überleben zu sichern."

Gottesdienst am dritten Tag der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Kloster Steinfeld unter der Leitung von Erzbischof Herwig Gössl, Erzbischof von Bamberg 
 / © Nicolas Ottersbach (DR)
Gottesdienst am dritten Tag der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Kloster Steinfeld unter der Leitung von Erzbischof Herwig Gössl, Erzbischof von Bamberg / © Nicolas Ottersbach ( DR )
Erzbischof Herwig Gössl

Auf der Welt sei so vieles wieder denkbar und möglich geworden, dass man diese Welt oft nicht mehr verstehe, so Gössl weiter. Er warnte vor einer "Kultur des Todes". Probleme ließen sich nicht mit Gewalt lösen: "Vor allem scheint der Tod unseren Geist zu beherrschen durch die Vorstellung, mit dem Tod sei alles aus - und davon abgeleitet durch die irrige Meinung, durch den Tod eines anderen ließen sich irgendwelche Probleme aus der Welt schaffen."

Der gewaltsame Tod Jesu Christi habe die Macht des Todes aber gebrochen, ergänzte Gössl. "Seit der Sohn Gottes am Kreuz den Tod auf sich nahm, kann niemand mehr durch den Tod zum Schweigen gebracht werden." Dies gelte insbesondere für Opfer von Gewalt. In Gott sei kein Mensch jemals vergessen oder verloren. Durch das Kreuz werde daher nicht nur das Leid sichtbar, sondern auch die Hoffnung.

Bischof Overbeck: Orientierung an der Menschenwürde

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck rief zum Karfreitag dazu auf, sich wieder neu an der Menschenwürde zu orientieren. In Zeiten des Umbruchs sollten Probleme menschenwürdig gelöst und den Menschen statt die Macht in den Vordergrund gestellt werden: "Nicht Macht, Profit oder Stärke dürfen den Weg bestimmen, sondern der Mensch selbst – als Ebenbild Gottes", erklärte der Bischof. Das sei besonders wichtig in einer Welt voller politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche. Am Freitag betete Overbeck den traditionellen Kreuzweg auf der Bottroper Heide Haniel.

Bischof Overbeck / © dr (DR)
Bischof Overbeck / © dr ( DR )

Overbeck betonte weiter, Probleme könnten angesichts von Kriegen und Unsicherheiten nicht einfach ausgesessen werden. Vielmehr würden offene Zeitpläne, wechselnde Szenarien und schmerzhafte Anpassungsprozesse zu dauerhaften Begleitern. Die Gesellschaft brauche dabei einen klaren Kompass: "Wahrheit zeigt sich in Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Solidarität und dem Einsatz für Frieden, Demokratie und das Gemeinwohl."

Kraftspendende Hoffnung entstehe dort, wo Menschen einander vertrauten, Verantwortung übernähmen und Veränderungen so gestalteten, dass niemand seine Würde verliere. Das Ruhrgebiet biete dafür gute Voraussetzungen: "Die Menschen hier sind eine Gemeinschaft, die im Wohl und Wehe aufeinander angewiesen ist, Solidarität und Subsidiarität pflegt – und gemeinsam lebt."

Bischof Gerber: Passion ist hochaktuelle Verlusterfahrung

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber hat am Karfreitag Parallelen zwischen der Passion von Jesus Christus und den Erschütterungen der Gegenwart gezogen. "Aktuell geht gleichzeitig Verschiedenes zu Bruch, was über Jahrzehnte für uns selbstverständlich war", heißt es im Manuskript seiner Karfreitagspredigt. 

Michael Gerber segnet Kinder / © Otti Leupolt (KNA)
Michael Gerber segnet Kinder / © Otti Leupolt ( KNA )

Exemplarisch nennt er den Frieden in Europa, die Stabilität von Bündnissen und die Einheit der Europäischen Union. Zugleich nähmen Terror und Gewalt zu, und die Polarisierung in der Gesellschaft verstärke sich. "Es gibt heute wohl kaum mehr jemanden,der auf die nächste Generation schaut und sagt: Mein Kind wird es einmal besser haben als ich", so Gerber über die veränderte Stimmung.

Die Passion Jesu sei eine eklatante und multiple Verlusterfahrung. Es gehe um Verrat, Gewalt, das Zerbrechen von Beziehungen sowie den Verlust von Sicherheit und Selbstgewissheit. Und doch liege genau darin der entscheidende Wendepunkt. "Genau dort, wo scheinbar allen der Boden unter den Füßen weggezogen wird, legt Gott einen neuen Grund."

Bischof Wiesemann: Kirche steht an der Seite der Unterdrückten

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann ruft zu Ostern zum Widerstand gegen autoritäre Regime und gegen die Unterdrückung von Menschenrechten aufgerufen. "Unser Auftrag als Kirche ist es, unselige Mechanismen der Macht zu entlarven und uns an die Seite derer zu stellen, die von anderen unterdrückt und erniedrigt werden", sagte Wiesemann in seiner am Gründonnerstag in Speyer veröffentlichten Osterbotschaft.

Karl-Heinz Wiesemann / © Julia Steinbrecht (KNA)
Karl-Heinz Wiesemann / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Das Osterfest lade dazu ein, sich neu von der Botschaft Gottes ergreifen zu lassen, sagte der Bischof. "Dass er uns hilft, alles gewaltsame Streben nach Macht über andere zu durchbrechen." Christen sollten sich solidarisch mit den leidenden und unterdrückten Menschen zeigen, forderte Wiesemann.

(Stand: 3.4., 15:15 Uhr)

Ostern

An Ostern feiern Christen ihr wichtigstes Fest: die Auferstehung Jesu am dritten Tag nach dem Tod am Kreuz. Die Botschaft von Kreuz und Auferstehung ist das Fundament ihres Glaubens. Kerngehalt ist, "dass am Ende das Leben über den Tod, die Wahrheit über die Lüge, die Gerechtigkeit über das Unrecht, die Liebe über den Hass und selbst über den Tod siegen wird", so der katholische Katechismus.

Seit dem Konzil von Nizäa im Jahre 325 wird das älteste Fest der Christenheit am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert.

Osterkerzen / © Harald Oppitz (KNA)
Osterkerzen / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
epd , KNA
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