Kardinal Marx hält Machtfantasien für unvereinbar mit dem Kreuz

Botschaft zu Karfreitag

In seiner Karfreitagsbotschaft macht der Münchner Kardinal Reinhard Marx deutlich, dass das Kreuz ein Zeichen des Heils, der Hoffnung und der universellen Liebe Gottes ist. Keinen Platz haben dagegen totalitäre Machtfantasien.

Archivbild: Kardinal Reinhard Marx predigt / © Julia Steinbrecht (KNA)
Archivbild: Kardinal Reinhard Marx predigt / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Das Kreuz ist nach den Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx provozierend und heilsam zugleich. 

Dabei zeige es die Grenzen politischer Macht auf, sagt Marx laut Manuskript in der Feier vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitagsnachmittag im Münchner Liebfrauendom: "Totalitäre Machtfantasien – und seien sie noch so religiös verbrämt – sind mit dem Kreuz Christi unvereinbar." Diese führten in die schlimmsten menschlichen Abgründe, wie die Geschichte lehre. Sie seien Quelle von Fanatismus und Diktatur.

Christen stünden dagegen für die universale Menschheitsfamilie, die zusammengehöre und gemeinsam einen Weg gehen müsse. Das Kreuz sei ein notwendiges Korrektiv, ein Zeichen des Heils und der Hoffnung, "ein Zeichen, das uns verpflichtet, gerade heute. Und ein Zeichen, das gegen alle Gewaltherrscher dieser Welt aufgerichtet dasteht."

"Kreuzweg der Völker"

Beim "Kreuzweg der Völker" am Karfreitagvormittag erklärt der Kardinal auf dem Münchner Marienplatz laut Manuskript, dass Gott im Kreuz seines Sohnes die Mächte des Todes, der Aggression und der Gewalt endgültig ins Leere laufen lasse: "Das Kreuz ist Zeichen der universalen Liebe Gottes." Es sei gerichtet gegen jede totalitäre Fantasie und gegen jede Form von politischem oder religiösem Fanatismus.

"Über alle Grenzen der Sprachen und Kulturen hinweg sind wir eine Gemeinschaft", betont Marx. Die Kirche Christi kenne keine Fremden, sondern nur Mitbürger und Hausgenossen Gottes: "Dafür steht das eine Kreuz, das errichtet ist über die ganze Welt als Einladung und Zeichen der Hoffnung."

Wer sich mit Jesus Christus auf seinen Kreuzweg begebe, führt der Kardinal aus, stelle sich in die "Solidarität mit allen Leidenden, Gequälten, Unterdrückten, mit allen Opfern von Krieg und Gewalt und Erniedrigung". Das Kreuz gebe Zeugnis von einem Gott, der am Leid der Menschen nie vorübergehe, weil ihn Tod, Verderben, Erniedrigung, Sünde und Gewalt unmittelbar beträfen. "Und da schauen wir heute am Karfreitag besonders auf das Heilige Land, das wieder und wieder von Gewalt und Krieg getroffen wird."

Karfreitag

Am Karfreitag gedenken die Christen des Leidens und Sterbens Jesu. Theologisch ist der Feiertag untrennbar mit Ostern als dem Fest der Auferstehung verbunden.

Das Wort "Kar" kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet "Kummer". Karfreitag gedenken Katholiken und Protestanten der Kreuzigung Jesu. Neben Aschermittwoch ist dies der einzige Tag, der in der katholischen Kirche als strenger Buß- und Fasttag gilt.

Karfreitag ist ein stiller Feiertag (dpa)
Karfreitag ist ein stiller Feiertag / ( dpa )
Quelle:
KNA