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Kardinal Woelki: Kirche lebt von Christus
In seiner Predigt an Gründonnerstag betonte Kölner Kardinal Rainer Maria Kardinal Woelki, dass Christus und die Kirche eine untrennbare Einheit bilden. "Die Kirche lebt also nicht aus sich selbst, sondern ganz und gar von Christus." In der Eucharistie werde Christus gegenwärtig und die Gläubigen würden ein Leib mit Christus.
Deswegen dürften Christinnen und Christen dankbar auf das Geheimnis des Glaubens blicken. "Es ist ein Geschenk, nicht um es für sich zu behalten. Es ist ein Geschenk zum Weiterschenken." Eltern würden es ihren Kindern durch ihr Ja geben. Noch viel mehr würden Gläubige aber vom Ja Gottes, des Schöpfers, leben. Gottes Ja zeige sich besonders im Sakrament der Eucharistie.
Kardinal Marx: Kreuz ist provozierend und heilsam zugleich
In seiner Karfreitagsbotschaft macht der Münchner Kardinal Reinhard Marx deutlich, dass das Kreuz ein Zeichen des Heils, der Hoffnung und der universellen Liebe Gottes sei. Totalitäre Machtfantasien dagegen, seien Quelle von Fanatismus und Diktatur. Das Kreuz ist ein notwendiges Korrektiv und ein Zeichen des Heils und der Hoffnung, "ein Zeichen, das gegen alle Gewaltherrscher dieser Welt aufgerichtet dasteht."
Das Kreuz gebe Zeugnis von einem Gott, der am Leid der Menschen nie vorübergehe. Wer sich mit Jesus Christus auf seinen Kreuzweg begebe, stelle sich in die "Solidarität mit allen Leidenden, Gequälten, Unterdrückten, mit allen Opfern von Krieg und Gewalt und Erniedrigung".
Erzbischof Bentz: "Du bist nicht allein"
Erzbischof Udo Markus Bentz wusch zwölf Frauen und Männern in der Gründonnerstagsmesse im Paderborner Dom die Füße. "Die Fußwaschung sagt: Gott beugt sich in deiner Einsamkeit zu dir hinab", erklärte er. Einsamkeit sei ein breites soziales Problem, sie verändere nicht nur das Innenleben des Einzelnen, sondern auch das Gemeinwesen, betonte der Theologe mit Hinblick auf steigende Beziehungsarmut.
Eine Gesellschaft werde automatisch ärmer, wenn "das Wir in ihr" zu wenig gespürt werde. Alleinsein müsse nicht nur Isolation sein, sondern könne auch ein Ort der Klarheit, Gelassenheit und Selbsterkenntnis werden.
Erzbischof Koch: Offen sein für Gott
Ostern ist laut dem katholischen Berliner Erzbischof Heiner Koch ein Signal für die Bereitschaft, sich für andere Menschen einzusetzen. "In einer Zeit der Gewalt und des Terrors bekennen und hoffen wir auf den Auferstandenen", sagte Koch in seiner Osterbotschaft. Jesus sei "in dieser oft so furchtbaren und widersprüchlichen Welt" unter den Menschen und lasse sie nie allein: "Damals nicht am Ostertag und heute nicht im Jahr 2026."
Oft würden Menschen im täglichen Leben nur das sehen, was sie auch erwarten. Es komme darauf an, Gott im eigenen Leben zu entdecken und dafür offen zu sein. Besonders in dunklen und herausfordernden Situationen sei er spürbar.
Erzbischof Gössl: "Kein Mensch wird vergessen"
Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl nennt Kriege eine "Schande für die Menschheit" und kritisiert die Todesstrafe. "Wir waren uns lange sicher, dass die Menschheit aus den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts gelernt hat", sagte Gössl laut Mitteilung des Erzbistums am Karfreitag im Bamberger Dom. Trotzdem sei so vieles wieder denkbar und möglich geworden, dass man die Welt oft nicht mehr verstehe, so Gössl weiter.
Probleme ließen sich nicht mit Gewalt lösen. Der gewaltsame Tod Jesu Christi habe die Macht des Todes aber gebrochen, ergänzte Gössl. "Seit der Sohn Gottes am Kreuz den Tod auf sich nahm, kann niemand mehr durch den Tod zum Schweigen gebracht werden." Dies gelte insbesondere für Opfer von Gewalt. In Gott sei kein Mensch jemals vergessen oder verloren.
Bischof Bätzing: Warnung vor Mitgefühlsmüdigkeit
Zahlreiche Menschen fühlen sich laut dem Limburger Bischof Georg Bätzing durch ständige Krisen und Kriege emotional überfordert. "Es ist einfach zu viel, um innerlich Anteil zu nehmen." Er beobachte eine zunehmende Abstumpfung dem Leid gegenüber und rät, sich ein Beispiel an Jesus zu nehmen.
"Wenn ich den Passionserzählungen glauben darf, dann hat Jesus selbst in den bittersten Stunden seines Leidens das Mitleiden nie aufgegeben." Es gehe nicht darum, die Müdigkeit zu verdrängen, sondern vielmehr darum, Kraft aus dem Glauben zu schöpfen.
Bischof Overbeck: Orientierung an der Menschenwürde
Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck rief zum Karfreitag dazu auf, sich wieder neu an der Menschenwürde zu orientieren. "Nicht Macht, Profit oder Stärke dürfen den Weg bestimmen, sondern der Mensch selbst – als Ebenbild Gottes", erklärte der Bischof. Das sei besonders wichtig in einer Welt voller politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche.
Overbeck betonte weiter, Probleme könnten angesichts von Kriegen und Unsicherheiten nicht einfach ausgesessen werden. Vielmehr würden offene Zeitpläne, wechselnde Szenarien und schmerzhafte Anpassungsprozesse zu dauerhaften Begleitern. Die Gesellschaft brauche dabei einen klaren Kompass: "Wahrheit zeigt sich in Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Solidarität und dem Einsatz für Frieden, Demokratie und das Gemeinwohl."
Bischof Ackermann: Am Ende siegt die Liebe
An Karfreitag scheine schon die Botschaft von Ostern auf, erklärte Ackermann laut Redetext am Freitag in Trier. "Das Schlussbild dieser Welt ist nicht grausam und hässlich, sondern hell und schön", denn am Ende siege die Liebe. Die Christen könnten beten und sich dafür einsetzen, dass die Welt menschlicher und mehr dem Willen Gottes entspreche. Dazu gäbe die österliche Hoffnung Kraft.
Münsteraner Diözesanadministrator: Drama des Menschseins
In der Leidensgeschichte Jesu zeigt sich nach den Worten des Münsteraner Diözesanadministrators Antonius Hamers das ganze "Drama des Menschseins". Zugleich zeige die Passionsgeschichte "Zeichen der Liebe, der Treue, der Tapferkeit und der Menschlichkeit". Am Kreuz schenke Jesus den Menschen Erlösung und einen Neuanfang. Hamers leitet bis zur Einführung des neune Bischofs Heiner Wilmer kommissarisch das Bistum Münster.
Bischof Gerber: Passion ist hochaktuelle Verlusterfahrung
Der Fuldaer Bischof Michael Gerber hat am Karfreitag Parallelen zwischen der Passion von Jesus Christus und den Erschütterungen der Gegenwart gezogen. "Aktuell geht gleichzeitig Verschiedenes zu Bruch, was über Jahrzehnte für uns selbstverständlich war", heißt es im Manuskript seiner Karfreitagspredigt.
Exemplarisch benannte er einzelne aktuelle Konflikte der weltpolitische Lage. "Es gibt heute wohl kaum mehr jemanden, der auf die nächste Generation schaut und sagt: Mein Kind wird es einmal besser haben als ich", so Gerber über die veränderte Stimmung.
Auch in der Passion gehe um Verrat, Gewalt, das Zerbrechen von Beziehungen und doch liege genau darin der entscheidende Wendepunkt. "Genau dort, wo scheinbar allen der Boden unter den Füßen weggezogen wird, legt Gott einen neuen Grund."
Bischof Wiesemann: Kirche steht an der Seite der Unterdrückten
Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann ruft zu Ostern zum Widerstand gegen autoritäre Regime und gegen die Unterdrückung von Menschenrechten auf. "Unser Auftrag als Kirche ist es, unselige Mechanismen der Macht zu entlarven und uns an die Seite derer zu stellen, die von anderen unterdrückt und erniedrigt werden", sagte Wiesemann in seiner am Gründonnerstag in Speyer veröffentlichten Osterbotschaft.
Das Osterfest lade dazu ein, sich neu von der Botschaft Gottes ergreifen zu lassen, sagte der Bischof. "Dass er uns hilft, alles gewaltsame Streben nach Macht über andere zu durchbrechen." Christen sollten sich solidarisch mit den leidenden und unterdrückten Menschen zeigen, forderte Wiesemann.
Weihbischof Wörner: Freiheit bedeutet nicht Unverbindlichkeit
"Viele denken, sie seien schon frei, wenn sie tun und lassen können, was sie gerade wollen", sagte Weihbischof Florian Wörner laut Manuskript am Karfreitag im Augsburger Dom. Diese Menschen verwechselten Freiheit mit Unabhängigkeit und Unverbindlichkeit, "was nicht selten zu Beliebigkeit und Eigennutz führt."
Doch ohne Opferbereitschaft, Beziehung und Verantwortung gebe es keine wahre Freiheit, so der Augsburger Weihbischof. "Freiheit entsteht da, wo Menschen bereit sind, etwas zu geben, sich zu geben, aus Liebe, aneinander, an Gott", ergänzte er. Christen seien nicht trotz, sondern wegen des Glaubens und der Liebe frei. Jesus habe aus Liebe heraus seine Freiheit aufgegeben, sich festnehmen, fesseln und letztendlich töten lassen. Das sei keineswegs eine Niederlage, sondern der "entscheidende Befreiungsschlag der Liebe Gottes" gewesen. Der Tod Jesu am Kreuz zeige: "Das letzte Wort hat Gott und nicht der Widersacher", erklärte der Weihbischof.
(Stand: 3.4., 18:26 Uhr)