08.03.2026 | 18:00 - 19:00 | Veranstaltungsreihe Musica

Bearbeitungen gibt es auch in der geistlichen Musik

Henne oder Ei?

Hühner / © Adwo (shutterstock)

Sendung

Beginn:
Ende:

Eine strenge Trennung zwischen "weltlicher" und "geistlicher" Musik existiert heutzutage immer weniger, Filmmusik erklingt in Kathedralen, andersherum erklingen in Kinofilmen geistliche Gesänge. Diese Durchmischung gibt es schon lange.

Was war zuerst da? Die Henne oder das Ei? Aus der Pop- oder Rockmusik kennt man ja das "Covern", also dass Songs später von anderen Gruppen gesungen oder auch verändert und bearbeitet werden. Manchmal ist es so, dass das Cover berühmter wird als das Original. Das gibt es natürlich auch in der klassischen und geistlichen Musik. 

Bei sehr alter Musik ist dann manchmal gar nicht mehr erkennbar, was das Original und was die spätere Bearbeitung war - die Frage nach Henne oder Ei kann dann gar nicht mehr beantwortet werden. Dafür finden sich einige Beispiele in der Musik von Johann Sebastian Bach.

Das Denkmal für den Komponisten Johann Sebastian Bach steht in Eisenach, wo er 1685 geboren wurde. / © Michael Reichel/dpa (dpa)
Das Denkmal für den Komponisten Johann Sebastian Bach steht in Eisenach, wo er 1685 geboren wurde. / © Michael Reichel/dpa ( dpa )

Originelle und überraschende Bearbeitungen in der Musik gibt es aber bis heute, Nicht erst berühmte Orgel-Influencer wie die Britin Anna Lapwood haben Filmmusik in die Kirche gebracht – schon länger gibt es ganze Stummfilmabende in Kirchen, bei denen Organisten zu alten Filmen auf der Kirchenorgel improvisieren. 

Aber schon im Zeitalter der Renaissance wurde weltliche Tanzmusik leicht verändert in geistlicher Musik verwendet. Im Barock-Zeitalter gab es das so genannte Parodie-Verfahren, bei dem ein weltliches Chorstück mit einem neuen Text versehen wurde und dann im Gottesdienst gesungen wurde. 

Anna Lapwood vor dem Kölner Dom / © Mathias Peter (DR)
Anna Lapwood vor dem Kölner Dom / © Mathias Peter ( DR )

Dieses Phänomen existiert bis heute, das berühmte "Adagio" von Samuel Barber entstand im 20. Jahrhundert. Aufgrund seiner emotionalen Ansprache ist es sehr populär, der Komponist arbeitete es persönlich in eine Agnus-Dei-Vertonung um. Das Agnus Dei ist der letzte Teil der katholischen Messe, in dem Jesus als das Lamm Gottes bezeichnet wird, das für die Sünden der Menschen gestorben ist und das mit einem eindringlichen Wunsch nach Frieden endet.

In der Sendung Musica am Sonntag Abend erklingen mehrere Beispiele für musikalische Bearbeitungen, unter anderem Werke aus der Filmmusik, die für die Kirchenorgel eingerichtet wurden und das besagte "Adagio“ von Samuel Barber.

Die Orgel - Königin der Instrumente

Die Pfeifenorgel gilt als das bedeutendste und traditionsreichste Musikinstrument der christlichen Kirchenmusik. Seit dem Mittelalter ist sie untrennbar mit dem gottesdienstlichen Leben in katholischen wie evangelischen Kirchen verbunden und wird häufig als "Königin der Instrumente" bezeichnet. Ihre Besonderheit liegt nicht nur in der komplexen Technik und der Fülle an Klangfarben, sondern auch in ihrer liturgischen Funktion als tragendes und erhebendes Element des Gemeindegesangs und der musikalischen Ausgestaltung von Gottesdiensten.

 Ein Blick auf die Große Orgel und das Rosenfenster von der Westfassade Notre-Dames / © Sarah Meyssonnier (dpa)
Ein Blick auf die Große Orgel und das Rosenfenster von der Westfassade Notre-Dames / © Sarah Meyssonnier ( dpa )