Wer es sich in der Barockzeit als Fürst, Kaiser oder Bischof leisten konnte, ließ zu Hochfesten wie Ostern extra Werke komponieren. Besonders Wien als Kaiserstadt, Dresden oder Salzburg legten großen Wert auf prachtvolle Klänge.
Auch die fünf Teile der katholischen Messe wurden entsprechend zu Ostern oder Weihnachten vom jeweiligen Kapellmeister oder seinem Vertreter regelmäßig neu komponiert. Das Besondere: nur über den musikalischen Charakter und möglichen Zitaten bei den Melodien war der Zusammenhang zu Ostern möglich, denn der eigentliche Mess-Text mit Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei durfte nicht verändert werden.
Auch durch die Bezeichnung der Messvertonung mit einem entsprechenden Titel konnte der Komponist einen österlichen Bezug herstellen.
Biber als Chef von Mozart senior
Ein Beispiel aus dem heutigen Österreich ist die Missa "Resurrectionis Domini". In Salzburg war Mitte des 18. Jahrhunderts Carl Heinrich Biber Hof-Kapellmeister. Der Name Biber steht in Barock-Musik für die monumentale Missa Salisburgensis und die berühmten Rosenkranz-Sonaten. Die wurden allerdings vom Vater von Carl Heinrich, nämlich Heinrich Ignaz Franz Biber von Bibern geschrieben.
Sein Sohn Carl Heinrich war allerdings zu Lebzeiten ähnlich erfolgreich – später wurde er wie sein Vater Hofkapellmeister in Salzburg und in den Adelsstand erhoben. Seine Lebensdaten entsprechen ziemlich genau denen von Johann Sebastian Bach. Allerdings schrieb er als katholischer Komponist in Salzburg doch erheblich anders. Übrigens war Biber als Hofkapellmeister Dienstvorgesetzter eines gewissen Leopold Mozart, dem Vater von Wolfgang Amadeus Mozart.
Biber besetzt seine Oster-Messe buchstäblich mit Pauken und Trompeten, Gesangssolisten, Chor und Orchester.
Im Radioprogramm von DOMRADIO.DE erklingt die Messvertonung ab 18 Uhr am Ostersonntag.