Wie Katholiken in Corona-Zeiten den Advent beginnen

Wenn der QR-Code nicht lesbar ist

Angesichts steigender Infektionszahlen haben auch die Kirchen ihre Schutzkonzepte verschärft. Ein Beispiel aus Berlin, wo beim ersten Adventsgottesdienst in der katholischen Rosenkranz-Basilika nicht immer alles glatt ablief.

Adventsgottesdienst in der Rosenkranz-Basilika in Berlin / © Gregor Krumpholz (KNA)
Adventsgottesdienst in der Rosenkranz-Basilika in Berlin / © Gregor Krumpholz ( KNA )

Vor der Rosenkranz-Basilika in Berlin-Steglitz hat sich ein kleiner Stau gebildet. Und das, obwohl vier Helferinnen und Helfer der katholischen Kirchengemeinde einen zügigen Eintritt zum ersten Adventsgottesdienst ermöglichen wollen. Doch die neuen coronabedingten Zugangsregelungen kosten Zeit.

Für die Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen hat das Erzbistum Berlin ab diesem Wochenende grundsätzlich die 2G-Regelung eingeführt. Eingelassen werden demnach nur geimpfte oder genesene Besucherinnen und Besucher, wie es auf staatliche Anordnung unter anderem nun auch im Einzelhandel vorgeschrieben ist.

"Kein Gläubiger soll ausgeschlossen bleiben"

Und doch gibt es in der Basilika unweit der Schlosstraße, einer der großen Einkaufsmeilen der Hauptstadt, einen Unterschied. Dort gilt an diesem Abend "3G". Eingelassen wird auch, wer einen aktuellen und negativen Corona-Test vorweisen kann. In jeder Pfarrei muss mindestens ein Gottesdienst unter diesen Bedingungen angeboten werden, hat das Erzbistum verfügt. Kein Gläubiger soll ausgeschlossen bleiben.

Was auf dem Papier einfach aussieht, hat in der Praxis manchmal seine Tücken. Am Eingang der Basilika ist es jetzt der schriftliche Nachweis einer jungen Mutter, dessen QR-Code nicht per Smartphone lesbar ist. Sie spurtet zurück zur Teststation, um einen neuen zu besorgen. Ihr Töchterchen darf derweil neben Andreas Fladerer, einem der ehrenamtlichen Gemeindehelfer, Platz nehmen.

Die Warteschlange ist unterdessen kürzer geworden, auch wenn einige Besucherinnen und Besucher noch ihre Anschrift angeben müssen, weil sie in der Kirchengemeinde nicht bekannt ist. Immer routinierter scannt Fladerer den quadratischen Code ein, der an ein Labyrinth erinnert. Ihn zeigen einige Besucherinnen und Besucher per App auf ihrem Smartphone, ältere zumeist auf Papier oder legen den Impfpass und ihren Personalausweis vor. Eine Dame kann nichts vorweisen. "Ich habe das gar nicht gewusst", sagt sie zu den neuen Regeln. "Erst letzten Monat habe ich mich testen lassen", versichert sie dann. "Wir müssen ganz streng sein", erklärt ihr Andreas Fladerer, bevor sie geht.

Generalvikar Manfred Kollig: Kein Gottesdienste "hinter verschlossenen Türen"

Angesichts rasant steigender Infektionszahlen sollen die neuen Regeln in den Gottesdiensten "größtmöglichen Schutz" vor einer Ansteckung ermöglichen, wie der Generalvikar des Erzbistums, Pater Manfred Kollig, im rbb-Radio erläuterte. Eine Situation wie zu Beginn der Pandemie im vergangenen Jahr, als Ostergottesdienste nur "hinter verschlossenen Türen" stattfanden und im Fernsehen oder per Internet zu verfolgen waren, soll es möglichst nicht mehr geben.

Gottesdienste wie in evangelischen Gemeinden, die weiter nur unter den schon eingeführten Abstands-, Masken- und Dokumentationspflichten stattfinden, kommen für den Generalvikar nicht infrage. Er schätzt es, dass die vom Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit den Kirchen viel Eigenverantwortung einräumt, und sieht darin auch eine Verpflichtung.

Dennoch hat das Erzbistum die neuen Regelungen kurz vor Beginn der Adventszeit nach Rücksprache unter anderem mit den Gemeindeseelsorgern abgemildert. So dürfen Werktagsgottesdienste, anders als ursprünglich geplant, "wegen der geringen Anzahl der Mitfeiernden" unter 3G-Bedingung stattfinden. Auch können Eltern unter bestimmten Umständen "auf Vertrauensbasis" bestätigen, dass sie ihre Kinder auf Corona getestet haben.

"Ich leide mit Ihnen"

In der Basilika sind die meisten Besucher des Adventsgottesdienstes schon an ihren Plätzen, als auch die junge Mutter mit einem - nun lesbaren - Testnachweis zurückkommt. Erleichtert tritt auch sie mit ihrem Töchterchen in das Gotteshaus mit der im byzantinischen Stil prachtvoll ausgemalten Kuppel ein. Nur jeder zweite der 100 erlaubten Plätze ist besetzt. "Deutlich weniger als sonst", wie Gemeindehelfer Andreas Fladerer vermerkt.

Dann ertönt die Glocke, die den Beginn des Gottesdienstes ankündigt. Die Orgel stimmt "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit" an, das wohl bekannteste Adventslied. Es klingt seltsam in einer Zeit der notgedrungenen Auflagen und Kontrollen. "Ich leide mit Ihnen", sagt Emanuele Cimbaro, der Kaplan der Basilika-Gemeinde.

Pater Manfred Kollig / © Julia Steinbrecht (KNA)
Pater Manfred Kollig / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Autor/in:
Gregor Krumpholz
Quelle:
KNA
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