Malteser impfen in Berliner Messehalle gegen Corona

"Hauptsache, man ist geschützt!"

Bis zu 4.000 Menschen täglich werden in einer Berliner Messehalle vom Malteser Hilfsdienst gegen das Corona-Virus geimpft. Wie läuft das ab? Brauchen die Impfwilligen einen Termin oder geht es auch ohne Anmeldung? Ein Besuch vor Ort.

Menschen warten in einer Schlange vor einem Impfzentrum, betrieben vom Malteser Hilfsdienst / © Jannis Chavakis (KNA)
Menschen warten in einer Schlange vor einem Impfzentrum, betrieben vom Malteser Hilfsdienst / © Jannis Chavakis ( KNA )

Es ist ein grauer und kalter Novembervormittag im Berliner Westen. Vor dem Messezentrum stehen Menschen warm eingepackt und warten. Es sind Männer und Frauen, Junge und Alte, mit Migrationshintergrund und ohne. Sie tragen zumeist Masken, halten Abstand, einige telefonieren oder rauchen. Ordner in gelben Westen und der Aufschrift "Sicherheit und Service" teilen sie ein in eine Schlange "mit Termin" und eine weitere "ohne Termin".

Kapazitäten verdreifacht

Bis zu 4.000 Menschen täglich werden in Halle 21 gegen das Corona-Virus geimpft. Der Malteser Hilfsdienst, der im Auftrag der Senatsverwaltung für Gesundheit das Impfzentrum betreibt, musste "die Kapazitäten in den letzten Wochen verdreifachen", so Pressesprecherin Diana Bade. Hunderte Helfer seien im Einsatz. Dabei sei vor allem der Anteil der Booster-Impfungen – also der dritten Impfung – "explosionsartig" gestiegen. Der Anteil der Erstimpfungen lag am vergangenen Wochenende bei einem Sechstel.

Wer ohne Termin kommt, muss Wartezeiten einkalkulieren. Bereits draußen wird kontrolliert, ob die letzte Corona-Impfung auch mindestens fünf Monate her ist. "Ich habe gedacht, das Wetter ist heute trocken, gehe ich mal hin. Da macht einem das Warten ja nichts aus", sagt Brigitte Hansen (Name geändert), eine ältere Dame in grüner Winterjacke, die in der Schlange "ohne Termin" steht. Sie sieht sich suchend um. "Ich müsste mal auf die Toilette. Ob das noch lange dauert?", fragt sie. Ein Dixie-Klo gibt es draußen nicht.

Lieber Warteschlange als Warteliste 

Eigentlich habe sie für die dritte Impfung auch zu ihrem Hausarzt gehen wollen, erzählt die Berlinerin. "Ich bin ja schon 72." Aber dieser habe erst Mitte Januar einen Termin für sie gehabt – obwohl sie ja wegen ihres Alters zur Risikogruppe zählt. "So lange wollte ich aber nicht warten."

Für einen jungen Afrikaner ist es die erste Impfung. Er erkundigt sich höflich in gebrochenem Deutsch, was denn besser sei: Biontech/Pfizer oder Moderna? "Beides ist gut, aber die Moderna-Schlange ist ein bisschen kürzer", antwortet ein Ordner. Ein Argument, das den jungen Mann offensichtlich überzeugt: Er stellt sich dort an.

Hellblau oder rosa?

Nach etwa 50 Minuten werden Brigitte Hansen und vier weitere Impfwillige aus der Biontech-Schlange in das Impfzentrum vorgelassen. Eine Frau mit blauer Weste und der Aufschrift "Wir helfen" misst bei den Neuankömmlingen mit einem Stirnthermometer die Körpertemperatur.

Wer nur eine OP-Maske trägt, erhält eine FFP2-Maske, bevor er - wenn fieberfrei - die Eingangstür passieren darf, und einen hellblauen Zettel in die Hand gedrückt bekommt: Die Farbe steht für den Impfstoff Biontech, in der Moderna-Gruppe ist es ein rosa Papier. Als optisches Erkennungszeichen sozusagen, damit es keine Verwechslung gibt.

Wieder heißt es Warten, im Fünfer-Grüppchen und auf Sitzplätzen im Zwei-Meter-Abstand. Nach etwa zehn Minuten ruft ein Helfer: "Die Reihe einmal aufstehen und nach vorne laufen, bitte". Die fünf Impfkandidaten rücken im Gänsemarsch vor. Eine blaue Bodenmarkierung leitet sie zur Anmeldung, wo ein Bundeswehrsoldat Personalausweis und Impfausweis kontrolliert. Auch der Anamnesebogen, der Vorerkrankungen abfragt, wird hier ausgefüllt.

Oberarm frei – eine Herausforderung

Weiter geht es zu einer der zahlreichen Kabinen. Wer es bis dahin geschafft hat, sitzt auf einem separierten Stuhl vor einem weißen Vorhang. Eine Frau im Jogginganzug hat vorsorglich den Ärmel ihres Pullis hochgeschoben und den tätowierten Oberarm entblößt. Sie scheint sich auszukennen.

Drinnen, beim Arzt, wäre der Pullover zu eng, um es ebenso schnell und geschickt zu tun. "Das Problem haben wir öfters, daran denken die wenigsten", sagt der junge Mann im weißen Kittel und grinst freundlich. "Rechter oder linker Arm?" Dann desinfiziert er – und pikst. Wie oft er das heute bereits gemacht hat? Er überlegt. "Na, vielleicht an die 100 Mal."

Raus aus der Kabine fällt der Blick auf das Schild "Ausgang", das – unübersehbar – die Geimpften auf den Vorplatz des Messezentrums zurückleitet. Auch Brigitte Hansen ist fertig und schließt auf dem Weg zur S-Bahn zufrieden ihre grüne Winterjacke. "Wie gut das organisiert war", sagt sie anerkennend. "Ich bin froh, dass ich hier war. Hauptsache, man ist geschützt!"

Die Warteschlange vor dem Berliner Messezentrum ist lang / © Jannis Chavakis (KNA)
Die Warteschlange vor dem Berliner Messezentrum ist lang / © Jannis Chavakis ( KNA )
Autor/in:
Nina Schmedding
Quelle:
KNA
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