Bischöfe gegen Advent in weltentrückter Gemütlichkeit

"Bei vielen Menschen liegen die Nerven blank"

Angesichts derzeitiger Entwicklungen der Coronakrise solle der Advent keine Zeit der Beschuldigungen werden, betonten Thüringens Bischöfe in einem ökumenischen Gottesdienst. Bischof Neymeyr rief auf, die Flüchtlinge nicht zu vergessen.

Ein Streit – Verletzende Worte sind schnell gesagt, aber wie schafft man die Versöhnung? (dpa)
Ein Streit – Verletzende Worte sind schnell gesagt, aber wie schafft man die Versöhnung? / ( dpa )

Der mitteldeutsche evangelische Landesbischof Friedrich Kramer und der Erfurter katholische Bischof Ulrich Neymeyr haben die Adventszeit gemeinsam mit einem ökumenischen Gottesdienst begonnen. In der evangelischen Kirche Sankt Martin in Heilbad Heiligenstadt betonte Kramer: "Bei vielen Menschen liegen die Nerven blank - insbesondere angesichts dessen, dass sich die Erwartungen an den Verlauf der Corona-Krise, die Impfbereitschaft und die Wirksamkeit der Impfstoffe nicht erfüllt haben." 

Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland / © Peter Gercke (dpa)
Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland / © Peter Gercke ( dpa )
Bischof Ulrich Neymeyr / © Dominik Wolf (KNA)
Bischof Ulrich Neymeyr / © Dominik Wolf ( KNA )

Angesichts dessen solle der Advent aber "keine Zeit sein, andere zu beschuldigen, sondern eine Zeit, darüber nachzusinnen, was im Leben wirklich trägt, und welchen Beitrag jeder dazu leisten kann, damit ein Leben in Liebe möglich ist".

Bischof Neymeyr: Impfstoff nicht für alle verfügbar

Neymeyr betonte, der Advent könne keine Zeit "weltentrückter Gemütlichkeit" werden. "Viele Menschen sind an Covid einsam gestorben. Ihre Angehörigen konnten sie oft nicht begleiten", so der Bischof des Bistums Erfurt. "Noch dazu hören wir aus vielen Ländern der Erde, dass dort der Impfstoff bei weitem nicht für alle zur Verfügung steht." 

Neymeyr rief dazu auf, auch die Flüchtlinge nicht zu vergessen, "die vor Krieg, Verfolgung und Armut fliehen und zum Spielball politischer Interessen werden". Überdies zeige die Flutkatastrophe des vergangenen Sommers "die Bedrohung durch die Klimakrise".

Erzbischof Schick: Nicht in Sorgen und Freuden der Welt aufgehen

Erzbischof Ludwig Schick / © Julia Steinbrecht (KNA)
Erzbischof Ludwig Schick / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat unterdessen die Menschen dazu aufgerufen, weder in den Sorgen noch in den Freuden dieser Welt aufzugehen. "In allen Ängsten und Hoffnungen dieser Welt soll die Sehnsucht nach Heil und Frieden, nach dem Leben in Fülle lebendig sein", sagte Schick am Sonntag in seiner Predigt zum ersten Advent im Bamberger Dom. 

"Für uns Christen ist die Sehnsucht nach Frieden und Heil in Jesus Christus erfüllt". An Weihnachten sei er Mensch geworden. Er habe verheißen, dass trotz Not und Elend das Himmelreich komme.

Advent

Der Advent ist für Christen die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten. Das Wort kommt vom lateinischen "adventus" und bedeutet "Ankunft". Gemeint ist die Ankunft Jesu auf Erden, die Weihnachten gefeiert wird.

Die Adventszeit beginnt am vierten Sonntag vor dem ersten Weihnachtsfeiertag, in diesem Jahr also am 1. Dezember. Sie dauert höchstens 28 Tage, wenn der 27. November der erste Adventssonntag ist. Im kürzesten Fall dauert sie nur 22 Tage, wenn sie erst am 3. Dezember anfängt.

Traditioneller Adventskranz / © Jozef Kubica (KNA)
Traditioneller Adventskranz / © Jozef Kubica ( KNA )
Quelle:
KNA