Weltkirchenrat will Dialogforum im Ukraine-Krieg sein

Alle an einen Tisch?

Der Ökumenische Rat der Kirchen kann nach Ansicht seines Direktors für Internationale Angelegenheiten, Peter Prove, ein Gesprächsforum im Ukraine-Krieg bieten. Er selbst sei ebenfalls mit verschiedenen Vertretern in Kontakt.

Papst Franziskus besucht Weltkirchenrat (Archiv) / © Paul Haring (KNA)
Papst Franziskus besucht Weltkirchenrat (Archiv) / © Paul Haring ( KNA )

"Der ÖRK kann eine Plattform für den Dialog bieten. Wir wollen Kirchenvertreter aus Russland, der Ukraine und den Ländern der Region an den Tisch bringen", sagte Prove dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er bezeichnete die Rechtfertigung des russischen Angriffskrieges durch den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill als "sehr beunruhigend und sehr alarmierend für viele in unserer Gemeinschaft".

Ökumenischer Rat der Kirchen

Dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), auch Weltkirchenrat genannt, gehören derzeit 352 protestantische, anglikanische, orthodoxe und altkatholische Kirchen sowie kirchliche Gemeinschaften in mehr als 120 Ländern an. Sie repräsentieren weltweit über 580 Millionen Christen. Der Weltbund wurde am 23. August 1948 in Amsterdam gegründet. Heute ist der Sitz in Genf. Oberstes Organ ist die Vollversammlung, die etwa alle sieben Jahre zusammentritt und die Richtlinien der Arbeit festlegt. Eigentliches Leitungsorgan ist der Zentralausschuss. Eine gesetzgebende Gewalt gibt es nicht.

Papst Franziskus besucht Weltkirchenrat 2018 / © Paul Haring (KNA)

Der amtierende Generalsekretär Ioan Sauca, andere Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen und er selbst stünden in Kontakt mit Kyrill und Vertretern des Moskauer Patriarchats, einschließlich Kyrill, sagte der australische Anwalt. Kyrill hatte die Rolle des ÖRK als Forum für einen solchen Dialog in einem Brief an den amtierenden Generalsekretär Sauca anerkannt. In dem Brief hatte der Patriarch jedoch auch den Westen und das Militärbündnis Nato für die Ursachen des Krieges in der Ukraine verantwortlich gemacht. Die russisch-orthodoxe Kirche ist das größte der 352 Einzelmitglieder des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Krieg auch Hauptthema bei ÖRK-Vollversammlung

Die Unterstützung des russischen Präsidenten Wladimir Putin durch Kyrill führe zu Spannungen innerhalb des Moskauer Patriarchats, sagte Prove. Er wies darauf hin, dass die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats eine ganz andere Position zu dem Konflikt eingenommen habe als Patriarch Kyrill.

Der Krieg in der Ukraine werde das Hauptthema der ÖRK-Vollversammlung in Karlsruhe vom 31. August bis 8. September sein. "Ob dieser schreckliche Krieg dann weitergeht oder nicht, wird natürlich ein großes Thema in Karlsruhe sein", sagte Prove. Er fügte hinzu, dass der Konflikt auch auf lange Sicht seine Schatten vorauswerfe.

Wird die russisch-orthodoxe Kirche ausgeschlossen? 

Auf die Frage, ob der ÖRK die russisch-orthodoxe Kirche aufgrund der Haltung des Patriarchen als Mitglied ausschließen oder die Mitgliedschaft suspendieren könne, erklärte Prove: "Nur der ÖRK-Zentralausschuss kann so etwas unter ganz bestimmten Bedingungen beschließen. Wenn die theologischen Positionen einer Mitgliedskirche nicht mit der fundamentalen theologischen Grundlage für die ÖRK-Mitgliedschaft vereinbar sind, dann liegt ein solcher Fall vor".

Der Direktor für internationale Angelegenheiten zog Parallelen zu den Diskussionen über die Haltung der Niederländischen Reformierten Kirche in Südafrika, die das rassistische Apartheidregime offen unterstützt hatte. Diese Kirche sei mit ihrem selbst auferlegten Rückzug in den 1960er Jahren dem Handeln des ÖRK zuvorgekommen. "Später änderte die Niederländische Reformierte Kirche jedoch ihre Haltung zur Apartheid und wurde wieder in die Gemeinschaft aufgenommen", sagte Prove.  

Autor/in:
Jan Dirk Herbermann
Quelle:
epd