Vatikan sieht Beziehung zu Moskau nicht "am Nullpunkt"

Friedensbemühungen laufen weiter

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sieht die Beziehungen zwischen katholischer und russisch-orthodoxer Kirche nicht "am Nullpunkt". Man sei zwar in einer schwierigen Phase, es gebe aber weiterhin "Kanäle und Versuche des Dialogs".

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin / © Dalati & Nohra (dpa)
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin / © Dalati & Nohra ( dpa )

Das erklärte Parolin laut Vatican News (Freitag) am Rande einer Veranstaltung in Rom.

Auch laufen laut Parolin die vatikanischen Friedensbemühungen für die Ukraine weiter. So habe der Heilige Stuhl für die Evakuierung der verbliebenen Zivilisten im belagerten Stahlwerk im ukrainischen Mariupol bürgen wollen, "aber dann wurde nichts getan". Dies sei nur eine von vielen Bemühungen in den vergangenen Wochen, so der Vatikan-Diplomat.

Vatikanischer Außenbeauftragter reist in die Ukraine

Am Mittwoch reist der vatikanische Außenbeauftragte, Erzbischof Paul Richard Gallagher, in die Ukraine. Dort werde er sich für "einen Waffenstillstand" als "grundlegenden Ausgangspunkt" und "die Beendigung der Kriegsoperationen" einsetzen, so Parolin. Er hoffe, dass so "ein ernsthafter Dialog ohne Vorbedingungen beginnen wird, in dem wir versuchen werden, einen Weg zur Lösung dieses Problems zu finden".

Paul Richard Gallagher / © Cristian Gennari (KNA)
Paul Richard Gallagher / © Cristian Gennari ( KNA )

Während des Gesprächs bekräftigte Parolin zudem Äußerungen Gallaghers über das Recht der Ukraine zur bewaffneten Selbstverteidigung, die dieser am Donnerstagabend im italienischen Fernsehen gemacht hatte. Das Recht zu bewaffneter Selbstverteidigung gelte allerdings "unter bestimmten Bedingungen", wie etwa jener der Verhältnismäßigkeit. Eine solche konkret zu bestimmen, sei zwar schwierig, "aber wir brauchen klare Parameter, um die Frage der Waffen so gerecht und maßvoll wie möglich zu behandeln", sagte Parolin.

Parolin sieht "komplexen Weg des Dialogs" mit China

Laut Vatican News äußerte sich der 67-Jährige ebenfalls zu dem in Hongkong festgenommenen und wieder freigelassenen Kardinal Joseph Zen Ze-kiun. Er hoffe, dass dieses Ereignis "den ohnehin schon komplexen und nicht einfachen Weg des Dialogs zwischen dem Heiligen Stuhl und der Kirche in China nicht noch komplizierter macht". Zugleich drückte er dem emeritierten Bischof von Hongkong seine Solidarität aus.

Vatikandiplomatie

Der Heilige Stuhl unterhält derzeit diplomatische Beziehungen zu 183 Staaten weltweit. Hinzu kommen die EU und der Souveräne Malteserorden. Ferner sind die Arabische Liga, die Internationale Organisation für Migration und das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR mit eigenen Gesandten beim Vatikan vertreten.

Vatikanflagge zwischen USA-Flaggen / © Michael Reynolds (dpa)
Quelle:
KNA