Weltfamilientreffen wünscht sich Keuschheit vor der Ehe

Nicht mehr zeitgemäß?

Wie kann die Kirche Familien unterstützen? Darüber wird nun im Vatikan debattiert. Zum Weltfamilientreffen kommen Delegierte aus aller Welt und behandeln auch heikle Themen. Im Vorhinein hat besonders ein Punkt für Aufsehen gesorgt.

Logo des Weltfamilientreffens / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Logo des Weltfamilientreffens / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

DOMRADIO.DE: Das Weltfamilientreffen wird alle drei Jahre gefeiert und wurde wegen Corona verschoben. Jetzt am 22. Juni startet es und Rom ist der zentrale Austragungsort. Was ist da los in der Stadt?

Mario Galgano mit Schweizergardist (privat)
Mario Galgano mit Schweizergardist / ( privat )

Mario Galgano (Redakteur bei Radio Vatikan/Vatican News): Rom ist natürlich im Sommer ziemlich voll von Menschen, Touristen, Pilgern und Besuchern. Die meisten sind nicht wegen des Weltfamilientreffens da, sondern an sich, um die Stadt zu genießen. Das Weltfamilientreffen in Rom ist eigentlich eher eine große internationale Konferenz. Sie ist noch ein bisschen im Covid-Modus. Das heißt, hier finden Veranstaltungen statt, die man auch anderorts online mitverfolgen kann. Statt Familien mit kleinen oder großen Kindern sind viele Vertreter aus der ganzen Welt angereist.

DOMRADIO.DE: Welche Themen werden dort angesprochen?

Galgano: Wir kennen ja alle das Schreiben von Papst Franziskus "Amoris laetitia", das im Mittelpunkt der Gespräche steht. Bei den Konferenzen werden Redner und Rednerinnen dann zu diesen Themen sprechen. Das sind Theologen, Bischöfe, Experten im Bereich der Familienpastoral, der Familienseelsorge. Da wird es einen Austausch geben. Natürlich spielt auch Papst Franziskus eine Rolle. Er wird natürlich auch sprechen und beim Abschlussgottesdienst predigen. 

Das Papstschreiben "Amoris laetitia"

"Amoris laetitia" (lateinisch "Die Freude der Liebe") ist ein Schreiben von Papst Franziskus an Bischöfe, Priester, christliche Eheleute und Laien vom April 2016. Er fasst darin die Ergebnisse der Weltbischofssynoden von 2014 und 2015 zur Erneuerung der kirchlichen Ehe- und Familienlehre und -seelsorge zusammen.

Papstschreiben "Amoris Laetitia" / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)

DOMRADIO.DE: Sind denn dann auch wichtige Beschlüsse zu erwarten? Also angenommen, eine Familie muss nicht mehr aus Vater, Mutter, Kind bestehen, sondern kann auch unterschiedlich zusammengesetzt sein. Oder wie kann man sich das vorstellen?

Galgano: Es gab schon im Vorfeld einen Leitfaden, der in Westeuropa kritisch betrachtet wurde. Ein Kritikpunkt ist die Keuschheit vor der Ehe, dass ein Paar bis zur Trauung keusch lebt. Das sei nicht mehr zeitgemäß lautet die Kritik. Das sei nicht der richtige Ansatz, um jungen Menschen das Ehesakrament sozusagen schmackhaft zu machen, wenn ich das so sagen darf.

DOMRADIO.DE: Neu in diesem Jahr ist, dass das Fest in einer neuen Form gefeiert wird, nämlich überall auf der Welt. Wie soll das funktionieren?

Galgano: In jeder Region der Welt ist die Art und Weise, Veranstaltungen durchzuführen, verschieden. Die Idee ist, dass das Familientreffen lokal gestaltet wird. Die Verbindung mit Rom findet dann online statt. Jede Diözese kann selber schauen, wie sie diese Themen vor Ort ansprechen, behandeln und einbringen will. Es geht nicht darum, dass jetzt quasi überall auf der Welt Kleinkonferenzen stattfinden, sondern es geht auch darum, dass man beispielsweise Familiengottesdienste durchführt, Kinder und Ehepaare mit einbezieht, dass sie sozusagen auch mitbeten. Also ein Gottesdienst in dem Sinne, dass wir uns auch geistlich im Gebet mit Rom verbunden fühlen.

DOMRADIO.DE: Mit dem Fest endet dann ja auch am Sonntag das Jahr der Familie, das Papst Franziskus ausgerufen hatte. Was ist das?

Galgano: Das Jahr der Familie war ein Besinnungsjahr. Auch ein Gebetsjahr für Familien und für die Familienpastoral, also für diejenigen, die in diesem Bereich tätig sind, um sich auf "Amoris laetitia" zurückzubesinnen, und zwar nicht nur auf die Streitpunkte, sondern allgemein auf die Bedeutung der Familie heute und wie die katholische Kirche Familien unterstützen kann.

Das Interview führte Tobias Fricke.

X. Weltfamilientreffen in Rom

Das X. Weltfamilientreffen wirde am 22. Juni 2022 in Rom eröffnet. Rund 2.000 Delegierte aus 120 Ländern sind zu den bis zum 26. Juni dauernden zentralen Veranstaltungen eingeladen, die unter dem Leitwort "Die Liebe in der Familie: Berufung und Weg zur Heiligkeit" stehen.

Eine Familie hält ein Holzkreuz / © hidesy (shutterstock)
Quelle:
DR