Damit auch Obdachlose ein schönes Fest erleben können

Weihnachten mit Hygienevorschriften

Die Pandemie bringt viel Unsicherheit mit sich: besonders für obdach- und wohnungslose Menschen. Dennoch sollen auch sie an den Festtagen nicht vergessen werden, wie Beispiele aus Berlin oder München zeigen.

Obdachloser bittet um Hilfe / © Apiwan Borrikonratchata (shutterstock)
Obdachloser bittet um Hilfe / © Apiwan Borrikonratchata ( shutterstock )

Das diesjährige Weihnachtsfest wird definitiv anders. Familien und Freundeskreise werden aus Sorge vor möglicher Ansteckung ihre gewohnte Festtradition überdenken. Aber auch Menschen, die draußen sind - auf der Straße und heimatlos -, sehnen sich gerade an Weihnachten nach ein wenig menschlicher Wärme. Zahlreiche Organisationen und Initiativen werden sie nicht vergessen. Um Bedürftigen ein schönes Weihnachtsfest zu bereiten, müssen sie aber nach Alternativen suchen.

So musste der Schlagersänger Frank Zander bereits vor einigen Wochen das traditionelle Weihnachtsessen für obdachlose und bedürftige Menschen im Berliner Hotel Estrel absagen. 2019 noch gab es Gänsebraten für 3.000 Personen; die Veranstaltung feierte ihr 25. Jubiläum. In diesem Jahr müssen die Feierlichkeit jedoch ausfallen, da die nötigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen für eine so große Veranstaltung nicht umsetzbar sind, wie der Musiker in den Sozialen Medien erklärte.

"Caritas Foodtruck on Tour"

Um dennoch Bedürftigen in der Hauptstadt zu helfen, stieg Zander mit einer Spende von 20.000 Euro in ein Projekt der Caritas Berlin ein: Unter dem Namen "Caritas Foodtruck on Tour" verteilt eine Berliner Cateringfirma mit ihrer mobilen Essensausgabe bereits seit Juli 2020 warme Gerichte an Obdach- und Wohnungslose. Vor der Pandemie verkaufte das Unternehmen seine Gerichte vor allem auf Festivals, Messen und Großveranstaltungen. Auch rund um Weihnachten soll das auffällige Fahrzeug im Einsatz sein und Menschen ohne Zuhause eine warme Mahlzeit ermöglichen. Vom 24. bis 27. Dezember fährt der Foodtruck zwar nicht durch Berlin, ist dafür aber zwischen den Jahren wieder für seine Gäste da.

"Der Foodtruck hat einen großen Vorteil: Er ist ein krisensicheres Produkt, dass auch einen Lockdown light überstehen kann", sagt Alexander Eichner, Mitinitiator des Projekts. Die mobile Essenausgabe sei nicht nur flexibel, sondern auch hygienisch - ein Muss in der Corona-Zeit. Parallel unterstützt Zander eine Geschenke-Aktion der Diakonie, die Bedürftigen eine Freude bereiten soll. 20.000 Euro investierte der Musiker auch in dieses Projekt.

Die Foodtruck-Aktion selbst stehe dank Großspendern wie Zander oder dem Berliner Erzbischof Heiner Koch finanziell gut da, sagt Michael Haas-Busch von der Caritas Berlin. Dennoch freue man sich immer über Spenden und ehrenamtliche Unterstützung für die mobile Essensausgabe.

Sein Weihnachtswunsch: dass andere Organisationen das Konzept des Foodtrucks kopieren und so Menschen ohne Bleibe auch in Pandemie-Zeiten mit warmem Essen versorgt werden.

Weihnachtsessen in Münchener Olympiahalle?

Auch in der bayerischen Landeshauptstadt muss eine traditionsreiche Weihnachtsfeierlichkeit umgestaltet werden: 2019 lud der Katholische Männerfürsorgeverein München (KMFV) bereits zum 70. Mal obdach- und wohnungslose Menschen in das bekannte Hofbräuhaus ein. 2020 können die Feierlichkeiten aus Kapazitätsgründen jedoch nicht im gewohnten Umfeld stattfinden, wie KMFV-Sprecher Ralf Horschmann sagt.

Alternativ bemühe sich der Verein, die Veranstaltung in der Münchner Olympiahalle stattfinden zu lassen. Ob das gelingt, sei noch unklar. "Wir wollen trotzdem etwas tun und den Gästen auch dieses Jahr ein Weihnachtsfest ermöglichen", so Horschmann.

Trotz der herrschenden Unsicherheit seien die Vorbereitung und Planung bereits angelaufen. Viele Ehrenamtliche stünden bereit, und auch der Münchner Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg habe seine Teilnahme zugesagt, sollte die Veranstaltung möglich sein. Die traditionelle Geschenke-Aktion, die von der "Süddeutschen Zeitung" gesponsert wird, soll nach den Worten des KMFV-Sprechers aber in jedem Fall am 24. Dezember stattfinden: Rund 1.200 Pakete mit Rucksäcken, Regenponchos, Schals, Gutscheinen und Hygieneartikeln sollen verteilt werden.

Autor/in:
Lisa Konstantinidis
Quelle:
KNA