Weihbischof Puff erklärt Blinden-Heilung als Weg zum Glauben

"Die Heilung der Augen des Herzens"

Die Heilung des Blindgeborenen ist mehr als eine Wundergeschichte. Im Pontifikalamt im Kölner Dom erklärte Weihbischof Ansgar Puff, dass es um das Sehen mit dem Herzen geht. Wie können Menschen Gottes Liebe in ihrem Leben erkennen?

Weihbischof Ansgar Puff stellte in seiner Predigt am vierten Fastensonntag zunächst fest, dass das Evangelium auf den ersten Blick wie eine Heilungsgeschichte erscheine. Ein Mann, der von Geburt an blind ist, werde von Jesus geheilt. Jesus nehme Lehm, bestreiche damit die Augen des Mannes und sende ihn zum Teich Schiloach, damit er sich dort wasche. Der Blinde gehorche dem Auftrag, obwohl er den Sinn nicht verstehe. Als er zurückkomme, könne er sehen.

Doch nach Puff liegt das eigentliche Wunder nicht nur in der Heilung der körperlichen Augen. Entscheidend sei, dass sich dem Mann die "Augen seiner Seele" öffnen. Er erkenne, dass Jesus in Gottes Auftrag gehandelt hat und dass Gott sich um ihn kümmert. Damit beginne er zu sehen, dass Gott ihn liebt. Der Weihbischof erklärte, dass das Evangelium deshalb nicht nur von der Heilung der Augen im Kopf spreche, sondern von der Heilung der "Augen des Herzens". Mit dem Herzen erkenne der Mensch, wem er vertrauen könne, was ihm gut tue und wer ihn wirklich liebe. Es gehe im Kern um die Fähigkeit zum Glauben und zum Vertrauen auf Gott.

Die Liebe Gottes im Alltag

Parallel dazu beschrieb Puff eine gegenteilige Entwicklung: eine Geschichte der Erblindung. Die Pharisäer, die sich intensiv mit der Religion beschäftigten, untersuchten das Geschehen und kritisierten Jesus, weil er am Sabbat Lehm geknetet habe. Aus ihrer Sicht könne jemand, der den Sabbat breche, nicht von Gott kommen. Obwohl sie theologisch gebildet seien, könnten sie das Wirken Gottes in Jesus nicht erkennen. Ihr Misstrauen wachse weiter, bis sie sich schließlich gegen Jesus stellten.

Der Weihbischof richtete anschließend den Blick auf die Gegenwart und stellte die Frage, ob Menschen heute die Liebe Gottes im Alltag sehen oder übersehen. Das Evangelium zeige nach seiner Auslegung drei Schritte, die helfen können, diese Liebe zu erkennen: ein Ereignis, ein Wort Jesu und die eigene Reaktion.

Ereignis, Wort Jesu und Reaktion

Ein Ereignis könne sowohl etwas Belastendes als auch etwas Beglückendes sein. Es könne eine Krankheit sein oder die Geburt eines Kindes. Gemein sei diesen Situationen, dass sie den Alltag unterbrechen und den Menschen aus Gewohnheiten herausführen. Beim Blindgeborenen sei dieses Ereignis das unerwartete Handeln Jesu gewesen. Damit solche Situationen nicht in Ratlosigkeit enden, brauche es nach Puff ein Wort Jesu. Dieses könne etwa beim Lesen der Bibel entdeckt werden. Wer in einer schwierigen oder neuen Situation ein Wort der Schrift lese, könne darin einen Hinweis finden, der hilft, das Geschehen zu verstehen.

Der dritte Schritt sei die persönliche Reaktion. Der Mensch bleibe frei und müsse entscheiden, ob er sich dem Wort anvertraue oder sich dagegen stelle. Der Blindgeborene entscheide sich, dem Wort Jesu zu folgen und zum Teich zu gehen. In diesem Gehorsam entstehe das Wunder. Zum Abschluss betonte Puff, dass diese Erfahrung auch heute möglich sei. Wenn Menschen Ereignisse ihres Lebens im Licht eines Wortes Gottes betrachten und darauf antworten, könnten sich die "Augen des Herzens" öffnen. Dann beginne der Mensch zu sehen, dass Gott ihn begleitet und liebt. Dieses Sehen führe zu Vertrauen und Freude.


DOMRADIO.DE hat am vierten Fastensonntag das Pontifikalamt aus dem Kölner Dom mit Weihbischof Ansgar Puff übertragen. Es sangen und musizierten Schülerinnen und Schülern der erzbischöflichen Schulen. Die Orgel spielte Matthias Wand.

Im Gottesdienst erklangen Teile aus der Jubel-Messe von Carl Maria von Weber, Slawischer Tanz Nr. 4 Op. 46 von Antonín Dvořák und "For the beauty of the earth" von John Rutter. Die musikalische Leitung hatte Joachim Geibel. Die Schülerinnen und Schüler nahmen von Aschermittwoch bis zum Ersten Fastensonntag an den Erzbischöflichen Musiktagen 2026 in Haus Altenberg teil, dort erarbeiteten sie die Musik und brachten sie schon am Ersten Fastensonntag im Hochamt im Altenberger Dom zu Gehör.

Weihbischof Ansgar Puff / © Beatrice Tomasetti (DR)
Weihbischof Ansgar Puff / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Evangelium vom vierten Fastensonntag im Lesejahr A: Johannes 9,1-41

In jener Zeit sah Jesus unterwegs einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden. Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte sehen. Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht. Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.

Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich. Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.

Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann sagte: Er ist ein Prophet. Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des von der Blindheit Geheilten und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sieht? Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. Wie es kommt, dass er jetzt sieht, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen! Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Christus bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt ihn selbst!

Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe. Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden?

Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. Der Mensch antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.

Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die nicht Sehenden sehen und die Sehenden blind werden. Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.

(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)

Auslegung zum Sonntagsevangelium von Eugen Biser

Als Überschrift über dieser ganzen Perikope steht … das Wort: "Ich bin das Licht der Welt." Aber dieses Wort ist ein Wort des Gerichtes. Es ist in die Finsternis dieser Welt hineingesprochen. Und wir müssen uns fragen: Wer wehrt sich gegen dieses Licht? Wer will lieber im Dunkeln leben, als dass er sich dieses Licht leuchten lässt? Worin besteht die Finsternis, gegen die dieses in Jesus erschienene Licht angeht?

Wir werden im Sinne unserer Geschichte darauf drei Antworten geben müssen. Die erste Antwort hängt mit dem zusammen, was die Pharisäer dem Blindgeborenen vorwerfen: "Du bist ganz und gar in Sünden geboren und willst uns belehren?" Ganz am Anfang, als Jesus auf den Blindgeborenen stieß, hatte es geheißen – und diesmal sind die Jünger diejenigen, die die Frage aufwerfen: "Meister, wer hat in diesem Fall gesündigt? Dieser Blinde selbst oder seine Eltern?" Es ist also die Vorstellung, dass alles Unglück in der Welt ein direkt oder indirekt selbst verschuldetes ist. Überall, wo ein Mensch in Not kommt, muss nach dieser Vorstellung zurückgefragt werden, nach dem, was er an Schuld auf sich geladen hat; denn alles Leid dieser Welt ist Strafe. Das ist die Mentalität, mit der wir uns zunächst auseinandersetzen müssen.

Dieser allgemein herrschenden und selbstverständlich auch heute noch lebendigen Mentalität widerspricht Jesus mit dem befreienden Wort: "Hier hat weder der Blinde gesündigt noch seine Eltern, sondern dieses Unglück ist eine Art Folie, damit die Herrlichkeit Gottes aufleuchte und sichtbar werde." Das Unglück ist keineswegs in jedem Fall selbst verschuldet und in keinem Fall eine Strafe Gottes. Wer sich in diese Meinung verstrickt, der ist im Sinne Jesu blind, der lebt in der Finsternis. Wir sollten das sehr ernst nehmen; denn eine tief eingewurzelte Meinung geht da von aus, dass überall dort, wo Leid vorkommt, nach irgendeinem Verschulden zurückgefragt werden müsse, weil alles Unglück Strafe Gottes sei. Jesus aber verkündet einen Gott, der sich nicht an seinen Geschöpfen rächt. Er kennt den strafenden Gott des Alten Testaments in dieser Form nicht. Seine Botschaft ist eine Botschaft, die uns über diese Strafmentalität hinausträgt, und die von Gott größer denkt, als es der aufrechnenden Denkweise der meisten entspricht. Es ist jener Gott, von dem wir in der Bergpredigt hören, dass er gütig ist selbst gegen die Undankbaren und Bösen. Es ist jener Gott, von dem Jesus in einem seiner wichtigsten Gleichnisse zu verstehen gibt, dass er sich überhaupt nicht an menschliche Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit hält, sondern dass er turmhoch über diesen Ansichten steht. Es handelt sich um das Gleichnis von den Weinbergarbeitern, in dem die zuletzt Eingestellten als Erste ausgezahlt und mit demselben Lohn bedacht werden wie die anderen, die dem entgegenhalten, dass sie die ganze Last und Hitze des Tages getragen haben. Ein Gleichnis, das regelrecht darauf angelegt ist, uns diese Straf- und Vergeltungsmentalität auszutreiben und uns mit einem Gott bekannt zu machen, der alle menschlichen Vorstellungen von ihm überragt. Das ist der erste Gesichtspunkt, der uns Auskunft gibt über die Finsternis, gegen die das in Jesus erstrahlende Licht ankämpft.

Eugen Biser (dt. Theologe, 1918–2014), aus: Ders., Gott für uns. Predigten zum Lesejahr A, Düsseldorf 1995, 58–59, © Eugen-Biser-Stiftung, München

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