Kölner Weihbischof Schwaderlapp ruft zur Öffnung der Herzen auf

"Die Liebe Gottes wirkt"

Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp deutet die Lesungen vom dritten Fastensonntag als Weg des Herzens. Dieser führe vom verhärteten über das beschenkte zum lebendigen Herz, das Gottes Liebe fruchtbar werden lässt.

Weihbischof Dominikus Schwaderlapp / © Julia Steinbrecht (KNA)
Weihbischof Dominikus Schwaderlapp / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Es sei der Wunsch des Zweiten Vatikanischen Konzils gewesen, den Tisch des Wortes reicher zu decken. "Auftrag erfüllt", begann Weihbischof Dominikus Schwaderlapp seine Predigt im Pontifikalamt am Sonntag im Kölner Dom und spielte dabei auf das sehr lange Evangelium an, welches vom Gespräch Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen handelt.

Das Wort Gottes sei immer reicher, als der Mensch vollständig erfassen könne, erinnerte Schwaderlapp. Schon ein einzelnes Wort aus der Liturgie könne im Herzen wirken und dort weiter wachsen. Als Schlüssel für die drei Lesungen schlug er deshalb drei Begriffe vor, die jeweils eine Haltung des Herzens beschreiben.

Misstrauen verletzt Gottes Barmherzigkeit

Im Blick auf die Lesung aus dem Buch Exodus sprach Schwaderlapp vom "verhärteten Herz". Das Volk Israel habe in der Wüste trotz der erfahrenen Rettung durch Gott gemurrt und gezweifelt. Obwohl Gott sie zuvor aus der Bedrängnis geführt und immer wieder geholfen habe, hätten sie ihm misstraut. Diese Versuchung sei auch den Christen nicht fremd. Immer wieder gerate der Mensch in Situationen, in denen er den inneren Frieden verliere und so tue, "als würde Gott mich im Stich lassen". Dabei verletze besonders das Misstrauen Gottes Barmherzigkeit.

Schwaderlapp zitierte in diesem Zusammenhang ein Wort der heiligen Maria Faustyna Kowalska: "Mehr als alle Sünde schmerzt mich das Misstrauen der Seele in meine Barmherzigkeit." Entscheidend sei daher, das Herz offen zu halten und die Beziehung zu Christus zu pflegen. Besonders an junge Menschen gewandt sagte der Weihbischof, die Freundschaft mit Jesus sei "das Beste, was euch passieren kann".

Die zweite Lesung aus dem Römerbrief deutete er mit dem Bild des "beschenkten Herzens". Der Apostel Paulus spreche von der Hoffnung, die nicht enttäusche, weil "die Liebe Gottes ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist". Diese Liebe werde den Menschen in der Taufe geschenkt und in der Firmung gestärkt. Auch wenn viele Menschen diese Wirklichkeit kaum spürten und eher eine innere Kälte wahrnähmen, bleibe der Heilige Geist dennoch gegenwärtig. Seine Liebe gleiche einer Glut, die unter Asche verborgen sein könne, aber nicht erlösche.

Aufgabe der Christen sei es, diese Glut wieder freizulegen. Gerade die Fastenzeit mit Gebet, Fasten und Werken der Nächstenliebe wolle helfen, "die Asche wegzupusten", damit der Heilige Geist erneut wirken könne.

Gute Taten mit unerwarteten Folgen

Schließlich führte Schwaderlapp zum Evangelium von der Samariterin am Jakobsbrunnen und sprach vom "lebendigen Herz". Jesus verspreche dort ein Wasser, das nicht mehr durstig mache, sondern im Menschen selbst "zur sprudelnden Quelle" werde. Gottes Gnade sei daher nicht etwas, das verbraucht werde, sondern eine Kraft, die sich vervielfältige und Frucht bringe.

Dieses Bild verdeutlichte der Weihbischof mit einer Erfahrung aus einer Pilgerreise ins Heilige Land: Nach Regenfällen könne selbst die scheinbar tote Wüste plötzlich erblühen, weil im Boden verborgene Samen mit Wasser in Berührung kämen und in großer Zahl aufgingen. Ähnlich wirke Gottes Liebe im Menschen. Schon kleine gute Taten könnten unerwartete Folgen haben, weil sie sich weiterverbreiteten. Ein freundliches Wort könne einem anderen Menschen neue Kraft geben und dadurch weitere gute Taten hervorbringen.

In dieser Perspektive sei die Kirche weniger eine bloße Organisation als vielmehr ein lebendiger Organismus, der von der Fruchtbarkeit Gottes lebe. Aus wenig könne Gott viel entstehen lassen – "das ist die Logik des Evangeliums, das ist die Ökonomie des Himmels".

Gottes Wirken in die Welt tragen

Am Ende fasste Schwaderlapp den geistlichen Weg des Tages zusammen: Oft beginne der Mensch mit einem verhärteten Herzen. Wenn er sich jedoch Gott öffne, könne dieser sein Herz beschenken und mit seiner Liebe erfüllen. Daraus wachse schließlich ein lebendiges und fruchtbares Herz, das Gottes Wirken in die Welt trage. Trotz aller Dunkelheiten der Gegenwart bleibe deshalb die Hoffnung bestehen, denn "das Licht Christi, seine Liebe und seine Macht, ist stärker als alle Dunkelheit der Welt". Christen seien eingeladen, diesen Weg im Vertrauen, in Dankbarkeit und "auch mit einem Schuss Freude" weiterzugehen.

DOMRADIO.DE übertrug am dritten Fastensonntag das Pontifikalamt aus dem Kölner Dom mit Weihbischof Dominikus Schwaderlapp. Der Kölner Domchor sang unter der Leitung von Alexander Niehues. Die Orgel spielte Winfried Bönig. Im Gottesdienst erklangen unter anderem Werke von Christian Heiß, Johann Crüger und Giovanni Pierluigi da Palestrina.

Aus dem Johannesevangelium

In jener Zeit kam Jesus zu einer Stadt in Samárien, die Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine Frau aus Samárien, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die Samaríterin sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samaríterin, um etwas zu trinken bitten?

Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samarítern. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen! Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her! Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. 

Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt. Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus heißt. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, der mit dir spricht. Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, doch keiner sagte: Was suchst du? oder: Was redest du mit ihr? Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, kehrte zurück in die Stadt und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht, da ist ein Mensch, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Christus?

Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm. Währenddessen baten ihn seine Jünger: Rabbi, iss! Er aber sagte zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt. Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht? Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden. Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Sieh, ich sage euch: Erhebt eure Augen und seht, dass die Felder schon weiß sind zur Ernte! Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, sodass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen. Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät und ein anderer erntet. Ich habe euch gesandt zu ernten, wofür ihr euch nicht abgemüht habt; andere haben sich abgemüht und euch ist ihre Mühe zugutegekommen. Aus jener Stadt kamen viele Samaríter zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. Als die Samaríter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir, denn wir haben selbst gehört und wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt. (Joh 4,5-42)

Quelle:
DR

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