Vertreter von Politik und Kirchen haben die verstorbene Politikerin Rita Süssmuth gewürdigt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete sie in einem Trauerstaatsakt an diesem Dienstag im Bundestag als Ausnahmepolitikerin. Sie sei ihrer Zeit voraus gewesen, so Merz.
Als Beispiele nannte er Süssmuths Beharren auf einer modernen Familienpolitik und auf einer Arbeitsmarktpolitik zur Stärkung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie ihre wegweisende Aids-Politik. Süssmuth habe das Gesicht der Bundesrepublik geprägt, als erste Bundesfrauenministerin, Bildungs- und Gesundheitspolitikerin, Bundestagspräsidentin und als CDU-Abgeordnete.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner bezeichnete Süssmuth als Menschenfreundin. Sie habe Wichtiges bewegt und so manche gesellschaftliche Debatte geprägt, sagte Klöckner. Dabei sei auch ihr christlicher Glaube Quelle ihrer Kraft und "letztlich ihres Durchhaltevermögens" gewesen.
Das Parlament habe sie als moralische Institution gestärkt, so Klöckner. An ihre Tochter Claudia Süssmuth Dyckerhoff gewandt, sagte sie: "Wir verneigen uns vor dem Lebenswerk Ihrer Mutter."
Erste Bundesfrauenministerin
Süssmuth war am 1. Februar im Alter von 88 Jahren gestorben. Im Juni 2024 hatte sie eine Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Geboren wurde Süssmuth 1937 in Wuppertal. Mit 34 Jahren wurde sie Professorin der Erziehungswissenschaften. Sie war in den 1970er-Jahren Lehrstuhlinhaberin an der Universität Dortmund.
1981 trat sie in die CDU ein und wurde unter Kanzler Helmut Kohl 1985 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Ein Jahr später wurde ihr zusätzlich das Ressort Frauen zugesprochen. So wurde sie Deutschlands erste Bundesfrauenministerin.
Von 1988 bis 1998 war Süssmuth als zweite Frau nach Annemarie Renger (SPD) Bundestagspräsidentin und damit auch erste Parlamentspräsidentin im wiedervereinigten Deutschland. Auch in der katholischen Kirche war sie aktiv.
"Möglichmacherin"
Für den Publizisten und Autor Heribert Prantl, den sich Süssmuth für eine Gedenkrede gewünscht hatte, war die verstorbene CDU-Politikerin eine "Möglichmacherin". "Sie hat Unmögliches möglich gemacht", erklärte Prantl.
Sie sei mutig und leidenschaftlich gewesen und habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besessen. Dabei sei sie menschenfreundlich gewesen und habe eine Herzenswärme ausgestrahlt.
Vor dem Trauerstaatsakt im Bundestag hatte es einen Gottesdienst in der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale gegeben. Der Leiter des Katholischen Büros, Prälat Karl Jüsten, hob ihren Kampf gegen Aids, ihren Einsatz für Migranten und ihr Engagement gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung hervor.
"Nehmen wir ihr Erbe an"
Jüsten rief dazu auf, dafür zu sorgen, dass "die Früchte von Rita Süssmuth bleiben". Das seien Erfolge für die Gleichberechtigung, für die Stabilität der Demokratie, "ihr Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit, ihr Erreichtes in der Familien-, Gesundheits-, Jugend- und Bildungspolitik".
Bei der letzten Begegnung habe sie ihm aufgetragen, für die Demokratie zu kämpfen. "Nehmen wir ihr Erbe an", so Jüsten.
An dem Trauerstaatsakt nahmen unter anderen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sowie die Fraktionsvorsitzenden von Union und SPD, Jens Spahn (CDU) und Matthias Miersch, teil.