Synodalversammlung nimmt Kurs auf Reformen

Verständigung auf radikale Änderungen

Die zweite Synodalversammlung ist zu Ende: Im Lauf des dreitägigen Treffens verständigte sich die Vollversammlung über radikale Änderungen etwa in der katholischen Sexuallehre oder beim Umgang mit Macht in der Kirche.

Zweite Synodalversammlung des Synodalen Weges in Frankfurt am Main / © Maximilian von Lachner (SW)
Zweite Synodalversammlung des Synodalen Weges in Frankfurt am Main / © Maximilian von Lachner ( SW )

Rufe nach Veränderungen haben auch den letzten Tag der Vollversammlung des katholischen Reformprojekts Synodaler Weg geprägt. Am Samstag sprachen sich die Teilnehmer des Treffens in Frankfurt im Grundsatz für die Schaffung eines dauerhaften "Synodalen Rats" aus. Außerdem schlug das Präsidium vor, die Zahl der geplanten Vollversammlungen von vier auf fünf zu erhöhen.

In diesem Falle würde der Kirchendialog bis mindestens Anfang 2023 dauern. Der Synodale Rat als neues Mitwirkungsorgan könnte dann unter anderem über die Umsetzung der Beschlüsse wachen. Bislang ist die einzige bundesweite Entscheidungsinstanz der katholischen Kirche die Deutsche Bischofskonferenz.

Rund vier Fünftel für grundsätzliche Neuerungen

Im Lauf des dreitägigen Treffens verständigte sich die Vollversammlung über Grundzüge für radikale Änderungen etwa in der katholischen Sexuallehre oder beim Umgang mit Macht in der Kirche. Im Vorfeld des Treffens waren 1.427 Änderungsanträge eingegangen, die von eigens eingerichteten Kommissionen für die Abstimmungen zu den 16 in Frankfurt vorgelegten Papieren zusammengefasst wurden. Rund vier Fünftel der 212 Teilnehmenden sprachen sich für grundsätzliche Neuerungen aus, ein knappes Fünftel votierte dagegen.

So forderten 168 Teilnehmende neue Akzente der Wahrnehmung von Sexualität und Beziehungen. Eine deutliche Absage erteilt die Vorlage sogenannter Konversionstherapien für Homosexuelle. Gleichgeschlechtliche Paare und wiederverheiratete Geschiedene sollten gesegnet werden können. Notwendig sei ein "Paradigmenwechsel". Keine Mehrheit fand ein alternativer Text einer konservativen Gruppe.

Antrag für eine neue Predigtordnung

Ein weiteres Grundsatzpapier favorisiert eine neue Ordnung der Machtstrukturen. Beispiele sind Gewaltenteilung auf allen Ebenen, mehr Mitsprache der Basis bei der Berufung von Amtsträgern und eine Zulassung von Frauen zu Weiheämtern. Auch hier hatte eine Gruppe Konservativer ein alternatives Papier vorgelegt, fand aber nur wenig Unterstützung. Besonders groß war die Zustimmung zu Änderungen unter Frauen.

Ein weiteres Papier, das in Grundzügen eine Mehrheit fand, ruft die Bischöfe auf, in Rom eine Erlaubnis für eine neue Predigtordnung zu erwirken. Dann dürften beauftragte Laien auch in Eucharistiefeiern offiziell predigen. Derzeit ist die Predigt Diakonen, Priestern oder Bischöfen vorbehalten. Nur in sogenannten Wortgottesdiensten ohne Kommunionfeier erlaubt die Deutsche Bischofskonferenz die Predigt von Laien. In der Praxis gibt es aber heute schon Ausnahmen.

Kritik an Anerkennungsleistungen 

Immer wieder ging es bei den Beratungen um den Skandal sexuellen Missbrauchs, der den von der Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ins Leben gerufenen Reformprozess ausgelöst hatte. Kritik äußerte der Betroffenenbeirat der Bischofskonferenz am Verfahren zu Anerkennungsleistungen.

In einer teils emotionalen Debatte sagte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer: "Ich kenne die Tränen der Betroffenen und lasse mir nicht nachsagen, dass ich unsensibel bin. Aber ich lehne eine Emotionalisierung und das unfehlbare Lehramt der Betroffenen ab." Dem entgegnete der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck: "Man kann durchaus von einem Lehramt der Betroffenen sprechen und das ist das einzige wirklich unfehlbare."

Mit 95 zu 94 Stimmen sprachen sich die Teilnehmenden für eine Debatte darüber aus, ob es Priester in der Kirche braucht. Mehrere Teilnehmer kritisierten eine mangelnde Tiefe des zwölfseitigen Grundlagen-Textes mit dem Titel "Priesterliche Existenz heute". Andere würdigten ihn als gut verständlich. Trotz vieler Vorbehalte sprach sich eine große Mehrheit dafür aus, das Papier zur weiteren Bearbeitung wieder in die Arbeitsgruppe zu überweisen.

Verbindliche Beschlüsse im Februar 

Die Debatten auf dem Frankfurter Treffen gelten als Richtungsanzeige für den weiteren Fortgang des Synodalen Wegs. Verbindliche Beschlüsse sollen bei der nächsten Versammlung im Februar gefällt werden. Grundsätzliche Änderungen können allerdings nicht ohne die Zustimmung des Vatikan umgesetzt werden.

Quelle:
KNA
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