Lob-Hüdepohl würdigt Vorschläge des Synodalen Wegs

"Entweder übernehmen oder verwerfen"

Der Synodale Weg geht in seinen Ideen weit. Vieles, was unumstößlich in der katholischen Kirche scheint, wird dort angezweifelt. Andreas Lob-Hüdepohl glaubt, dass die Synodalen ihrer Pflicht nachkommen. Wie stehen die Chancen, damit in Rom Gehör zu finden?

Papst Franziskus schaut auf Petersplatz / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus schaut auf Petersplatz / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

DOMRADIO.DE: Das Entscheidungsverfahren bei der Synodalversammlung wird kritisiert, unter anderem aus der Weltkirche. Das Argument ist, dass es nichts mit Glauben und Verkündigung zu tun hat, wenn man endlos Papiere und Anträge verwaltet. Wie entgegnen Sie dem?

Andreas Lob-Hüdepohl (Professor für Theologische Ethik an der Katholischen Hochschule Berlin/ Mitglied der Synodalversammlung): Verfahren sind nicht heilsrelevant, aber Verfahren sind wichtig, damit halt Heilsrelevantes zur Sprache kommen kann und zwar auch geordnet zur Sprache kommen kann, dass jede und jeder zu Wort kommen kann und nicht nur diejenigen, die vielleicht am wirkmächtigsten sich ins Wort setzen können. Verfahren dienen dem Schutz von Pluralität, von denen, die nicht einen rhetorischen Ellenbogen einsetzen können. Ich brauche oftmals kein Verfahren, um mich zu Wort zu melden, ich komme auch so durch, aber damit nicht nur ich durchkomme, sondern alle durchkommen sind, glaube ich, solche Verfahrensfragen wichtig. Nochmals: Verfahren sind nicht heilsrelevant, sondern nur wichtig, damit vielleicht Heilsrelevantes, also die Inhalte, um die es hier geht, im Synodalen Weg besprochen werden können. Und deshalb führt kein Weg dran vorbei.

DOMRADIO.DE: Sind Sie denn zufrieden mit dem Prozess, wie er abläuft? Oder denken Sie sich manchmal, das könnte auch einfacher gehen?

Lob-Hüdepohl: Nein, ich bin deshalb sehr zufrieden, weil ich einen anderen Eindruck habe als der von Ihnen geschilderte. Wir haben ganz viel in der Sache diskutiert und ganz wenig eigentlich Verfahrensfragen besprochen. Insofern wundert mich eigentlich, dass der Außenblick oftmals eine solch kritische Sichtweise transportiert. Das sehe ich als Synodaler eben gerade nicht, sondern wir haben alle den Eindruck, dass wir sehr viel über Inhalte reden, über die Sachanliegen, also über Heilsrelevantes reden. Und das finde ich ausgesprochen erfreulich.

DOMRADIO.DE: Jetzt wird von Kritikern angebracht, dass die Stimme der Konservativen zu wenig zu Wort kommt durch dieses Verfahren. Dass quasi die konservativen Stimmen fast schon niedergeschrien werden. Dem würden Sie dann auch nicht zustimmen?

Lob-Hüdepohl: Ich wüsste nicht, wann hier überhaupt ein Schrei angekommen sei. Es ist eine völlige Verzerrung von Wirklichkeit. Aber Gott sei Dank haben wir einen Livestream, sodass sich alle darüber informieren können, ob hier jemand niedergeschrieen wird. Einen solchen Vorwurf halte ich für unerträglich. Er ist auch völlig falsch. Etwa der Grundtext, für den ich in besonderer Weise Sorge getragen habe, nämlich aus dem Forum vier, hat ja gerade aus einem ganz kleinen Textbaustein viel aufgenommen. Wir haben dafür geworben, dass wir unterschiedliche Positionen in einem solchen Grundtext aufnehmen, und zwar sogar wortwörtlich. Das führt dann auch gelegentlich zu komischen Formulierungen.

Ich hatte das in meiner Einführungsrede ja auch benannt, dass die einen das sehr gut finden und anderen stehen da die Haare zu Berge. Ich werbe dafür, dass auch die Sprachbilder in diesen Texten bleiben, weil sich so die unterschiedlichen Positionen auch wiederfinden. Dass man dann aber natürlich hinterher zu einem Beschluss kommt, der in die eine und nicht in die andere Richtung weist, ist natürlich völlig klar. Da muss es natürlich eine klare Richtungsweisung geben. Das ist aber überall so. Das ist in Konzilien so gewesen. Das findet sich in allen Abstimmungsverfahren wider, nicht nur in synodalen Abstimmungsverfahren, sondern auch in allen Verfahrensfragen, wo Organisationen ihre Sachen klären.

DOMRADIO.DE: Es steht ja immer noch dieses große römische Stoppschild vor dem ganzen Prozess. Fragen der Lehre können zum Beispiel gar nicht auf dieser Ebene entschieden werden. Was soll am Ende dabei rauskommen?

Lob-Hüdepohl: Genau das sagen wir ja in unserer Präambel. Wir sagen, wir legen unsere Meinung der Weltgemeinschaft der Katholikinnen und Katholiken und insbesondere dem Bischof von Rom vor. Und der Bischof von Rom, in Gemeinschaft mit dem Kollegium der Bischöfe - das ist nichts anderes als Lumen Gentium 25, das ist Kirchenlehre - soll unsere Impulse aufnehmen, diskutieren, entweder übernehmen oder verwerfen. Aber es ist völlig klar, dass wir in diesen Fragen der Sexualmoral das wenigste für Deutschland alleine klären können. Aber wir sind verpflichtet, unsere Position zu Gehör zu bringen und sie in diesem Fall der Weltkirche, in diesem Fall auch dem Bischof von Rom, in diesem Fall auch der Gemeinschaft der Bischöfe, vorzulegen. Das ist unsere Pflicht.

Dafür sind wir sozusagen nicht nur vom Evangelium berechtigt, sondern das steht sogar im Kirchenrecht, dass wir das machen sollen und sogar machen müssen. Kanon 203 sagt, dass wenn die Gläubigen eine andere Auffassung vertreten als etwa die Bischöfe oder der Bischof von Rom, sie sogar verpflichtet sind, diese Position dem Bischof von Rom zu Gehör zu bringen. Der Bischof von Rom entscheidet dann in Gemeinschaft der Bischöfe, nicht wir, das ist klar. Aber, dass wir das zu Gehör bringen, das ist unsere Pflicht. Und wenn man so will, auch unser Recht. Und das machen wir hier und alle Störmanöver von anderen. Mit Verlaub, sie werden zu Gehör gebracht, sie finden Einfluss in unsere Papiere und insofern ist alles andere tatsächlich extrem abwegig und die Wirklichkeit verfälschend.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

Theologe Andreas Lob-Hüdepohl / © Julia Steinbrecht (KNA)
Theologe Andreas Lob-Hüdepohl / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
DR