Regimentspastor begleitet Rote Funken als Seelsorger durch die Session

Evangelischer Pfarrer mitten im Kölner Karneval

Pastor Oliver Kießig ist evangelischer Gemeindepfarrer in Köln-Zollstock und seit kurzem Regimentspastor des Traditionskorps der Roten Funken. Im Interview spricht er über seine Aufgaben zwischen Seelsorge und Sitzungssaal.

Autor/in:
Uta Vorbrodt
Ökumenischer Gottesdienst zur Eröffnung der Karnevalssession 2026 / © Nicolas Ottersbach (DR)
Ökumenischer Gottesdienst zur Eröffnung der Karnevalssession 2026 / © Nicolas Ottersbach ( DR )

DOMRADIO.DE: Waren Sie dabei, um beim Hofburg-Einzug mitzuwirken?

Pfarrer Oliver J. Kießig, evangelische Kirchengemeinde Köln-Zollstock. (privat)
Pfarrer Oliver J. Kießig, evangelische Kirchengemeinde Köln-Zollstock. / ( privat )

Oliver Kießig (Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Zollstock): Leider nein. Die Gesellschaften stellen immer kleinere Delegationen. Vor drei Jahren, als wir das Dreigestirn gestellt haben, waren die Roten Funken stark vertreten und ich bin damals mit in die Hofburg eingezogen. Ein Zimmer habe ich nicht bekommen. Das bleibt den Dreien vorbehalten. Aber es war trotzdem ein Erlebnis. Anfang Januar zieht bereits ein kleiner Umzug durch die Stadt. Zuschauen lohnt sich.

DOMRADIO.DE: Vor drei Jahren stellten die Roten Funken das Dreigestirn. Damals feierten sie, genau wie der Kölner Karneval insgesamt, ihr 200-jähriges Jubiläum. Sind Sie jetzt ein bisschen traurig, dass Sie damals "nur so" dabei waren und noch nicht als Regimentspastor?

Das designierte Kölner Dreigestirn 2026 „Prinz Niklas I.”  Niklas Jüngling, „Bauer Clemens” Clemens von Blanckart „Jungfrau Aenne”, Stefan Blatt , Session 2026, aus der Prinzen-Garde Köln 1906 e.V.  / © Prinzen-Garde Köln 1906 e.V. (Prinzen-Garde Köln 1906 e.V.)
Das designierte Kölner Dreigestirn 2026 „Prinz Niklas I.” Niklas Jüngling, „Bauer Clemens” Clemens von Blanckart „Jungfrau Aenne”, Stefan Blatt , Session 2026, aus der Prinzen-Garde Köln 1906 e.V. / © Prinzen-Garde Köln 1906 e.V. ( Prinzen-Garde Köln 1906 e.V. )

Kießig: Nein, da bin ich gar nicht traurig. Ich war damals auch schon bei den Roten Funken dabei und konnte mitgehen. So ist man trotzdem mittendrin gewesen. Das hängt für mich gar nicht so sehr am Amt des Regimentspastors. 

DOMRADIO.DE: Was macht denn ein Regimentspastor? 

Kießig: Im Prinzip ist es genau das, was wir Pfarrerinnen und Pfarrer auch sonst tun. Wir sind für die Seelsorge da und ansprechbar für die Kameraden innerhalb der Gesellschaft. Wenn es Anfragen gibt, etwa für Trauungen oder Bestattungen, stehen wir jederzeit zur Verfügung. Dazu kommen feste Termine im Funkenkalender. 

Die Roten Funken beginnen ihre Session traditionell bereits am 1. November, also nicht erst am 11.11. An diesem Tag gehen wir gemeinsam auf den Melatenfriedhof und besuchen das Rote-Funken-Grab, die Gedenkstätte aller verstorbenen Funken. Dort gibt es dann eine kleine Andacht, für die die Regimentspastoren zuständig sind. Später im November folgt dann die traditionelle Mess op Kölsch, ein Gottesdienst in St. Severin, der ebenfalls fest im Kalender verankert ist. 

DOMRADIO.DE: Obwohl Sie nun der neue evangelische Regimentspastor der Roten Funken sind, stammen Sie ursprünglich gar nicht aus Köln, sondern aus Koblenz. Und dann sind Sie ganz lange in Mainz gewesen, nicht wahr? 

Kießig: Genau, ich habe in Mainz studiert. Meine Eltern kommen von dort und ich habe dort viel Familie. Deshalb sage ich immer: Bei mir heißt es auch "Helau". Nach Düsseldorf lasse ich mich da nicht verfrachten, sondern es ist das Mainzer Helau, das ja doch noch einmal etwas anderes ist. 

Mainzer Dom / © MLIN (shutterstock)

DOMRADIO.DE: In den Traditionskorps gibt es üblicherweise einen Feld- oder Regimentspastor, der den Karnevalisten geistlichen Beistand leistet. Normalerweise sind das doch Katholiken, oder? 

Kießig: Ja, die meisten sind Katholiken und das macht ein kleines bisschen den Unterschied. Viele meiner katholischen Kollegen werden für dieses Amt Mitglied in den Gesellschaften. Bei mir war es anders: Ich war vorher schon Mitglied bei den Roten Funken, weil ich Karneval mag und zu den Roten Funken wollte. 

Irgendwann stellte sich dann heraus: "Der ist ja auch Pfarrer, vielleicht kann der etwas Ökumene einbringen." So ist das dann auch gekommen, dass ich seit 2020 bei den Roten Funken aktiv bin, inzwischen einige Jahre dabei war und erst jetzt offiziell berufen wurde. Die beiden katholischen Kollegen, die es bei uns ebenfalls gibt, wurden hingegen direkt als Funkenpastoren berufen. 

DOMRADIO.DE: Sie sind somit ein ökumenisches Dreigestirn?

Kießig: So könnte man es sagen. Wir sind jetzt zu dritt, was eher außergewöhnlich ist. Viele Gesellschaften haben nur einen Pastor. Bei uns gab es schon früher mal zwei katholische Kollegen und ich bin jetzt dazugekommen, so dass wir jetzt zu dritt sind. Aber ich bin nicht der einzige Protestant. Es gibt auch andere Gesellschaften, zum Beispiel der Treue Husar, der auch schon seit einigen Jahren ökumenisch unterwegs ist und ebenfalls einen evangelischen Kollegen hat. 

Alaaf-Schild in Köln am Rhein / © Johannes Schröer (DR)
Alaaf-Schild in Köln am Rhein / © Johannes Schröer ( DR )

DOMRADIO.DE: "ALAAF – Mer dun et för Kölle!" ist das Motto in der aktuellen Session. Das Motto hat viel mit Ehrenamt zu tun. Ihr Amt als Regimentspastor ist auch ein Ehrenamt. Was denken Sie generell zu diesem Motto? 

Pastor Oliver Kießig

"Ich sehe jeden Tag, wie diese Menschen das Motto leben und sich für Köln und ihre Freizeit einsetzen."

Kießig: Ich finde, das Motto ist wirklich hervorragend gewählt vom Festkomitee, weil es noch einmal sehr deutlich macht, dass Karneval nur ehrenamtlich funktioniert. Es rückt all die Menschen in den Fokus, die ihre Freizeit, ihre Energie und ihre Ressourcen neben Beruf, Familie und allem anderen, was sie tun, in den Karneval einbringen. 

Das erlebe ich auch in meiner Gemeinde in Zollstock. Der Karneval dort funktioniert nur durch Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Sie organisieren die Sitzungen, die Veedelsumzüge und vieles mehr. Ich sehe jeden Tag, wie diese Menschen das Motto leben und sich für Köln und ihre Freizeit einsetzen. 

DOMRADIO.DE: Wenn Sie Ihre Rote-Funken-Uniform anziehen und wenn Sie am Altar stehen und Ihren Talar überziehen, gibt es da für Sie eine Art Parallele im Gefühl? 

Kießig: Ja, gewissermaßen nimmt man durch die Uniform oder den Talar eine bestimmte Rolle ein. Als Pfarrer, wenn ich meinen Talar trage, bin ich in der Rolle der Person, die den Gottesdienst leitet und predigt. Dabei stelle ich meine eigene Persönlichkeit und mein Ego ein Stück weit hinter den Auftrag, den ich habe. 

Symbolbild Talar mit Beffchen tragen evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer / © Harald Oppitz (KNA)
Symbolbild Talar mit Beffchen tragen evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer / © Harald Oppitz ( KNA )

Genauso ist es bei den Funken. Wenn die Funken ihre Uniform anziehen, schlüpfen sie in die Rolle der alten Kölner Stadtsoldaten und verbreiten Frohsinn in der Stadt. Dabei geht es weniger um das eigene Ego, sondern darum, den Menschen Freude und gute Stimmung zu bringen.

DOMRADIO.DE: Wenn ein Roter Funke Sie in Ihrer Funktion als evangelischer Seelsorger kontaktieren möchte, geschieht das dann im Foyer während einer Sitzung, oder kommt die Person zu Ihnen in die Pfarrei?

Kießig: Es gibt tatsächlich beides. Aber der Schwerpunkt liegt tatsächlich auf den Gesprächen, die sich einfach zwischendrin ergeben. Man sitzt im Bus nebeneinander, steht im Foyer nebeneinander und kommt einfach ins Gespräch. So wie im Alltag erzählt man von dem, was einen gerade bewegt. Dann merkt man manchmal: "Ach, ich rede ja gerade mit dem Pastor, da kann ich vielleicht ein bisschen Seelsorge in Anspruch nehmen." Solche Gespräche passieren also tatsächlich meistens ganz nebenbei.

DOMRADIO.DE: Und wenn jemand einmal beichten möchte, wendet er sich dann an die "Katholen"? 

Kießig: Genau. Also es gibt die Beichte auch bei uns Protestanten, aber da ist sie deutlich seltener. 

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Quelle:
DR

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