Festkomitee-Präsident Kuckelkorn freut sich auf Karnevalsgottesdienst

"Der Glaube ist mein Fundament"

Für Christoph Kuckelkorn ist es das letzte Mal, dass er als Präsident des Festkomitees Kölner Karneval am Gottesdienst für Karnevalisten im Kölner Dom teilnimmt. Im Interview spricht er über die Bedeutung des Glaubens für ihn.

Autor/in:
Johannes Schröer
ARCHIV - Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, sitzt bei einer Pressekonferenz am 12. Februar 2022 zum Ablauf des Rosenmontagszugs auf dem Podium. / © Henning Kaiser (dpa)
ARCHIV - Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, sitzt bei einer Pressekonferenz am 12. Februar 2022 zum Ablauf des Rosenmontagszugs auf dem Podium. / © Henning Kaiser ( dpa )

DOMRADIO.DE: Welche Bedeutung hat der Gottesdienst im Dom zu Beginn der Karnevalssession?

Christoph Kuckelkorn (Präsident des Festkomitees Kölner Karneval): Es ist eine wunderbare Einstimmung. Kirche und Karneval sind eng verbunden, untrennbar, und das wird an dieser Stelle besonders deutlich. Dieser Gottesdienst ist ja in der Amtszeit meines Vorgängers Markus Ritterbacher entstanden. Damals war ich noch Zugleiter des Rosenmontagszuges, und von Anfang an war es das große Highlight in der Session, und ist es bis heute geblieben. Es ist ein wunderbarer Moment, nochmal Besinnlichkeit zu tanken, Energie zu schöpfen und dann in die Session zu entfliehen.

DOMRADIO.DE: Ist der Karnevalsgottesdienst in diesem Jahr auch etwas Besonderes für Sie, denn Sie feiern den Gottesdienst zum letzten Mal als Präsident des Festkomitees mit? Am Aschermittwoch treten Sie aus dem Festkomitee zurück. Wie fühlt sich das an, wenn Sie in diesem Jahr im Dom dabei sind?

Kuckelkorn: Da ist viel Wehmut dabei. Da geht es jetzt nicht darum, dass man da unbedingt in der ersten Bank sitzen möchte, aber am Ambo zu stehen, im Dom, und am Ende einen Dank zu sagen oder mit dem Kinderdreigestirn gemeinsam die Kerze zu entzünden, die das Kinderdreigestirn gestaltet hat, das sind schon emotional große Momente. Und das jetzt ein letztes Mal zu machen, ist besonders. Aber für mich ist das ganze halbe Jahr jetzt schon, jeden Tag irgendwie das letzte Mal irgendwas zu machen. Ich mache das mit bittersüßer Wehmut.

DOMRADIO.DE: Es gibt den Karnevalsgottesdienst im Dom seit 2007. Ihr Vorgänger Ritterbach hat ihn eingeführt. Welchen Stellenwert hat denn dieser Karnevalsgottesdienst für Sie ganz persönlich?

Christoph Kuckelkorn

"Auch Seelsorge spielt sich in den Vereinen ab, und das Bekenntnis zur Kirche ist  spürbar. Da wird Kirche nochmal ganz anders alltäglich gelebt."

Kuckelkorn: Karneval und Kirche sind eng verbunden. Nicht nur das Kirchenjahr begrenzt den Karneval und leitet damit dann auch die Fastenzeit vor Ostern ein. Nein, es ist auch an vielen anderen Ecken spürbar, dass Karneval und Kirche verbunden sind. Zum Beispiel, wenn das Kinderdreigestirn in St. Ursula die Kerze aufstellt, was auch immer ein sehr emotionaler, kleiner Moment ist. Und so geht das weiter, bis hin zum Aschenkreuz, das wir uns dann gemeinsam hier im Dom abholen. Alles das ist eng verbunden.

Fast jede Gesellschaft hat auch einen Regimentspfarrer, evangelisch, katholisch oder sogar beides. Das heißt, auch Seelsorge spielt sich in den Vereinen ab, und das Bekenntnis zur Kirche ist da spürbar. Da wird Kirche nochmal ganz anders alltäglich gelebt. Das ist dann nicht der Gottesdienst, das ist der Alltag mit den Seelsorgern, mit den Problemen der Menschen, und das ist etwas, was dem Karneval sehr gut tut, und uns Menschen auch.

DOMRADIO.DE: Ihnen liegt die Verbindung zwischen Karneval und Kirche, also zwischen religiöser Tradition und Feiern, besonders am Herzen. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Kuckelkorn: Das gehört im Leben alles zusammen. Das heißt, wir erleben Trauer und Leben. Jeden Tag, feiern und trauern nebeneinander. Und das kommt im Karneval auch zusammen. Sich bewusst zu sein, warum wir überhaupt feiern, dass wir diese Auszeit vor der Fastenzeit noch mal ausgiebig feiern, noch mal ausgiebig genießen, um uns dann in der Fastenzeit auf Ostern vorzubereiten, das gehört zum christlichen Jahreszyklus. Der ist ja eigentlich wunderbar, wenn man ihn so lebt.

Christoph Kuckelkorn

"Feiern und gleichzeitig Trauern wird auch in vielen Karnevalsliedern miteinander verknüpft."

Den haben wir übrigens auch am 11.11., denn auch der 11.11. ist genau sechs Wochen vor Heiligabend. Und interessanterweise gab es da früher auch eine adventliche Fastenzeit. Das können wir uns heute bei dem Konsum vor Weihnachten gar nicht mehr vorstellen. Aber dieses Leben in diesem Rhythmus ist, glaube ich, etwas ganz Wichtiges. Und das macht auch den Alltag, das macht das Feiern dann auch besonders wertvoll.

DOMRADIO.DE: Sie sind Bestatter, da müssen Sie sicher in der Session oft hin- und herspringen zwischen Beerdigung und dem Karneval. Feiern und Sterben – geht das denn überhaupt zusammen?

Kuckelkorn: Das geht gut zusammen. Das ist ja untrennbar auch miteinander verbunden. Feiern und gleichzeitig Trauern wird auch in vielen Karnevalsliedern miteinander verknüpft. Wir sind zu Tränen gerührt beim einen Lied und gedenken dann der Toten, wenn wir singen "alle Gläser hu". Im nächsten Moment sind wir dann auch tatsächlich wieder auf den Stühlen und feiern. Alles das ist nah beieinander. Und spätestens, wenn dann an Aschermittwoch der Nubbel beerdigt wird, dann wird deutlich, auch im Rheinland gehört die Beerdigung im Karneval dazu.

DOMRADIO.DE: Es geht nicht nur um Party und Feiern, sondern auch um das soziale Miteinander. Das Dreigestirn legt großen Wert darauf, in vielen sozialen Einrichtungen aufzutreten.

Christoph Kuckelkorn

"Die soziale Komponente hat im Karneval eine große Tradition und ist aus dem Kölner Leben nicht mehr wegzudenken."

Kuckelkorn: Karneval hat immer eine ganz große soziale Komponente. Es gibt unglaublich viele Veranstaltungen, die im Karneval in Altenheimen, in Krankenhäusern, in sozialen Einrichtungen, in der Obdachlosenfürsorge stattfinden, und da bringt der Karneval Hoffnung, er bringt Zuversicht, er bringt auch Durchhaltewillen, also wenn der Kinderprinz in der Kinderonkologie kranke Kinder trifft und wenn man merkt, was da für eine Energie fließt, was da an Hoffnung, Zuversicht und auch an zwischenmenschlicher Liebe geschenkt wird, das ist so großartig und das ist für den Karneval total wichtig.

Und das hat den Karneval übrigens auch im Mittelalter schon getragen. Es gab immer Spenden zu karitativen Einrichtungen. Schon im Mittelalter musste man Abgaben an das Armenhaus zahlen, wenn man eine Lustbarkeit veranstaltete. Also, die soziale Komponente hat im Karneval eine große Tradition und ist aus dem Kölner Leben nicht mehr wegzudenken.

DOMRADIO.DE: Als Präsident des Kölner Festkomitees haben Sie schwierige Jahre managen müssen. Die Corona-Jahre, den Überfall der Russen auf die Ukraine. Sie sind da sehr souverän und empathisch mit umgegangen. Das hört man oft. Welche Rolle hat da der Glaube für Sie gespielt?

Christoph Kuckelkorn

"Ohne Hoffnung und ohne Glauben geht es nicht."

Kuckelkorn: Der Glaube ist in meinem Leben ein ganz zentrales Element. Daraus ziehe ich meine Stärke, da habe ich eine stabile Rückkopplung. Das ist mein großes Fundament. Und gerade bei schwierigen Entscheidungen ist es auch wichtig, dass man so ein gutes Fundament hat, auf dem man steht.

Und auch der Austausch mit Seelsorgern, der Austausch mit anderen Gläubigen über den Glauben, ist in meinem Beruf als Bestatter auch etwas sehr Wichtiges. Das gibt mir Stärke. Auch mein Beruf verlangt genau diese Stärke, diese Möglichkeit, empathisch mit schwierigen Situationen umzugehen. Und all das konnte ich im Karneval jetzt genauso einbringen, und es ist mir scheinbar auch ganz gut geglückt.

DOMRADIO.DE: Sie haben einmal gesagt: "Mir gibt Hoffnung, dass ich Christ bin. Hoffnung ist wichtig, ohne Hoffnung geht es nicht."

Kuckelkorn: Ohne Hoffnung und ohne Glauben geht es nicht. Ich unterhalte mich oft mit Menschen, die sich selbst als kirchenfern bezeichnen. Wenn man dann in einem tiefen Gespräch ist, merkt man, da ist doch der Glaube irgendwo noch zu Hause. Und gerade in meinem beruflichen Umfeld merke ich, dass bei Beerdigungen dann plötzlich der Glaube wieder für viele Menschen eine große Rolle spielt, die es eigentlich im Alltag gar nicht so richtig zulassen.

Christoph Kuckelkorn

"Kirche und Glaube ist ein ganz tolles Fundament, eine große Gemeinsamkeit, die Menschen untereinander verbindet."

Deswegen bin ich überzeugt, dass viele Menschen den Glauben in sich tragen, auch wenn sie es gar nicht richtig wissen. Und dann, wenn es darauf ankommt, ist er aber da, zeigt sich und gibt Hoffnung, und das ist das, was das Leben auch ausmacht.

DOMRADIO.DE: Wie wichtig ist es denn, dass wir gerade in diesen schwierigen Zeiten, in diesen vielen Krisen, in denen die Gesellschaft zunehmend auseinander zu driften scheint, den Frohsinn, den Humor und auch den Optimismus bewahren?

Kuckelkorn: Ich glaube, wir sind sehr gut beraten, wenn wir uns nicht dazu verleiten lassen, auf Spaltung zu setzen, sich auf Spaltungen einzulassen. Wir müssen nach den Gemeinsamkeiten suchen. Kirche und Glaube ist ein ganz tolles Fundament, eine große Gemeinsamkeit, die Menschen untereinander verbindet, und deswegen auch ein Element, was unserer Gesellschaft sehr, sehr gut tut. Wenn man mehr auf das Gemeinsame schaut, dann wird die Spaltung nicht so groß, und dann kann man auch Situationen, die sich im Augenblick als schwierig darstellen, wesentlich besser aushalten.

DOMRADIO.DE: Das Motto in diesem Jahr, das Karnevalsmotto, lautet: "Alaaf – Mer dun et för Kölle!". Könnte das auch als Motivation über Ihre weitestgehend ehrenamtliche Arbeit für den Karneval stehen?

Christoph Kuckelkorn

"Wieder zurück zur Familie zu gehen, zurück zu meinen Blauen Funken ist etwas total Großartiges."

Kuckelkorn: Wir schauen dieses Jahr natürlich sehr auf das Ehrenamt. "Alaaf – Mer dun et för Kölle!" ist ein Motto, was das Ehrenamt nach vorne stellt, aber nicht nur das Karnevalistische. Nein, wir schauen darauf, was die ganze Gesellschaft zusammenhält und ausmacht, und wo überall das Ehrenamt zu Hause ist. Wir sind der festen Überzeugung, ohne ehrenamtliches Engagement der über 28 Millionen Menschen in unserer Republik, wäre unsere Gesellschaft gar nicht existent.

Das heißt, in so vielen Bereichen, ob das die Schule ist, ob es die Kirche, ob es Hilfsorganisationen, Krankenhäuser sind, in so vielen Bereichen steckt so viel Ehrenamt als ein tragendes Element, und das müssen wir fördern. Das müssen wir nach vorne bringen, und wir müssen auch der Jugend vermitteln, dass das ein lohnenswertes Betätigungsfeld ist, denn es gibt auch unglaublich viel zurück.

DOMRADIO.DE: Am Aschermittwoch treten Sie aus dem Festkomitee zurück. Aber Karneval werden Sie in Zukunft auch feiern. Vielleicht sogar ein wenig unbeschwerter, oder?

Kuckelkorn: Seit vielen Generationen sind die Männer in meiner Familie Mitglied bei den Blauen Funken. Und ich bin auch Blauer Funke und das habe ich auch nie versteckt, aber das ist in den letzten 21 Jahren im Festkomitee deutlich zu kurz gekommen. Wieder zurück zur Familie zu gehen, zurück zu meinen Blauen Funken ist etwas total Großartiges. Ich falle da, glaube ich, sehr, sehr weich und ich freue mich wieder sehr, mit den Kameraden durch die Säle zu ziehen und die Gemeinschaft meines Vereins auch wieder zu genießen.

Das Interview führte Johannes Schröer.

Karneval

Die "närrischen Tage" vor der am Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit haben verschiedene Namen: Das meist in ursprünglich katholischen Gebieten veranstaltete Brauchtum heißt im Rheinland Karneval, in Mainz und Umgebung Fastnacht, im schwäbisch-alemannischen Gebiet Fasnet. Fosnat nennen es die Franken, im bayrisch-österreichischen Raum wird Fasching gefeiert. Seit dem zwölften Jahrhundert ist das Wort "Fastnacht" im Mittelhochdeutschen bekannt. Das Wort Karneval stammt wahrscheinlich vom Italienischen "carne vale", was "Fleisch, lebe wohl" bedeutet.

So farbenfroh sind die Düsseldorfer Jecken  / © Federico Gambarini (dpa)
So farbenfroh sind die Düsseldorfer Jecken / © Federico Gambarini ( dpa )
Quelle:
DR

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