Ökumenische Seelsorge bietet im Europa-Park Orte der Stille

"Mit Gott in der Achterbahn"

Zwischen lauten Achterbahnen und Attraktionen im Europa-Park gibt es auch ruhige Orte. In drei Kapellen werden Kinder getauft, Ehen geschlossen und Segnungen gespendet. Die ökumenische Seelsorge überrascht mit vielfältigen Angeboten.

Autor/in:
Lara Burghardt
Stabkirche im Europa-Park Rust (Europa-Park)

DOMRADIO.DE: Steht im Europa-Park eine klassische Kirche oder wie kann man sich ihren Arbeitsplatz vorstellen?

Andrea Ziegler (Evangelische Seelsorgerin im Europa-Park): Es gibt im Europa-Park drei verschiedene kirchliche Orte. So zum Beispiel im Hotel Santa Isabel eine Jakobus-Kapelle. Das Hotel Santa Isabel ist im Stil eines portugiesischen Klosters gebaut. Dazu passt eine Kapelle wunderbar.

Jakobuskapelle im Europa-Park Rust (Europa-Park)

Die Kapelle ist geweiht und wird in ökumenischer Verbundenheit für Hochzeiten und Taufen genutzt. Die Kapelle wird am meisten für Hochzeiten und Taufen genutzt, weil man den Park nicht betreten muss, sondern mit dem Auto bis vor das Hotel fahren kann.

Mitten im Europa-Park gibt es eine norwegische Stabkirche, die im Europa-Park in Skandinavien angesiedelt ist. Sie ist kein Original, das aus Norwegen hierher gefahren wurde, aber sie wurde originalgetreu nachgebaut. Da passen etwa 40 bis 50 Gäste rein. 

Sie steht mitten im Trubel zwischen Schiffschaukel und Fjord-Rafting. Es gibt noch einen dritten Arbeitsplatz. Das ist eine kleine Kapelle, die sogenannte Böcklinkapelle. Das Besondere an dieser Kapelle ist, dass die schon dort stand, bevor der Europa-Park entstanden ist. 

Böcklinkapelle im Europa-Park Rust (Europa-Park)
Böcklinkapelle im Europa-Park Rust / ( Europa-Park )

Der Europa-Park ist auf dem Gelände eines alten Schlosses entstanden. Das Schloss gibt es auch noch. Das steht vorne im deutschen Themenbereich. Die letzten Schlossbewohner, die letzte Generation der Familie Böcklin von Böcklinsau, hat sich diese Kapelle als Grabkapelle gebaut.

Der Europa-Park ist um diese Kapelle herum entstanden. Da passen maximal acht Leute rein. Das ist eine richtig schnuckelige kleine Kapelle. Aber gerade für Ehejubiläen und auch manche Taufen ist das genau das Richtige. Viele Gäste sagen, das sei ihr lieblingskirchlicher Ort. Deswegen wollen sie dort ihre Feier abhalten.

DOMRADIO.DE: Welche Angebote gibt es in den drei Kapellen des Europa-Parks?

Thomas Schneeberger und Andrea Ziegler (Europa-Park)
Thomas Schneeberger und Andrea Ziegler / ( Europa-Park )

Thomas Schneeberger (Katholischer Seelsorger im Europa-Park): In allen drei Kapellen findet das kirchliche Leben so statt, wie es in allen anderen Kirchen auch stattfindet. Es gibt unglaublich viele Trauungen, unglaublich viele Taufen und unglaublich viele Segnungsfeiern. 

Wenn Gruppen Eucharistie feiern wollen, dann fragen die an und wir können dort Eucharistie feiern. Das findet aber nicht jeden Sonntag statt. Wir sind keine klassische Gemeinde, wie man sich das vielleicht vorstellt, und die jeden Sonntag um 10 Uhr das Hochamt feiert. 

Das können wir nicht leisten. Aber über das Jahr verteilt feiern wir viele hundert Gottesdienste mit den Menschen, die das Bedürfnis haben, dort auch Gottesdienst zu feiern. Das Schöne an der Böcklinkapelle ist, dass sie mitten im Park ist und sich um diese Kapelle herum alles entwickelt hat. Das ist ein schönes Bild. 

Thomas Schneeberg

"Am Anfang stand dieser Ort und niemand hätte gedacht, dass sich darum mal ein Freizeitpark bangt."

Am Anfang stand dieser Ort und niemand hätte gedacht, dass sich darum mal ein Freizeitpark rankt. Die Böcklinkapelle ist bis heute einer der wenigen Orte, in die man reingehen kann, die Tür schließt und es plötzlich still ist. 

Die Kapelle wird nicht umschallt, wie das im Europa-Park häufig der Fall ist, sodass man mit guten Gerüchen und schöner Musik begleitet wird, sondern dort ist wirklich Stille und Ruhe. Das schätzen manche unserer Gäste sehr, die sagen, dass sie im Moment Auszeit und Ruhe brauchen. 

Ich hatte eine Begegnung mit einer holländischen Dame, die eine Blume hinterlegen wollte, weil sie mit der Maria sehr verbunden war. Sie erklärte, dass sie durch eine schwierige Zeit gegangen sei und immer zur Maria gebetet hätte. Hier hätte sie den Ort, an dem sie ihr danken möchte. Auch das gibt es im Europa-Park. Das unterscheidet ihn dann nicht von vielen anderen Kirchorten.

DOMRADIO.DE: Wie sind Sie dazu gekommen, im Europa-Park zu arbeiten? 

Europa-Park Rust / © Angyalosi Beata (shutterstock)

Schneeberger: Ich war, bevor ich am 1. September 2022 im Europa-Park meinen Dienst angetreten habe, ein einziges Mal dort. Wir hatten viele Gutscheine von Freunden und Familie geschenkt bekommen. 

Ich bin verheiratet, wir haben drei Töchter. Dann haben wir den Europa-Park mal besucht und ich habe es als so schön empfunden, dass wir bestimmt noch mal da hinkommen. Seit 2022 bin ich nun fast täglich im Europa-Park.

Ziegler: Ich bin von meinem Vorgänger gefragt worden. Als er mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, im Europapark zu arbeiten, habe ich erst mal gesagt: "Martin, ich glaube, du schätzt mich falsch ein. Ich und Freizeitpark, das passt gar nicht.

Er war aber der Überzeugung, dass ich genau die Richtige für den Europa-Park sei, und hat nicht aufgegeben, an mir zu arbeiten. Er hat mich dann eingeladen, einmal zu hospitieren. 

Ich bin hingefahren und habe mir eine Taufe und ein Angebot angeguckt, was er immer zu Weihnachten gemacht hat. Ich dachte mir, dass es schon ganz cool und spannend ist. Ich dachte, so wie er das macht, kriege ich das irgendwie auch hin.

DOMRADIO.DE: Fahren Sie in der Pause auch mal eine Runde in der Achterbahn? 

Ziegler: Inzwischen bin ich die meisten Achterbahnen im Europa-Park gefahren. Ich mag die Herausforderung. Ich mag Adrenalin. Dadurch, dass ich nicht mit Achterbahnen groß geworden bin, glaube ich, ist das etwas, das mich besonders herausfordert. 

Andrea Ziegler

"Für mich ist es eine besondere Herausforderung, mich in die Achterbahn zu setzen."

Ich gehe gerne in die Kletterhalle im Wald, vor dem andere Leute die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sagen, dass sie das niemals machen würden. Für mich ist es eine besondere Herausforderung, mich in die Achterbahn zu setzen. 

Dann geht dieser Bügel zu und ich weiß, dass es jetzt kein Zurück mehr gibt. Ich habe keinen Einfluss auf diese Bahn. Die macht etwas mit mir. Das ist eine Herausforderung für mich, aber ich habe inzwischen Freude dran und mache es immer wieder gerne. 

Besonders wenn Gäste da sind, macht man das auch mal in der Pause. Ich muss jedoch sagen, dass es immer so viel zu tun gibt, dass man ganz froh ist, in der Pause auch einfach mal nur einen Kaffee zu trinken und sich nicht schon wieder actionmäßig in eine Achterbahn zu stürzen.

Böcklinkapelle im Europa-Park Rust (Europa-Park)
Böcklinkapelle im Europa-Park Rust / ( Europa-Park )

DOMRADIO.DE: Wie reagieren die Leute, wenn sie sehen, dass es zwischen den Achterbahnen auch eine Kapelle gibt?

Schneeberger: Es gibt eine Geschichte, die exemplarisch und symbolisch für unseren Alltag ist: Wir machen Aktionen rund um die Stabkirche. Kleine Kinder kommen, spielen, gucken sich die Kirche an und dann kommt man ins Gespräch mit den Eltern und Großeltern. 

Dabei kamen wir ins Gespräch mit einer älteren Dame, die mit ihren Enkeln unterwegs ist. 25 Minuten später guckt sie auf die Uhr und sagt, dass sie weiter muss. Die Enkel warteten bestimmt schon. 

Nachdem sie so lange mit uns geschwätzt hatte, wollte sie wissen, wer wir sind und was wir machen. Sie mache das nicht täglich, dass sie so viel über ihr Leben erzählt. Ich erklärte, dass ich der katholische Diakon von der Kirche im Europa-Park sei. Sie guckte mich an und sagte, dass sie das nicht erwartet hätte. Ich fragte: "Warum?" Ihr Antwort lautete: "Ja, sie sind doch ganz sympathisch." 

Man erwartet offenbar erstens nicht mehr, dass Kirche sympathisch sein kann. Das finde ich, ist unser Auftrag schlechthin. Kirche kann sympathisch sein. Das andere ist, dass man in einem Freizeitpark kein Angebot von Seelsorge und von Kirche erwartet. 

Thomas Schneeberg

"Dieser Überraschungseffekt spielt bei uns eine große Rolle, der Gespräche eröffnet."

Dieser Überraschungseffekt spielt bei uns eine große Rolle. Er eröffnet Gespräche und macht deutlich, dass Kirche mehr ist. Seelsorge ist mehr, als nur dann zu jemandem zu gehen, wenn jemand gestorben ist und wir eine Beerdigung vorbereiten oder eine Krise begleiten müssen. 

Seelsorge ist mehr. Das kann man im Europa-Park tagaus, tagein in vielen Geschichten erleben.

DOMRADIO.DE: Auf Instagram sind Sie unter dem Namen "Kirche im Europa-Park" unterwegs, richtig?

Ziegler: Interessanterweise haben wir viele Kontakte, die ihren Anfang im Digitalen genommen haben. Die haben uns da gefunden und festgestellt, dass wir sympathisch wirken. Sie schreiben uns dann an und fragen, ob wir uns nicht mal in Präsenz treffen können. Dann trifft man sich entweder zu einem Angebot, zu einem Kaffee oder um mit einer Bahn zu fahren.

Manchmal habe ich mich auch schon mit Leuten verabredet und gemeinsam eine Show besucht. Das kommt immer auf das Anliegen und die Lust der Leute an. 

Eine Sache, die ich immer wieder gerne erzähle, weil es für mich zum Bild und unserem Motto wurde. ist folgende: Unser Motto ist "Mit Gott in der Achterbahn", weil das gut zu Kirchen im Europa-Park passt. 

Ich hatte mich mit einem Pärchen in der Stabkirche getroffen, lange geredet und gebetet. Sie haben sich am Ende von mir segnen lassen. Dann schauten sie auf die Uhr und meinten, dass es stressig werde, weil sie die "VirtualLine" gebucht hätten. 

Dann guckten sie mich an und fragten, ob ich nicht hinter ihnen mitfahren könnte. Dann fühle es sich an, als hätten sie den Segen im Rücken und würden in einen neuen Lebensabschnitt mit ganz viel Kraft starten. 

Ich habe natürlich zugestimmt. Die waren selig danach. Ich habe das Gefühl, dass es DAS Erlebnis zu unserem Motto "Mit Gott in der Achterbahn" war.

Das Interview führte Lara Burghardt.

Information der Redaktion: Andrea Ziegler und Thomas Schneeberger haben das Buch "Zwischen Himmel und Achterbahn" geschrieben. Es ist im Bene-Verlag erschienen und kostet 18,00 Euro.

Quelle:
DR

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