Nach Studie fordern Münsteraner Laien Kulturwandel

"Es haben sich auch Laien schuldig gemacht"

Katholische Laien im Bistum Münster fordern nach der Veröffentlichung einer Missbrauchsstudie einen Kulturwandel auch in Pfarreien. Die Untersuchung zeige, dass Bischöfe und Leitungsverantwortliche Missbrauchstaten vertuscht hätten.

Vertreter von Betroffenen geben eine Erklärung ab bei der Vorstellung der Studie zu Macht und sexuellem Missbrauch im Bistum Münster / © Lars Berg (KNA)
Vertreter von Betroffenen geben eine Erklärung ab bei der Vorstellung der Studie zu Macht und sexuellem Missbrauch im Bistum Münster / © Lars Berg ( KNA )

Dies teilte das Diözesankomitee der Katholiken am Montag in Münster mit. Zudem seien auch Familien, Ordensfrauen und Pfarrhaushälterinnen in die Geschehen verstrickt gewesen. "Es wurde geschwiegen und gedeckt und somit weiterhin Missbrauch ermöglicht. Dadurch haben sich auch Laien schuldig gemacht", sagte die Vorsitzende Brigitte Lehmann.

Kulturwandel gefordert

Das Diözesankomitee forderte einen Kulturwandel in Bischofshäusern und Bistumsverwaltungen, in den Pfarreien sowie in katholischen Verbänden und Organisationen. Das Gremium begrüßte das Bekenntnis von Bischof Felix Genn zu einer veränderten Haltung kirchlicher Verantwortungsträger und sagte dem Bischof seine Unterstützung zu.

 Übergabe der Studie zu Macht und sexuellem Missbrauch in Münster
 / © Lars Berg (KNA)
Übergabe der Studie zu Macht und sexuellem Missbrauch in Münster / © Lars Berg ( KNA )

Forschende der Universität Münster hatten vergangene Woche eine Aufarbeitungsstudie zu sexuellem Missbrauch durch Geistliche im Bistum Münster vorgelegt. Die Untersuchung zählt 196 Beschuldigte zwischen 1945 und 2020 sowie 610 Betroffene. Die Wissenschaftler werfen den Vorgängern Genns vor, für eine "klerikale Vertuschungsgeschichte" verantwortlich zu sein.

Bischof Genn räumt Fehler ein

Genn selbst räumte persönliche Fehler im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt ein und kündigte eine Reihe von Maßnahmen an.

Felix Genn, Bischof von Münster, bei der Vorstellung der Studie zu Macht und sexuellem Missbrauch im Bistum Münster / © Lars Berg (KNA)
Felix Genn, Bischof von Münster, bei der Vorstellung der Studie zu Macht und sexuellem Missbrauch im Bistum Münster / © Lars Berg ( KNA )

Zugleich wies er darauf hin, dass er sexuellen Missbrauch weder vertuscht noch die Interessen der Institution über die Sorge um die Betroffenen gestellt habe. Daher wolle er nicht zurücktreten und seine verbleibende Amtszeit nutzen, um die Maßnahmen zu ergreifen.

Studie: Flächendeckender Missbrauch im Bistum Münster

Die Zahl der beschuldigten Priester und Missbrauchsopfer im Bistum Münster ist nach einer Studie der Universität Münster deutlich höher als bekannt. Laut der über zwei Jahre dauernden Forschungsarbeit eines fünfköpfigen Teams gab es von 1945 bis 2020 fast 200 Kleriker und bekannte 610 minderjährige Opfer von sexuellem Missbrauch. Damit sind 4,17 Prozent der Priester betroffen. Die Dunkelziffer ist erheblich höher. Die Forscher gehen von 5000 bis 6000 Opfern aus.

Studienergebnisse zum Missbrauch im Bistum Münster / © Guido Kirchner (dpa)
Quelle:
KNA
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