Welche Bischöfe waren im Bistum Münster verantwortlich?

Blick in die Geschichte

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben am Montag eine Aufarbeitungsstudie zu sexuellem Missbrauch durch Geistliche im Bistum Münster vorgestellt. Einige der Amtsträger der bis 1945 zurückreichenden Untersuchung im Überblick.

Felix Genn, Bischof von Münster, bei der Vorstellung der Studie zu Macht und sexuellem Missbrauch im Bistum Münster / © Lars Berg (KNA)
Felix Genn, Bischof von Münster, bei der Vorstellung der Studie zu Macht und sexuellem Missbrauch im Bistum Münster / © Lars Berg ( KNA )

Bischof Felix Genn (geboren 1950)

Unter den deutschen Bischöfen gehört er inzwischen zu den alten Hasen. Seit 13 Jahren leitet er die Diözese Münster; zuvor hatte er sechs Jahre das Nachbarbistum Essen geführt. Hinzu kommen vier Jahre als Weihbischof in Trier. Weithin geschätzt werden seine Fähigkeiten als Mittler in den Flügelkämpfen der Kirche - die sind auch schon im Vatikan aufgefallen.

Bischof Felix Genn im Dialog / © Harald Oppitz (KNA)
Bischof Felix Genn im Dialog / © Harald Oppitz ( KNA )

Grundsätzlich unterstützt Genn den Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, den Synodalen Weg. Zugleich wendet er sich gegen einzelne Erneuerungsvorschläge, etwa die Aufgabe des Pflichtzölibats. In drei Jahren feiert Genn seinen 75. Geburtstag. In diesem Alter gehen Bischöfe üblicherweise in den Ruhestand.

Bischof Reinhard Lettmann (1933-2013)

Der gebürtige Dattelner und Sohn eines Bergmanns leitete 28 Jahre, von 1980 bis 2008, die westfälische Diözese. In die Regie des Bistums war Lettmann aber schon viel früher eingebunden. 1967 wurde er mit 34 Jahren jüngster Generalvikar Deutschlands.

 

Bischof Reinhard Lettmann im Jahr 2010 / © Wolfgang Radtke (KNA)
Bischof Reinhard Lettmann im Jahr 2010 / © Wolfgang Radtke ( KNA )

Bereits in dieser Position war er mit Fällen sexuellen Missbrauchs durch Geistliche betraut. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit als Bischof zählte der Besuch von Papst Johannes Paul II. 1987 in Münster und Kevelaer. Zeitgenossen schätzten an "Bischof Reinhard" eine Mischung aus Menschenfreundlichkeit und Prinzipientreue. Er starb mit 80 Jahren bei einer Reise durch das Heilige Land.

Bischof Heinrich Tenhumberg (1915-1979)

Den Spitznamen "Pressebischof"  verdankte Tenhumberg seiner damals ungewöhnlichen Offenheit gegenüber Medien. 1958 wurde der Westfale Weihbischof und 1969 Bischof in Münster.

Weihbischof Heinrich Tenhumberg, Leiter des katholischen Büros in Bonn und Bundeskanzler Ludwig Erhard im Jahr 1966 / © N.N. (KNA)
Weihbischof Heinrich Tenhumberg, Leiter des katholischen Büros in Bonn und Bundeskanzler Ludwig Erhard im Jahr 1966 / © N.N. ( KNA )

Für Redaktionen war er häufig die erste Adresse, wenn eine kirchliche Stellungnahme zu einem aktuellen Geschehen gefragt war. Mit nur 64 Jahren erlag Thenhumberg einem Herz-Kreislauf-Versagen. Nach ihm ist die Bischof Heinrich Tenhumberg-Stiftung benannt, die Familien und Alleinerziehende in Notlagen unterstützt.

Kardinal Joseph Höffner (1906-1987)

Höffner leitete das Bistum Münster ab 1962, bevor er 1969 Erzbischof in Köln wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg lehrte der gebürtige Westerwälder als Professor für Pastoraltheologie und christliche Soziallehre am Priesterseminar Trier. 1951 gründete er das Institut für Christliche Sozialwissenschaften an der Uni Münster.

Joseph Höffner 1961 / © Gemeinfrei
Joseph Höffner 1961 / © Gemeinfrei

Von 1976 bis 1987 leitete Höffner die Deutsche Bischofskonferenz. Der Kardinal starb nach kurzer Krankheit am 16. Oktober 1987, nur einen Monat nach seiner Emeritierung als Erzbischof. Rechtsgutachter werfen ihm acht Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen während seiner 18-jährigen Amtszeit in Köln vor. Unter anderem soll er Verdachtsmeldungen nicht konsequent nachgegangen sein.

Bischof Michael Keller (1896-1961)

Wegen des Ersten Weltkriegs unterbrach der gebürtige Siegener sein Theologiestudium in Paderborn, das er später in Innsbruck und Rom fortsetzte.

Bischof Michael Keller (Aufnahmedatum unbekannt) (KNA)
Bischof Michael Keller (Aufnahmedatum unbekannt) / ( KNA )

Er war als Seelsorger in Hamburg und als Leiter des Priesterseminars Osnabrück tätig, bevor er 1947 Bischof in Münster wurde. 1961 starb Keller an Herzversagen.

Bistum Münster

Münster: Außenansicht vom Dom St. Paulus / © David Inderlied (dpa)
Münster: Außenansicht vom Dom St. Paulus / © David Inderlied ( dpa )

Das Bistum Münster ist mit etwa 1,92 Millionen Katholiken die nach Mitgliedern zweitgrößte Diözese Deutschlands. Das an die Niederlande angrenzende und bis an die Nordsee reichende Bistum ist auf einer Fläche von 15.000 Quadratkilometern in fünf Regionen gegliedert. Vier von ihnen liegen in Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommt der eigenständige Offizialatsbezirk Oldenburg in Niedersachsen. Seit 29. März 2009 leitet Bischof Felix Genn das Traditionsbistum.

Autor/in:
Anita Hirschbeck
Quelle:
KNA