DOMRADIO.DE: Wie erleben Sie den Katholikentag? Was ist Ihr Highlight bisher?
Alexander Schweitzer (Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz): Ich bin heute Vormittag angereist und hatte schon eine wunderbare Diskussion in einer übervollen Kirche zum Thema Transformation, unter anderem mit Luisa Neubauer und Bischof Bätzing.
Das hat mir ein gutes Gefühl gegeben, dass der Katholikentag, wie er es auch gar nicht anders sein kann, eine Begegnung ist, die auf Dialog setzt und auf den Austausch von unterschiedlichen Meinungen. Das macht mir bei Katholikentagen immer am meisten Spaß.
DOMRADIO.DE: Sie waren auf der Podiumsdiskussion "Es muss sich etwas ändern! Wie gelingen Transformationsprozesse in Staat und Kirche?" Was ist Ihr Fazit von dieser Diskussion?
Schweitzer: Zunächst mal, dass wir gemeinsam der Meinung sind, dass man Dinge verändern muss, um sie zu erhalten. Dass eine Gesellschaft, die versucht, sich einzufrieren, um nostalgisch das vermeintlich Frühere zu schützen, am Ende auch scheitern wird. Wir brauchen Veränderungen, um das Erhaltenswerte zu schützen. Dazwischen läuft Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und auch Kirche. Da im Dialog zu bleiben und gemeinsame Wege zu finden, das ist ein gutes Motto.
DOMRADIO.DE: Das Motto vom Katholikentag ist "Hab Mut, steh auf". Wäre das auch eine Inspiration für Transformationsprozesse in der Politik?
Schweitzer: Ja, das ist eine hervorragende Inspiration, das ist eine Überschrift auch für Politik insgesamt. Wir müssen mutig sein, aber wir müssen uns auch selbst in Bewegung setzen. Wir dürfen nicht immer nur von anderen erwarten, dass sie etwas tun. Das "Steh auf" ist auch der Appell, dass jeder einen Beitrag leisten kann und muss, aber nach seiner eigenen Stärke.
Das heißt, die, die besonders stark sind, können auch besonders früh aufstehen. Die können, wenn sie aufgestanden sind, andere mitnehmen. Das muss eine Botschaft der Gerechtigkeit und der Fairness sein, auch in diesen Zeiten.
DOMRADIO.DE: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat sich am Rande des Katholikentags dazu geäußert, dass sich die Kirche nicht so sehr in politische Prozesse einmischen, sondern sich auf die Verkündigung des Glaubens konzentrieren soll. Wie ist Ihre Meinung dazu, insbesondere als ZdK-Mitglied?
Schweitzer: Ich sehe das anders. Es war nie die Intention der Kirche, es war auch nie die Intention von Jesus Christus, sich aus den Fragen der Welt herauszuhalten. Das Gegenteil ist der Fall. Ich finde, Kirche darf sich nicht selber verwechseln mit Parlament und Parteien, aber das tut sie auch nicht. Sie muss sich dennoch einmischen, um auch Kirche zu sein.
Sie muss den Finger in die Wunde legen. Sie muss sich selbst auch kritische Fragen stellen. Diese Reduktion der Kirche auf das, was sonntags im Gottesdienst stattfindet, ist zu wenig und das ist auch keine Idee für die Zukunft.
DOMRADIO.DE: An unserem Stand von DOMRADIO.DE haben wir ein Weihrauchfass aufgestellt, in das die Teilnehmenden eine Fürbitte werfen können. Sie werden am Samstagabend verbrannt, damit sie symbolisch in den Himmel aufsteigen. Was würden Sie auf Ihre Fürbitte schreiben?
Schweitzer: Das wäre eine Fürbitte, die ein ganz globales Thema hat. Ich wünsche mir natürlich, dass wir Frieden in Europa bekommen. Das ist ein Thema, das viele Menschen umtreibt und mich auch. Das wünsche ich mir sehr.
Das Interview führte Teresa Kammerlander.