Katholikentag zeigt Annäherung zwischen Kirche und Politik

Keine Angst vor Trump

Als der Papst im April den US-Präsidenten zurechtwies, wurde deutlich, dass es kaum jemanden gibt, der sich so angstfrei und mächtig gegen Trump stellen kann. Die Kirche wird gebraucht. Das zeigt auch der Katholikentag.

Autor/in:
Bernward Loheide
Markus Söder (v.l.n.r.), Ministerpräsident von Bayern; Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK); Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ehefrau Elke Büdenbender; Martin Heilig, Oberbürgermeister von Würzburg; und Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), halten bei der Eröffnung des 104. Katholikentags einen Schal mit dem Leitwort "Hab Mut, steh auf!", am 13. Mai 2026 in Würzburg. / © Harald Oppitz (KNA)
Markus Söder (v.l.n.r.), Ministerpräsident von Bayern; Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK); Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ehefrau Elke Büdenbender; Martin Heilig, Oberbürgermeister von Würzburg; und Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), halten bei der Eröffnung des 104. Katholikentags einen Schal mit dem Leitwort "Hab Mut, steh auf!", am 13. Mai 2026 in Würzburg. / © Harald Oppitz ( KNA )

"Überrascht nicht, interessiert nicht": Mit diesen Worten wies vor gut einem Jahr der damalige Unionsfraktionsvize Steffen Bilger die Kritik der Kirchen am "Zustrombegrenzungsgesetz" zurück. Die Kirche solle sich nicht in die Politik einmischen – diese Meinung schien sich über Parteigrenzen hinweg durchgesetzt zu haben. Beim Katholikentag in Würzburg ist davon fast nichts mehr zu spüren. Die Zeiten, in denen Politiker die Nähe von Bischöfen vermieden, weil sie ein Negativ-Image befürchteten, sind offenbar vorbei. Das liegt nicht nur an Papst Leo XIV.

Missbrauchsskandal, Mitgliederschwund, Reformstau: Die katholische Kirche hat viele Negativschlagzeilen provoziert und Vertrauen verloren. Doch in der Politik scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen: Es wäre ein großer Fehler, sie abzuschreiben. Denn die Kirche wird angesichts der großen gesellschaftlichen Krisen gebraucht. Darauf haben in Würzburg viele Politikerinnen und Politiker hingewiesen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Eröffnung des 104. Katholikentags am 13. Mai 2026 in Würzburg. / © Nicolas Ottersbach (DR)
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Eröffnung des 104. Katholikentags am 13. Mai 2026 in Würzburg. / © Nicolas Ottersbach ( DR )

Gemeinsam gegen Rechtsextremismus

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier machte den Anfang. In der Eröffnungsfeier lobte er das Katholikentagsmotto "Hab Mut, steh auf!". Es verdeutliche das Engagement der Christen gegen die zunehmende Weltuntergangsstimmung. Die Hoffnung der Christen, dass die Welt nicht verloren sei, werde dringend gebraucht. Staat und Kirche in Deutschland sind nach Ansicht Steinmeiers aufeinander angewiesen. "Das eine geht nicht ohne das andere."

Spitzenpolitiker wie Steinmeier und die Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU, Bayern) und Hendrik Wüst (CDU, NRW) sehen die Kirchen auch im Kampf gegen den Rechtsextremismus als Verbündete. Die Sorge treibt sie um, die AfD könnte nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September die Regierung übernehmen. Söder lobte Religion und Kirche als Bollwerke gegen antidemokratische Kräfte und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Politiker mischen sich in Kirchen ein

Auf internationaler Ebene sehen viele in Papst Leo XIV. ein solches Bollwerk. Die klare Ansage, mit er die Angriffe des US-Präsidenten Donald Trump zurückwies, hat seine Rolle als Weltgewissen gestärkt. Im Unterschied zu vielen anderen Institutionen, Unternehmen und Staaten hat die katholische Weltkirche keine Angst von Trumps Zorn, sondern kann sich ihm durchaus wirkungsvoll entgegenstellen. Auch die Kirche in Deutschland wertet das auf. Doch gerade weil sie als Partner für die Politik wieder wichtig ist, muss sie auch mit einer umgekehrten Einmischung leben: Mit Blick auf die rückläufige Zahl der Kirchenmitglieder befürchten manche Politiker, dass ihnen die Kirche als Partner abhandenkommen könnte, und fordern daher mutige innerkirchliche Reformen.

Amy Kirchhoff (l-r), Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Lisa Quarch, Geistliche Leiterin Bund der Deutschen Katholischen Jugend, nehmen beim 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg unter dem Motto "Gemeinsam Zukunft gestalten" an einer Podiumsdiskussion teil / © Matthias Schrader/AP Pool (dpa)
Amy Kirchhoff (l-r), Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Lisa Quarch, Geistliche Leiterin Bund der Deutschen Katholischen Jugend, nehmen beim 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg unter dem Motto "Gemeinsam Zukunft gestalten" an einer Podiumsdiskussion teil / © Matthias Schrader/AP Pool ( dpa )

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekannte sich in Würzburg zu seinem katholischen Glauben und zur christlichen Soziallehre. Bei seiner Diskussion mit jungen Menschen ging es unter anderem um die Frage, ob Social Media verboten werden sollte, um die negativen Folgen für Jugendliche einzudämmen.

Social Media und KI als Problem

Dies ist ein weiterer Grund für die Wiederannäherung von Politik und Kirche. Immer mehr Menschen vereinsamen und verrohen in der digitalen Welt künstlicher Intelligenz, einige radikalisieren sich dort. Der Zusammenhalt der Gesellschaft leidet, wenn Menschen in der analogen Welt kaum mehr zusammenkommen. Die Kirche bietet noch viele Räume für ein solches Miteinander, in denen sich echte Menschen begegnen und sozial engagieren.

Genau das bietet auch der Katholikentag in Hülle und Fülle: Zehntausende Teilnehmer treffen sich bis Sonntag bei rund 900 Veranstaltungen. Sie ringen gemeinsam um eine bessere Kirche und Welt.

Katholikentag

In der Regel findet alle zwei Jahre ein Katholikentag statt - diesmal in Würzburg. Der letzte war 2024 in Erfurt, 2028 wird erstmals Paderborn an der Reihe sein. In den ungeraden Jahren gibt es evangelische Kirchentage.

Katholikentage sind mehrtägige Großveranstaltungen, bei denen die katholische Kirche an die Öffentlichkeit geht. Sie finden in der Regel alle zwei Jahre statt, in diesem Jahr von Mittwoch bis Sonntag in Würzburg. 2024 war Erfurt an der Reihe, 2028 wird es erstmals Paderborn sein.

Schlussgottesdienst des 102. Katholikentags in Stuttgart  / © Harald Oppitz (KNA)
Schlussgottesdienst des 102. Katholikentags in Stuttgart / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA