Eine Woche vor seiner Fastenpredigt im Speyerer Dom hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) die Stoßrichtung seines Vortrags zum Thema Frieden angedeutet. Das Leben in Freiheit werde aktuell von außen massiv bedroht, sagte Kretschmann laut einer Mitteilung des Bistums Speyer vom Donnerstag. "Daher kann man zwar als Christ im Sinne Jesu Pazifist sein. Ein irdischer Staat kann aber nicht pazifistisch sein. Auch nicht ein demokratischer und freiheitlicher Staat. Gerade er nicht!", betonte der scheidende Ministerpräsident. Denn der Staat müsse seine Bürgerinnen und Bürger und deren Leben, Freiheit und Würde gegen Angriffe schützen - von innen und außen.
Dennoch müsse das politische Streben immer auf den Frieden gerichtet sein. Und das meine neben dem äußeren Frieden immer auch den inneren Frieden im Land. Dafür brauche es in einer Demokratie neben Rechtsstaatlichkeit und sozialem Ausgleich eine Kultur des zivilisierten Miteinanders - und damit des Dialogs, des Aushandelns und des Kompromisses. Kretschmann (77) sagte, er werde sich dem vorgegebenen Thema Frieden "mit dem Blick eines kritischen Katholiken" nähern.
Auch Gundula Gause predigt
Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann und das Domkapitel Speyer wollen mit den Fastenpredigten im Dom einen Beitrag zu einer "zeitgemäßen Verkündigung der christlichen Botschaft" leisten. In diesem Jahr wird eine Woche nach Kretschmann die Journalistin und ZDF-Nachrichtenmoderatorin Gundula Gause im Dom sprechen. Die Fastenpredigten Kretschmanns und Gauses - am 19. Februar und 26. Februar jeweils um 19.30 Uhr - werden live auf den Social-Media-Kanälen von Bistum und Dom übertragen und sind dort auch im Nachgang abrufbar.
Fastenpredigten haben in der katholischen Kirche eine bis in das 5. Jahrhundert zurückreichende Tradition. In früherer Zeit dienten sie auch der Vorbereitung der Taufbewerber auf den Empfang der Taufe in der Osternacht. Heute sollen sie, entsprechend dem Sinn der österlichen Bußzeit, "den Glauben der Zuhörer intensivieren und sie dabei unterstützen, ihr Leben am Evangelium zu orientieren", so das Bistum.