Militärbischof will Seelsorge auf Konflikt mit Russland vorbereiten

"Illusion einer dauerhaft friedlichen Ordnung zerstört"

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat viel zerstört - auch die Illusion vom dauerhaften Frieden in Europa. Deshalb muss die Seelsorge der Soldaten neu ausgerichtet werden, fordert Militärbischof Franz-Josef Overbeck.

Austeilung der Kommunion im Rahmen eines Gottesdienstes der Militärseelsorge / © Julia Steinbrecht (KNA)
Austeilung der Kommunion im Rahmen eines Gottesdienstes der Militärseelsorge / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Franz-Josef Overbeck / © Julia Steinbrecht (KNA)
Franz-Josef Overbeck / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Militärbischof Franz-Josef Overbeck will die Militärseelsorge auf einen möglichen bewaffneten Konflikt mit Russland vorbereiten. Die reale Möglichkeit, dass die Bundeswehr in einen Krieg an der Nato-Ostflanke hineingezogen wird, stelle die Militärseelsorge vor enorme Herausforderungen, schreibt Overbeck in einem Gastbeitrag für die "Herder Korrespondenz" (März-Ausgabe). Es brauche organisatorische Veränderungen der Militärseelsorge.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat laut Overbeck die Illusion einer dauerhaft friedlichen europäischen Ordnung zerstört. Die Rückbesinnung auf Landes- und Bündnisverteidigung sei unausweichlich.

Soldaten und ihre Familien begleiten

Falls es zu einem bewaffneten Konflikt komme, müsse die katholische Militärseelsorge eine seelsorgliche Begleitung von Soldatinnen und Soldaten während ihrer Einsätze und bei ihrer medizinischen Versorgung gewährleisten. "Um es deutlich zu formulieren: Es geht hier um die Begleitung von Einheiten im Kampf beziehungsweise im Einsatz sowie die Bereitstellung von Seelsorge für Verwundete und Sterbende", schreibt Overbeck. Sichergestellt werden müsse außerdem die seelsorgerische Begleitung der Familien der Soldaten.

Um diese Aufgaben zu erfüllen, sollte nach Einschätzung Overbecks die Militärseelsorge zudem möglichst auf allen militärischen Ebenen eingebunden sein. Sie müsse in enger Abstimmung mit den Kommandeurinnen und Kommandeuren vor Ort handeln. Auch sollten Militärseelsorger flexibel auf Anforderungen reagieren können, ohne ihre seelsorgerliche Unabhängigkeit aufzugeben.

"Ausgehend von dem Fall, dass die Kampfhandlungen vorwiegend an der Nato-Ostflanke erfolgen werden, stellt sich darüber hinaus auch die Frage der seelsorglichen Begleitung auf deutschem Boden", schreibt der Militärbischof weiter. "Hier müsste die Begleitung durch bestehende kirchliche Strukturen ergänzt werden, was nur in enger Absprache mit den Diözesen gelingen kann, deren Zuständigkeiten gewahrt bleiben müssen", so der 61-jährige Bischof von Essen. Er ist seit 2011 katholischer Militärbischof der Bundeswehr.

Militärseelsorge in Deutschland

Nach dem Soldatengesetz hat jeder Soldat und jede Soldatin Anspruch auf Seelsorge und ungestörte Religionsausübung.

Bislang leisten in der Bundeswehr die evangelische und die katholische Kirche sowie die jüdische Gemeinschaft eine vertraglich vereinbarte Militärseelsorge für die Soldaten und deren Angehörige.

Die Bundeswehr hat ein Nachwuchsproblem / © Monika Skolimowska (dpa)
Die Bundeswehr hat ein Nachwuchsproblem / © Monika Skolimowska ( dpa )
Quelle:
KNA