Sozialethiker Vogt äußert sich zur Münchner Sicherheitskonferenz

Putin und Trump befeuern Desinformationskrieg

Die Münchner Sicherheitskonferenz beschäftigt nicht nur Außen- und Verteidigungspolitiker. Auch Theologen traktieren Fragen von Krieg und Frieden. Der Sozialethiker Markus Vogt sieht Europa von zwei Seiten eingeklemmt: Putin und Trump.

Das Logo der 62. Münchner Sicherheitskonferenz vor dem Hotel Bayrischer Hof / © Kay Nietfeld (dpa)
Das Logo der 62. Münchner Sicherheitskonferenz vor dem Hotel Bayrischer Hof / © Kay Nietfeld ( dpa )

Der katholische Münchner Sozialethiker Markus Vogt sieht die westliche Demokratie durch einen Verlust der Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge bedroht. Neben Putins Russland trage auch US-Präsident Donald Trump dazu bei, sagte Vogt am Sonntag zum Abschluss der Münchner Sicherheitskonferenz der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Beide befeuerten einen Desinformationskrieg. 

Theologieprofessor Markus Vogt, Professor für Christliche Sozialethik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München / © Markus Vogt (KNA)
Theologieprofessor Markus Vogt, Professor für Christliche Sozialethik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München / © Markus Vogt ( KNA )

"Desinformation ist zur Waffe und zum Instrument politischer Manipulation geworden", sagte der Theologe. Russland beeinflusse mit hoher Reichweite in den sozialen Medien sogar Wahlen. Der Trumpismus erzeuge jenseits von Fakten maximale Aufmerksamkeit und lasse so traditionelle Formen vernünftiger Verständigung ins Leere laufen. Trump wie Putin versuchten, die unbequemen Wahrheiten unabhängiger Medien, Universitäten und Gerichte zu unterdrücken.

Im Desinformationskrieg spiele auch Religion eine wichtige Rolle, erläuterte der Sozialethiker. Sie diene dazu, politische Emotionen zu entfesseln. Lange habe der islamische Antimodernismus die Aufmerksamkeit gebunden. Inzwischen werde auch im Christentum Religion politisch instrumentalisiert. 

So habe der Moskauer Patriarch Kyrill den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine als "metaphysischen Kampf" gegen den vermeintlich gottlosen und dekadenten Westen gerechtfertigt. Das erscheine vielen hierzulande absurd. Für Kyrills Ablehnung moderner Freiheitsrechte gebe es aber eine breite Zustimmung.

"Weltweite Perversion der Ökumene"

Vogt sprach von einer "weltweiten Perversion der Ökumene". Reaktionäre Katholiken, Evangelikale und russisch-orthodoxe Christen hätten sich mit starken Spendern im Hintergrund zusammengetan, um den säkularen Liberalismus mit seinen Ansprüchen von Freiheit und Gleichheit anzugreifen. So sei eine neue Koalition zwischen Christentum und Autoritarismus entstanden.

Wladimir Putin (l) und Donald Trump / © Evan Vucci (dpa)
Wladimir Putin (l) und Donald Trump / © Evan Vucci ( dpa )

Als politische "Energiezentren" wirkten die Sakralisierung von Macht und Nation, der Kampf gegen eine liberale Migrationspolitik sowie die Ablehnung einer "Genderideologie", so der Theologe. Die polarisierende Wirkung dieser Themen werde religiös aufgeladen und durch digitale Propaganda vonseiten des Putinismus und Trumpismus verstärkt.

"Bullshitresistenz" stärken

Der Wissenschaftler sagte, es brauche eine neue Phase der Aufklärung gegen den Missbrauch des Glaubens für einen antidemokratischen und identitären Kulturkampf. Medienerziehung müsse "Bullshitresistenz" hervorbringen und politische Bildung die Fähigkeit vermitteln, Wahrheit, Freiheit und Verantwortung zusammenzudenken.

Markus Vogt

"Wer meint, er besäße die Wahrheit, ist ihr größter Feind."

Angesichts der europäischen Geschichte und ihrer fatalen Religionskriege warnte Vogt vor absoluten Wahrheitsansprüchen. "Wer meint, er besäße die Wahrheit, ist ihr größter Feind." Das hätten auch die Kirchen oft vergessen. Die Wahrheit Gottes sei stets größer als das je eigene Verständnis von ihr. Nach ihr zu suchen, erfordere Bereitschaft zu Selbstkritik, Umkehr und zur offenen Prüfung anderer Perspektiven. Die gleiche Logik liege den Menschenrechten zugrunde: "Sie sind immer auch die Rechte der anderen."

Die Münchner Sicherheitskonferenz

Die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) ist ein internationales Forum, auf dem über zentrale Fragen der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik diskutiert wird. Sie geht auf die 1963 gestartete "Wehrkundebegegnung" zurück. Ihr Gründer war Ewald-Heinrich von Kleist.

Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) / © Sven Hoppe (dpa)
Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) / © Sven Hoppe ( dpa )
Quelle:
KNA