Die ersten jungen Leute in Deutschland erhalten in diesen Tagen Post von der Bundeswehr. Darin werden sie gefragt, ob für sie ein Wehrdienst infrage kommt.
Aus diesem Anlass schreibt auch der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp 22.000 junge Erwachsene des Jahrgangs 2008 an. Er macht in seinem Schreiben darauf aufmerksam, dass es Beraterinnen und Berater der Kirche zu Fragen rund um Wehrdienst, Freiwilligendienst und Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen gibt, teilte die Landeskirche am Dienstag mit.
Die über 40 Berater würden eine niedrigschwellige Kurzberatung anbieten. Bei konkreteren Fragen zur Realität in der Bundeswehr, zu den Jugendfreiwilligendiensten oder zur Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen könnten sie die Hilfesuchenden an die Arbeitsstelle "kokon" für konstruktive Konfliktbearbeitung in der Landeskirche in Nürnberg verweisen, informiert die Landeskirche.
"Innere Stimme" verstehen
Tausende junge Menschen würden gerade darüber nachdenken, wie sie sich in einer unruhigen Welt für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit einsetzen könnten, schreibt der Bischof. Aus evangelischer Sicht sei die persönliche Gewissensentscheidung zentral. Kopp weist darauf hin, dass es unterschiedliche Wege gebe, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen.
Der Dienst in der Bundeswehr könne ein Beitrag zum Schutz der freiheitlich-demokratischen Staats- und Gesellschaftsordnung sein, sei aber in besonderer Weise mit Gewissensfragen verbunden. "Wir können Dir die Entscheidung nicht abnehmen", heißt es in dem Schreiben, teilt die Landeskirche mit, "aber wir begleiten Dich gern dabei, Deine innere Stimme besser zu verstehen".
Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz ist Anfang 2026 in Kraft getreten. Danach erhalten erfasste Personen ein Schreiben von der Bundeswehr, auf das sie eine Erklärung abgeben sollen, ob sie zum Wehrdienst bereit oder fähig sind. Ziel ist laut Gesetz, die Truppenstärke der Bundeswehr bis zum Jahr 2035 von derzeit rund 184.000 Soldatinnen und Soldaten auf 255.000 bis 270.000 zu erhöhen.