Katholische Verbände warnen angesichts des bestehenden Spardrucks in der gesetzlichen Krankenversicherung eindringlich vor einer Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern. Diese sei kein Geschenk, erklärten der Bund Katholischer Unternehmer und der Familienbund der Katholiken am Donnerstag in Berlin; sondern ein begrenzter Ausgleich im Rahmen eines umlagefinanzierten Systems, in dem Familien insgesamt höhere Beiträge leisteten.
Anstatt Familienbeiträge zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung zu erhöhen, fordern die Verbände Strukturreformen sowie mehr Wertschätzung und einen gerechten Ausgleich für die Leistungen von Familien. Die Erziehung von Kindern sei ein Generationen-Beitrag für das gesamte Sozialsystem.
Die Krankenversicherung werde - wie die Rente - in einem Umlageverfahren finanziert, argumentieren die Verbände. Die Bezeichnung der Mitversicherung als "beitragsfrei" sei irreführend, da grundsätzlich Beiträge auf das Gesamteinkommen der Familie erhoben würden. Die Mitversicherung sei vor allem für Menschen relevant, die wegen Sorgearbeit nicht erwerbstätig sein könnten. Die Familienversicherung schütze damit auch die Wahlfreiheit der Familien.
"Familienversicherung schützt Wahlfreiheit"
"Der Staat darf nicht in die Lebensplanung von Paaren eingreifen und sie für ihre Entscheidung bestrafen, Verantwortung füreinander und für Familienarbeit, Sorgearbeit und intergenerationales Miteinander zu übernehmen", erklärte der Präsident des Familienbundes der Katholiken, Ulrich Hoffmann. "Es geht aber nicht nur ums Geld. Es geht darum anzuerkennen, was Familie täglich leistet - für unsere Gesellschaft, aber auch für unsere Sozialversicherungen."
Der Bundesvorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer, Martin Nebeling, betonte, wer Angehörige pflege oder Kinder großziehe und zeitweise nicht erwerbstätig sein könne, dürfe nicht mit Beiträgen auf ein gar nicht vorhandenes Einkommen belastet werden.
"Wir brauchen keine Zusatzabgabe auf Familienarbeit, sondern eine nach der Kinderzahl gestaffelte Beitragsentlastung für Familien." Das Gesundheitssystem müsse durch mehr Effizienz, Prävention und Digitalisierung nachhaltige gestärkt werden, so Nebeling weiter. "Die Verantwortung für tragfähige Finanzierungsmodelle darf nicht auf die Familien abgewälzt werden."