Kölner Krippe thematisiert Trump, Venezuela und Grönland

"Jede Krippe ist politisch"

Zeitungen, Protestschilder und eine politische Mahnung im Stall von Bethlehem: Die Milieukrippe in St. Maria in Lyskirchen greift Trump, Venezuela und Grönland auf – und zeigt, warum Weihnachten kein Ereignis der Vergangenheit ist.

Autor/in:
Ina Rottscheidt
Die Milieukrippe in St. Maria in Lyskirchen im Januar 2026.  / © Benjamin Marx (privat)
Die Milieukrippe in St. Maria in Lyskirchen im Januar 2026. / © Benjamin Marx ( privat )

Eine Krippenfigur hält die Washington Post in der Hand. Auf dem Titel ist ein Bild von US-Präsident Donald Trump und einer fiktiven Grönland-Schlagzeile. Eine weitere hält ein Schild in der Hand, das an die Menschenrechte in Venezuela erinnert. Aktueller kann eine Krippe kaum sein. 

"Das Thema ist entstanden, nachdem Trump in Venezuela interveniert war. Er hat es wohl nicht der Menschenrechte wegen getan, sondern weil Venezuela ein erdölreiches Land ist", sagt der Schöpfer der Krippe, Benjamin Marx, im Interview mit DOMRADIO.DE. "Und wo ist das nächste Rohstoffparadies? In Grönland!", fügt er hinzu. 

Unter den vielen Kölner Krippen ist die sogenannte Milieukrippe in St. Maria in Lyskirchen in der Kölner Südstadt mittlerweile eine Institution: Seit über zwanzig Jahren greift sie gesellschaftliche Entwicklungen und das aktuelle Weltgeschehen auf. 

"Weihnachten ist kein Ereignis der Vergangenheit"

"Es gibt in der Krippe von Lyskirchen seit Jahren immer drei, vier Krippenfiguren, die eine Zeitung mit Themen lesen, die die Menschen bewegen", sagt Marx, der die Szenen seit vielen Jahren gestaltet. So solle das Geschehen in der Gegenwart der Menschen verortet werden. 

"Es wird erlebbar, dass Weihnachten kein Geschehen in der Vergangenheit ist und sich die Fleischwerdung des Wortes in unseren Herzen vollzieht", so Marx weiter. Die Darstellungen wechseln wöchentlich, von Anfang Advent bis zum Fest Darstellung des Herrn am 2. Februar. 

Die Milieukrippe in St. Maria in Lyskirchen im Januar 2026. Eine Krippenfigur hält ein Schild in der Hand, das an die Menschenrechte in Venezuela erinnert.  / © Benjamin Marx (privat)
Die Milieukrippe in St. Maria in Lyskirchen im Januar 2026. Eine Krippenfigur hält ein Schild in der Hand, das an die Menschenrechte in Venezuela erinnert. / © Benjamin Marx ( privat )

Sie vermitteln Erzählungen der Heilsgeschichte und klopfen sie gleichzeitig auf ihre Relevanz für die Gegenwart ab. Thema waren in den vergangenen Wochen bereits die "Stadtbilddebatte" von Kanzler Merz, die Wohnungsnot in Deutschland und die AfD. 

Jetzt ist Donald Trump in die Szenerie gerückt, verbunden mit der Sorge, er könnte sich demnächst auch Grönland einverleiben. Die Idee kam Marx nach der völkerrechtswidrigen Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und den unmissverständlichen Drohungen in Richtung Dänemark, das EU-Land möge die riesige Insel an die USA abtreten.

Nikolaus Groß als Krippenfigur

Marx sieht diese Ereignisse mit großer Sorge. Die Krippe in der kleinsten romanischen Kirche Kölns erinnert in diesem Jahr auch an die dunkelsten Jahre deutscher Geschichte: Neu hinzugefügt wurde dem Figurenensemble in diesem Jahr eine Darstellung von Nikolaus Groß. 

Der christliche Gewerkschafter und Widerstandskämpfer wurde 1945 von den Nazis hingerichtet. "Seine Figur soll wachrütteln, gerade in der heutigen Zeit, wenn es um aktuelle politische Fehlentwicklungen geht", sagt Marx.

Die Milieukrippe in St. Maria in Lyskirchen im Januar 2026. / © Benjamin Marx (privat)
Die Milieukrippe in St. Maria in Lyskirchen im Januar 2026. / © Benjamin Marx ( privat )

Eigentlich ist jede Krippe politisch, findet er: "Es heißt in der Schrift, dass ein Kind in einem armen Stall die Welt erlösen wird. Zum Erlöser dieser Welt haben sich schon immer die Reichen und Mächtigen auch berufen gefühlt." Schon Dietrich Bonhoeffer war überzeugt davon, dass die Mächtigen dieser Welt nur an zwei Orten einknicken: Vor dem Kreuz und an der Krippe: "Denn eben hier wanken die Throne, fallen die Gewaltigen, stürzen die Hohen, weil Gott mit den Niedrigen ist", schrieb er in seinen Gedanken über "Macht und Herrlichkeit der Krippe": "Hier werden die Reichen zunichte, weil Gott mit den Armen und Hungernden ist, weil er die Hungernden satt macht. Aber die Satten und Reichen gehen leer aus."

Die Krippe in der Kirche St. Maria in Lyskirchen steht in der Kölner Südstadt, in der Nähe des Schokoladenmuseums, und ist noch bis zum 2. Februar (Darstellung des Herrn) zu sehen. 

Quelle:
DR

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