Katholikentag in Stuttgart weiterhin in Präsenz geplant

Echte Begegnung ermöglichen

Nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie möchte das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken in Stuttgart Ende Mai endlich wieder Präsenzveranstaltungen anbieten. Digitale Alternativen gibt es aber nach dem Planungsstand weiterhin.

Flyer und Kugelschreiber liegen auf einem Logo des 102. Deutschen Katholikentags / © Harald Oppitz (KNA)
Flyer und Kugelschreiber liegen auf einem Logo des 102. Deutschen Katholikentags / © Harald Oppitz ( KNA )

DOMRADIO.DE: Wie zuversichtlich sind Sie, dass alles vor Ort stattfinden kann, auch wenn die Corona-Pandemie in der Zeit des Katholikentags, vom 25. bis 29. Mai, noch nicht vorbei sein wird?

Marc Frings, Generalsekretär des ZdK / © privat (KNA)
Marc Frings, Generalsekretär des ZdK / © privat ( KNA )

Marc Frings (Generalsekretär des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken): Das kennen wir natürlich, dank der Vorbereitungen für den dritten ökumenischen Kirchentag. Wir müssen hier agil bleiben, können aber versprechen, dass wir gemeinsam mit den Behörden in Stuttgart einen sicheren Katholikentag planen. Wir werden auf der Website tagesaktuell informieren, sodass alle Teilnehmenden ganz genau wissen, unter welchen Bedingungen sie nach Stuttgart kommen können. Wir sind da sehr zuversichtlich, dass wir darauf auch noch mal bis zuletzt reagieren können. Aber insgesamt gilt: Der Katholikentag soll eine sichere Veranstaltung sein. Eine Veranstaltung, die aber auch wieder Begegnung ermöglicht.

DOMRADIO.DE: Einen Vorteil hat ja die digitale Veranstaltung. Es konnten auch Menschen von weither dabei sein. Wird es auch diese Möglichkeit wieder geben?

Frings: Auf jeden Fall. Einerseits planen wir natürlich eine große analoge Veranstaltung mitten in Stuttgart, aber es wird eben auch digitale Möglichkeiten geben. Zum einen haben wir Medienpartnerschaften. ARD, ZDF und SWR werden Veranstaltungen im Fernsehen, im Internet übertragen. Aber wir haben auch eine Veranstaltungslokalität aufgerüstet für die Livestream-Übertragung. Es wird zudem eine Kooperation geben mit DOMRADIO.DE, worüber wir uns natürlich sehr freuen. Es wird aber auch dezidiert Veranstaltungen geben, ausschließlich für digital Teilnehmende. Auch Werkstätten werden darunter sein. Das heißt Mitwirkende, die für die Gäste hier in Stuttgart Angebote entwickelt haben, werden diese dann auch noch mal im digitalen Raum wiederholen. Wir setzen also darauf, auch die, die nicht kommen können – vielleicht auch unter normalen Bedingungen nicht gekommen wären, vielleicht aufgrund des Alters oder gesundheitlicher Bedingungen –, auch eine Möglichkeit bieten können, mit dabei zu sein.

DOMRADIO.DE: Nun führt seit vorletzter Woche Russlands Präsident Putin einen Angriffskrieg in der Ukraine. Jeden Tag sterben dort Menschen direkt hier bei uns in Europa. Passt das zusammen mit einem bunten Glaubensfest?

Bundespräsident beim Katholikentag in Stuttgart erwartet

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will im Mai zum Katholikentag nach Stuttgart kommen. Wie die Veranstalter am Montag vor Journalisten erläuterten, haben auch die Bundesministerinnen Bettina Stark-Watzinger (FDP) und Svenja Schulze (SPD) sowie ihr Kollege Hubertus Heil (SPD) und Ex-Bundesminister Thomas de Maiziere (CDU) ihre Teilnahme zugesagt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier / © Bernd von Jutrczenka (dpa)

Frings: Ja, wir wissen, dass wir in einer sehr ernsten Lage zusammenkommen werden. Die Ukraine-Situation, der völkerrechtswidrige Krieg, den Präsident Putin dort gerade losgetreten hat, wird uns beschäftigen. Aber natürlich ist auch der Missbrauch ein Thema. Die Pandemie ist weiterhin ein großes Thema. Deswegen werden wir natürlich mit einer gebotenen Ernsthaftigkeit zusammenkommen. Ich denke, es ist wichtig, auch noch mal zu markieren, wer wir sind als Laien, als katholische Zivilgesellschaft. Denn das eine ist die Ernsthaftigkeit und die Krisenlage insgesamt. Aber wir haben eben auch die Fähigkeit, daraus konkrete Taten abzuleiten, uns noch mal zu vergewissern, wer wir sind und was wir auch machen können angesichts dieser Krisen. Wir werden darauf auch noch mal reagieren können. Als wir das Programm entwickelt haben, es entstand ja ehrenamtlich aus den Reihen der katholischen Zivilgesellschaft, wussten wir nicht, wie ernst die Lage sein wird. So dass wir sicherlich neben den bereits geplanten Veranstaltungen zur Ukraine noch Weiteres dazulegen können. Ich denke, es wird die Mischung sein. Einerseits die Zuversicht zur Zeit des Abflauens der Pandemie wieder zusammenzukommen, aber gleichzeitig auch auf die Krisen reagieren zu können, kontrovers zu diskutieren, wie es weitergehen kann.

DOMRADIO.DE: Inwieweit kann es auch gerade gut sein, in Krisenzeiten zusammenzustehen, in Präsenz und live vor Ort?

Frings: Ich glaube, das Wichtige ist tatsächlich, dass wir zwar die Digitalität sehr gut eingeübt haben, aber gerade Katholikentage – und das gilt genauso auch für die evangelischen Kirchentage –, leben von der konkreten Begegnung. Deswegen geht es nicht nur um die großen Podien, um die prominent besetzten Bühnen, sondern eben auch um die Werkstätten, um die Zentren, wo konkrete Dienstleistung möglich ist, Begegnung möglich ist, auch individuelle Beratung oder Paarberatung möglich ist. Gerade die Pandemie hat ja vieles offengelegt, was in der Gesellschaft, in der Weltpolitik auch nicht gut läuft. Insofern hoffe ich da auch auf wichtige Impulse. Wir haben beispielsweise ein großes Podium zum Thema Einsamkeit geplant, ein Thema, das sicherlich noch mal eine ganz neue Aufmerksamkeit erfahren hat und vielleicht auch aus der Ecke der Tabuisierung heraus kommt, sodass man auch über bestimmte Ängste, Sorgen, die uns alle plagen, auch offener reden kann. Insofern hoffen wir auch auf einen offenen Diskurs, um zu überlegen, welche Lernimpulse wir auch aus der Pandemie mitnehmen können.

DOMRADIO.DE: Da gibt es viel, was im Mittelpunkt stehen wird, aber ein bisschen Unbeschwertheit darf auch sein, oder?

Katholikentagsbesucher (Archiv) / © Harald Oppitz (KNA)
Katholikentagsbesucher (Archiv) / © Harald Oppitz ( KNA )

Frings: Na hoffentlich. Also wir sehen natürlich, dass auf die katholische Kirche gerade im Krisenmodus geschaut wird. Es gibt viele Grundsatzfragen, wie man Vertrauen zurückgewinnen kann, das man bitter eingebüßt hat. Das gehört genauso zusammen wie vieles andere. Wir reden ja von über 1700 Veranstaltungen und Ereignissen, die vom 25. bis 29. Mai stattfinden sollen. Und dazu gehört eben die Ernsthaftigkeit, genauso auch wie die Freude, so dass wir allen gerecht werden. Auch der Krisenhaftigkeit auf internationaler Ebene.

DOMRADIO.DE: Wenn ich mitmachen möchte, was muss ich tun?

Frings: Dann lohnt es sich jetzt regelmäßig auf Katholikentag.de zu schauen. Das Programm erscheint an diesem Montag (07.03.2022) digital und es folgt dann in wenigen Tagen noch die App. Hier kann man sich anmelden. Bis zum 21. März gibt es noch den Frühbucher-Rabatt, das heißt da gibt es noch vergünstigte Tickets, da lohnt es sich jetzt zuzuschlagen. Und dann sollte man sich wirklich die Zeit nehmen, durch die wirklich spannenden 1700 Veranstaltungen zu scrollen, nicht mehr zu blättern, sondern alles ist digital, um individuelle Vorfreude aufkommen zu lassen.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Quelle:
DR
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