Kardinal Woelki fordert mehr Einsatz für Flüchtlinge

"Wir können mehr"

Anlässlich der Brände im Flüchtlingslager Moria fordert der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki eine größere Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge: "Seien wir doch ehrlich, wir können mehr."

Kardinal Woelki (DR)
Kardinal Woelki / ( DR )

Anlässlich der Brände im Flüchtlingslager Moria hat sich Rainer Maria Kardinal Woelki heute in einer weiteren Videobotschaft zu Wort gemeldet. Er spricht darin seine Anerkennung aus über das Vorhaben der Bundesregierung, 150 unbegleitete Minderjährige aufzunehmen, betont aber, dass dies nicht genug sei: "Seien wir doch ehrlich, wir können mehr, Deutschland kann mehr, Europa kann mehr. Helfen wir diesen Menschen aus ihren Flüchtlingslagern herauszukommen und geben wir ihnen eine Perspektive", so der Kölner Erzbischof auf seinem Facebook-Kanal.

"Ich bin so froh und dankbar, dass Sant'Egidio jetzt vor Ort ist und 1000 Menschen hilft und ihnen Essen und Trinken gibt", so Kardinal Woelki in seiner heutigen Videobotschaft. "Wir haben deshalb heute 20.000 Euro überwiesen, um den Helfern dort zu helfen und sie zu unterstützen."

Gemeinschaft Sant'Egidio hilft

Die Zustände vor Ort, etwa bei der Ausgabe von Essen, sind katastrophal, berichtet Nadim Ammann, Leiter der Diözesanstelle Weltkirche–Weltmission, der die Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft Sant'Egidio organisiert: "Die Menschen müssen teilweise über Stunden in der Sonne in der Schlange stehen und warten - wozu die Schwächsten schlichtweg nicht in der Lage sind -, um dann in einer menschenunwürdigen Weise das Essen zu erhalten. Daher ist hier das Engagment von Sant'Egidio sehr wertvoll." Auch für die zukünftige Arbeit von Sant’Egidio hat das Erzbistum Köln seine Unterstützung zugesichert.

Die Gemeinschaft Sant'Egidio kümmert sich seit 2016 darum, dass die Menschen im Flüchtlingslager menschenwürdig versorgt werden. Durch das Projekt können die Menschen gemeinsam an Tischen essen und entsprechend den Hygienebestimmungen auch bedient werden. Für Familien und Kinder, die unter besonderen Belastungen stehen, wurden darüber hinaus auch Freizeitgestaltungen und Betreuungen angeboten. Der direkte Kontakt zu den Menschen ermöglichte es den freiwilligen Helfern vor Ort überdies, besonders Schutzbedürftige zu identifizieren, die ausgeflogen werden konnten. Aufgrund eines Verbots der Behörden können die NGOs aktuell nicht mehr direkt zu den Menschen gehen, wie Cesare Zucconi, Generalsekretär von Sant’Egidio, berichtet. „Wir hoffen, den Flüchtlingen möglichst bald wieder direkt helfen zu dürfen“, so Zucconi weiter „was jetzt aber unbedingt geschehen muss ist, dass andere europäische Länder diese Flüchtlinge aufnehmen".

Weihbischof Puff für Luftbrücke

Auch Weihbischof Ansgar Puff machte am Donnerstag in einem Videobeitrag bei DOMRADIO.DE deutlich, dass in den letzten Monaten und Jahren bewiesen wurde, wie Integration möglich sei und folgert daraus: "Wir würden es auch jetzt schaffen - mit einer Luftbrücke - aus humanitären Gründen die 12.000 verzweifelten Menschen aus dem abgebrannten Flüchtlingslager in Moria auf Lesbos zu uns nach Deutschland zu holen und zu integrieren."

"Die Aktion Neue Nachbarn begrüßt die Initiative des Landes NRW, 1000 Geflüchtete aufzunehmen", so Irene Porsch, Flüchtlingsbeauftragte der Caritas im Erzbistum Köln. "Kapazitäten für die Aufnahme der Geflüchteten sind vorhanden, die Aktion Neue Nachbarn steht mit ihrem bewährten Hilfenetz aus 230 Hauptamtlichen und rund 10.000 Ehrenamtlichen in Caritas und Kirchengemeinden bereit." Kardinal Woelki hatte die Aktion Neue Nachbarn 2014 gegründet, um Geflüchtete willkommen zu heißen und sie bei der Integration in Deutschland zu unterstützen.

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