Kurienkardinal kritisiert erneut "Konzentrationslager" Moria

Eine Frage des politischen Willens

Nach dem Brand des Flüchtlingslagers Moria hat der polnische Kurienkardinal Konrad Krajewski die Politik in Europa scharf kritisiert: Seit Jahren schon hätte das Lager, in dem sich zuletzt fast 13.000 Menschen aufhielten, geleert werden können.

Flüchtlingslagers Moria: Mehrere Brände haben das Lager fast vollständig zerstört / © Socrates Baltagiannis (dpa)
Flüchtlingslagers Moria: Mehrere Brände haben das Lager fast vollständig zerstört / © Socrates Baltagiannis ( dpa )

Bereits bei seinem ersten Besuch 2016 zusammen mit Papst Franziskus "haben wir gefordert, dieses 'Konzentrationslager', wie der Papst es damals zu Recht nannte, dieses neue europäische Lager aufzulösen", sagte er im Interview der Zeitung "Corriere della Sera" (Online Mittwochabend).

Die Wortwahl "Konzentrationslager" war damals auf Kritik gestoßen, weil viele damit vor allem NS-Vernichtunglager assoziierten. Franziskus wie auch Krajewski meinten demnach jedoch Lager, in denen viele Menschen konzentriert festgehalten würden.

"Eine unmenschliche Politik"

Der Vatikan und die Gemeinschaft Sant'Egidio hätten leider nur einige Dutzend Personen nach Italien holen können, sagte der Kardinal. Dort würden diese Menschen gut integriert, lernten Italienisch, besuchten Schulen und kosteten den Steuerzahler keinen Euro, so Krajewski, der Sozialbeauftragter des Papstes ist.

Mit ihrer Untätigkeit bringe die Politik Menschen um. "Eine unmenschliche Politik, die allen europäischen Werten widerspricht." Glücklicherweise gebe es bisher keine Nachrichten über Gewalt. Aber "wie viele Menschen müssen sterben, damit wir uns endlich bewegen?", so der Kardinal.

Auf die Kritik, man könne "doch nicht alle aufnehmen", entgegnete Krajewski: "Das stimmt nicht. Es ist nur eine Frage des politischen Willens. Die Familien, die wir in Italien aufgenommen haben, kosten den Staat nichts, es genügte nur eine Unterschrift."

Quelle:
KNA