Zentralrat der Juden kritisiert Auswüchse in Corona-Debatte

"Ich missbillige diese Vergleiche"

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Schuster, hatte sich kürzlich für eine Impfpflicht ausgesprochen. Gleichzeitig vergleichen seine Kritiker die Politik in der Coronakrise mit dem Dritten Reich. Er habe "überhaupt kein Verständnis dafür".

Demonstrant der "Querdenken"-Bewegung / © Annette Riedl (dpa)
Demonstrant der "Querdenken"-Bewegung / © Annette Riedl ( dpa )

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, kritisiert Vergleiche zwischen der deutschen Corona-Politik und dem Dritten Reich. "Ich habe dafür überhaupt kein Verständnis, sagte Schuster in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" an diesem Samstag. "Ich missbillige diese Vergleiche, unter anderem weil Juden im Dritten Reich keine Möglichkeit hatten zu entkommen."

Schuster: Staatliche Maßnahmen keine Verfolgung

Schuster fügte hinzu: "Die Menschen, die heute diese Vergleiche anstellen, bezeichnen staatliche Maßnahmen als Verfolgung. Das ist schlicht falsch." Ungeimpfte würden aus Gründen des Gesundheitsschutzes aus bestimmten Bereichen ausgegrenzt, in denen 2G herrsche. Der Mediziner sagte: "Ohne Impfung kann ich heute zum Beispiel nicht in ein Restaurant gehen. Aber die Menschen haben es selbst in der Hand, das zu ändern - sie müssen sich nur impfen lassen."

Der Zentralrat der Juden in Deutschland stellt sich hinter die Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht. Schuster mahnte am Montag ein entschiedenes Vorgehen gegen antisemitische oder gewalttätige Proteste an. "Impfgegner und Corona-Leugner radikalisieren sich in einem erschreckenden Ausmaß", erklärte Schuster in Berlin. "Bei Einführung einer allgemeinen Impfpflicht sind noch stärkere Proteste und Gewalt nicht auszuschließen." Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung sei jedoch wichtiger. Schuster ist selbst Arzt.

Längerfristiges politisches Engagement nötig

Der Rechtsstaat müsse seine Mittel gegen staatsgefährdende und antisemitische Entwicklungen bei Protesten ausschöpfen, fügte der Präsident des Zentralrats hinzu. Es werde aber auch "ein längerfristiges politisches Engagement nötig sein, um die gesellschaftlichen Verwerfungen wieder zu glätten". Der Zentralrat begründete die Unterstützung für die Impfpflicht auch religiös. Grundlage sei das biblische Gebot, das Leben zu schützen und körperliche Schäden abzuwenden. Ein Impfzwang könne daraus aber nicht abgeleitet werden.

Josef Schuster / © Harald Oppitz (KNA)
Josef Schuster / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA , dpa
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