Birgit Mock findet Mut beim Umgraben

Hausaufgabe Sexualität

Beten kann Birgit Mock im Garten fast am besten. In der Kirche setzt sie sich vor allem mit der Sexualität auseinander. Wenn die Kirche in die Gesellschaft wirken will, muss sie auch bei diesem Thema glaubwürdig sein, sagt sie. 

Birgit Mock, Geschäftsführerin des Hildegardisvereins / © Ingo Brüggenjürgen (DR)
Birgit Mock, Geschäftsführerin des Hildegardisvereins / © Ingo Brüggenjürgen ( DR )

Ingo Brüggenjürgen (DOMRADIO.DE-Chefredakteur): Frau Mock, wir haben Sie als Mutmacherin ausgewählt. Sehen Sie sich selbst auch so?

Birgit Mock (Geschäftsführerin des Hildegardisvereins): Mutmacherin? Gute Frage. Ich erlebe es auf dem Synodalen Weg tatsächlich so, dass viele mir immer wieder sagen: "Wie gut, Birgit, dass du mit dem Thema Sexualität an dieser Stelle unterwegs bist. Es ist so ein wichtiges Thema für uns in der Kirche. Wir brauchen Menschen, die das glaubwürdig nach vorne bringen und verheutigen." Dankenswerterweise erfahre ich das immer wieder.

Brüggenjürgen: Wenn man, so wie Sie, anderen Mut macht: Woher nimmt man selbst den Mut?

Mock: Ich merke, dass eine ganz wichtige Kraftquelle für mich in der Familie liegt. Dazu gehört eine Art der Gastfreundschaft, ein Zusammensein mit lieben Menschen, mit den eigenen Kindern, mit meinem Mann und unseren Freunden.

Es gehört auch dazu, im Garten zu sein und die Schöpfung immer wieder so zu erfahren. Für mich ist zum Beispiel das Umgraben eine ganz wichtige Kraftquelle. Wenn ich im Garten bin, die Erde umgrabe und sehe, was wächst und uns immer wieder geschenkt wird, dann bin ich ganz erfüllt. Beten kann ich im eigenen Garten fast am besten.

Brüggenjürgen: Umgraben als Gottesdienst: Was muss denn Ihrer Ansicht nach in der Kirche umgegraben werden?

Mock: Ich bin Vizepräsidentin des Katholischen Frauenbundes und bin nicht zuletzt durch den Frauenbund wirklich politisch geworden. Das ist für mich eine wichtige Aufgabe. Wenn wir die Gesellschaft gestalten wollen, wenn wir uns zu den dramatischen Themen unserer Zeit äußern wollen – zu Klimafragen, sozialpolitischen Fragen und vielem anderen mehr – dann ist es eine wichtige Baustelle, uns zu fragen, wie wir da heute glaubwürdig sein können. Das können wir in der Politik nur, wenn wir unsere kirchlichen Hausaufgaben machen. Deswegen setze ich mich in der Kirche für das Thema Sexualität ein.

Brüggenjürgen: Wenn ich mich als Fahrradpilger auf den weiteren Weg in Richtung Rheinquelle mache, was geben Sie mir mit auf den Weg?

Mock: Ich gebe Ihnen die ganzen weiblichen Vorbilder mit, die wir haben. Im Frauenbund haben wir immer wieder neu die Stärke von Maria Magdalena erfahren, der Apostelin der Apostel. Das ist die erste Frau, die Jesus als Auferstandenen bezeugt hat. Sie war die erste, die die Hoffnung hatte: Sie hatte gesehen, wie er gestorben ist, wie er begraben wurde und wie er auferstanden ist. Die Kraft dieser Frau, die so ein Zeugnis abgelegt hat für uns, die möge Ihnen Mut machen auf ihrer nächsten Etappe.

Artikel, Bilder und Videos zur Pilgertour von DOMRADIO.DE-Chefredakteur finden Sie tagesaktuell auf unserer Themenseite "Pilgern live – Zurück zur Quelle". 


Quelle:
DR
Mehr zum Thema