Friedensinitiativen kritisieren neuen freiwilligen Wehrdienst

"Für den Heimatschutz braucht es keine Ausbildung an der Waffe"

​Die evangelische Friedensarbeit kritisiert eine Einführung eines weiteren freiwilligen Wehrdienstes. Sie wittert eine Art "Etikettenschwindel". Ab April 2021 will die Bundeswehr den neuen "Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz" anbieten. 

Soldatin in der Bundeswehr / © Bernd von Jutrczenka (dpa)
Soldatin in der Bundeswehr / © Bernd von Jutrczenka ( dpa )

Die Bundeswehr erwecke den Eindruck, als ob ein neuer Freiwilligendienst geschaffen werde, während es um eine verstärkte Rekrutierung von Minderjährigen in die Bundeswehr gehe, teilte die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für KDV und Frieden (EAK) am Donnerstag in Bonn mit.

"Was unter dem Deckmantel eines gemeinwohlorientierten Freiwilligendienstes daherkommt, ist ein neuer Versuch der Bundeswehr, junge Menschen für einen Dienst an der Waffe zu gewinnen", sagte AGDF-Vorsitzende Christine Busch. Mit den eigentlichen, zivilgesellschaftlich getragenen Freiwilligendiensten habe dieses neue Angebot nichts zu tun.

Fehlende fachliche Expertise

Der Sprecher der EAK, Wolfgang Buff, betonte: "Für den Heimatschutz braucht es keine Ausbildung an der Waffe. Für den Katastrophenschutz ist die Bundeswehr nur nachrangig bei Anforderung durch Länder oder Kommunen zuständig.

Zudem fehlt den freiwilligen Wehrdienstleistenden die fachliche Expertise beispielsweise von THW oder dem Deutschen Roten Kreuz." Wer wirklich etwas für das Gemeinwohl tun wolle, der sollte sich bei den "echten Freiwilligendiensten wie das Freiwillige Soziale, Ökologische oder internationale Jahr" engagieren.

Sorge, dass sich Minderjährige melden

Die beiden Initiativen befürchten, dass die Bundeswehr nun mit erheblichen Finanzmitteln insbesondere an Schulen oder Ausbildungsstätten für diesen freiwilligen Wehrdienst werbe, der sich an junge Menschen richte. 

"Daher ist es nicht auszuschließen, dass sich gerade unter 18-Jährige für diesen freiwilligen Wehrdienst melden", so Buff. 

Möglichkeit soll ab April 2021 bestehen

Er verwies auf entsprechende Forderungen sowohl des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes wie auch der Kinderkommission des Deutschen Bundestages, die einen sofortigen Stopp der Rekrutierung Minderjähriger durch die Bundeswehr fordern. 

Ab April 2021 will die Bundeswehr einen neuen "Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz" anbieten. Unter dem Motto "Dein Jahr für Deutschland" solle eine Lücke im Rahmen der beruflichen Möglichkeiten bei der Bundeswehr geschlossen werden, hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in der vergangenen Woche gesagt. Bewerbungsstart ist laut Bundeswehr der 1. September 2020.

Quelle:
KNA